Totaloffensive: Bela, Farin und Rod veröffentlichen ihr Lebenswerk auf CD, sagen "Ja" zum Streaming und gehen auf Tour.

Berlin (mis) - Noch überraschender als die kürzliche Nachricht ihres Live-Comebacks 2019 dürfte diese Meldung sein: Die Ärzte kapitulieren vor der Macht des technischen Fortschritts und geben ihren kompletten Songkatalog (exklusive der indizierten Alben "Ab 18" und "Die Ärzte") für Streamingportale frei.

Spotify und Deezer werben bereits mit BelaFarinRod-Anzeigen für den Streamingstart am 16. November. Die Band im O-Ton: "Da uns die Schönheit und Haptik unserer Werke nach wie vor am Herzen liegt, wird es natürlich weiterhin CDs und Vinylplatten (das sind diese großen, schweren, runden, schwarzen Scheiben mit den komischen Ziermustern auf beiden Seiten) geben – und außerdem nach längerer Durststrecke auch analoge, heiße und sehr laute Konzerte. Denn: Wir sind eine Band, wo man schwitzt!"

Neben den für 2019 angekündigten Festival-Auftritten bei Rock am Ring und Rock im Park (7. bis 9. Juni 2019), Novarock (Nickelsdorf/Österreich, 14. bis 16. Juni) und beim Open Air St.Gallen (St.Gallen/Schweiz, 27. bis 30. Juni) zieht es die Beste Band Der Welt auch wieder in die Clubs. Zum Warmspielen für besagte Open Airs plant die Band laut Newsletter im Mai Konzerte im Rahmen der "Miles & More Tour". Bela, Farin und Rod treten demnach in London, Brüssel, Amsterdam, Ljubljana, Luxemburg, Mailand, Prag, Straßburg, Warschau und Zagreb auf. Der Vorverkauf soll Ende September starten.

Monster-Boxset für 333 Euro

Von einem neuen Studioalbum ist zwar keine Rede, dafür schauen Die Ärzte noch einmal ausufernd auf ihre Karriere zurück. Am 16. November 2018 erscheint mit "Seitenhirsch" ein Boxset mit dem Gesamtwerk der Band auf And More Bears, dem Label von Richard Weize, Gründer des Kultlabels Bear Family. Die Rede ist von 33 CDs, die in elf Mediabooks gesteckt in einem Sonderformat (27,5 x 22,5 x 15 cm) erscheinen. Darin befinden sich sämtliche Die-Ärzte-Alben, Singles und B-Seiten sowie Songs aus der Entstehungsphase der Band, darunter seltene Tracks, bislang unveröffentlichte Demos und rare Studioaufnahmen sowie neue Interviews und Fotos. Besonders interessant dürfte ein nie veröffentlichtes Album auf englisch sein. Der Spaß kostet 333 Euro. Im Gegensatz zur "Appetite For Destruction"-Megabox von Guns N' Roses allerdings ein Schnäppchen (975 Euro). Die Box ist ab sofort hier vorbestellbar!

Für den etwas schlankeren Fan-Geldbeutel wird im Frühjahr 2019 das unveröffentlichte Bonusmaterial der Box auf drei CDs bzw. Vinyl unter dem Titel "They've Given Me Schrott – Die Outtakes" erscheinen.

Farin Urlaub zum Spotify-Turn

Im Gästebuch seiner Website ging Farin Urlaub am Wochenende detailliert auf die unerwartete Entscheidung pro Streamingdienste ein: "Nachdem nun auch in meinem Freundeskreis zunehmend CD-Spieler und Stereoanlagen versteigert (oder gar gleich verschrottet) werden, und nachdem sich offenbar der Großteil der Menschheit damit zufrieden gibt, Musik als von Logarithmen ausgesuchtes Hintergrundgeräusch auf dem sensationellen Lautsprecher eines Mobiltelefons zu konsumieren, gebe ich den Kampf gegen die Windmühlen des Fortschritts auf. Es wird also demnächst unsere und meine Musik nicht nur auf Vinyl und CD, sondern auch auf den wunderschönen Streamingportalen dieses Planeten geben. Ein dreifaches Hurra für die Zukunft! Ja, ich weiß, es gibt deutlich wichtigere Dinge auf der Welt, aber ich wollte wenigstens Bescheid schreiben, bevor sich jemand erschrickt. (Keine Sorge: ich werde jetzt nicht plötzlich anfangen, zu tweeten oder Euch auf Fuckface zu befrienden. Aber vielleicht kann mir AlphaGo ja ein bißchen bei den Texten helfen...?)"

Fotos

Die Ärzte

Die Ärzte,  | © LAUT AG (Fotograf: Björn Jansen) Die Ärzte,  | © LAUT AG (Fotograf: Björn Jansen) Die Ärzte,  | © LAUT AG (Fotograf: Björn Jansen) Die Ärzte,  | © LAUT AG (Fotograf: Björn Jansen) Die Ärzte,  | © LAUT AG (Fotograf: Björn Jansen) Die Ärzte,  | © LAUT AG (Fotograf: Björn Jansen) Die Ärzte,  | © LAUT AG (Fotograf: Björn Jansen) Die Ärzte,  | © LAUT AG (Fotograf: Björn Jansen) Die Ärzte,  | © LAUT AG (Fotograf: Björn Jansen) Die Ärzte,  | © LAUT AG (Fotograf: Björn Jansen) Die Ärzte,  | © LAUT AG (Fotograf: Björn Jansen) Die Ärzte,  | © LAUT AG (Fotograf: Björn Jansen) Die Ärzte,  | © LAUT AG (Fotograf: )

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4 Kommentare mit 8 Antworten

  • Vor 2 Monaten

    Die meisten Musiker mit künstlerischem Selbstverständnis verachten Spotify und alles, für was Spotify steht, aber aus ökonomischer Sicht muss man halt schauen, wo man bleibt.
    "...Musik als von Logarithmen ausgesuchtes Hintergrundgeräusch auf dem sensationellen Lautsprecher eines Mobiltelefons zu konsumieren": Sehr schöne und treffende Beschreibung von Spotify.

    • Vor 2 Monaten

      Wer Spotify nicht vernünftig nutzen kann oder will, soll weiterhin die Summer Hits Playlist über die Lautsprecher seines Mobiltelefons hören uns aber mit seiner unbedarftheit verschonen. Pauschalierungen sind natürlich immer sehr einfach und für manche das einzige.

    • Vor 2 Monaten

      Spotify ist wahrlich eine Fundgrube und das Angebot ist riesig, aber an der Oberfläche dominieren die Algorithmen und die verkackten Playlists. Spotify macht in seiner Präsentation keinen Hehl daraus, dass es sich in erster Linie am "Casual-Hörer" orientiert, der auf dem Smartphone mit Billigstöpseln hört, eigentlich nur Mainstream-Ware konsumiert und seinen Musikgeschmack von der Industrie diktiert bekommt.
      Sicherlich nutzt man Spotify als vernarrter Musikkenner anders als der "Casual-Hörer", aber dennoch ist es ein unbefriedigendes Hörerlebnis und da kann ich Urlaubs Kommentar nur beipflichten. Der Widerstand gegen Streaming und Flatratepreise ist aber zwecklos.
      Wie Spotify Musikveröffentlichungen verändert, sehen wir schon: Mini-Alben mit 20 Minuten Laufzeit und der Fokus auf Abrufzahlen.

    • Vor 2 Monaten

      Niemand zwingt dich verkackte Playlisten zu hören. Und die Algorithmen kannst du auch links liegen lassen. Wenn du nur willst. Also in der Playlist "Dein Mix der Woche" (ups, auch von einem bösen Algorithmus erstellt) habe ich schon so viele Perlen entdeckt die garantiert in keinen Charts auftauchen.
      Jeder ist selbst dafür verantwortlich was er hört. Absolut niemand kann dir/mir vorschreiben was du/ich zu hören habe!

    • Vor 2 Monaten

      @ lenon: "Absolut niemand kann dir/mir vorschreiben was du/ich zu hören habe!" Noch kannst du bei Spoty aussuchen, ja. Aber in der Zukunft? Je stärker die werden, desto mehr können die bestimmen (bspw. wer überhaupt veröffentlicht wird und wer nicht). Spotify ist KEIN freier Musikmarkt!

    • Vor 2 Monaten

      Man muss hier allerdings bedenken, dass der unbedarfte Hörer auch vor Spotify ein unbedarfter Hörer war. Nur dass ihm nicht der Algorithmus die Musik ausgesucht hat, sondern ein Radiosender, Dieter Bohlen, die VIVA/MTV Redaktion etc. Was da nun besser/schlechter ist muss jeder für sich entscheiden. Spotify ändert Musik halt in der Hinsicht, dass eine Single die einschlägt meistens schon ausreicht um ordentlich Cash einzufahren, also wozu noch ein Album?
      Simples Beispiel dieses "Nie ohne mein Team", was den Interpreten bis heute knapp 250k in die Kasse gespült hat. Wäre mit herkömmlichem Single Release über iTunes, Amazon, Rohling so sicher nicht möglich gewesen.

      Spotify bietet den riesen Vorteil, dass man wirklich nur die Songs eines Albums konsumieren muss, die man wirklich gerne hören möchte, ohne vorher alles umständlich von der CD zu rippen. Der Gedanke des Gesamtkunstwerks steht doch seit 20 Jahren nicht mehr im Vordergrund, und wenn man ehrlich ist, sind auch die Ärzte Alben keine Konzeptplatten die man nur als Ganzes feiern kann. Hinzukommt, dass Plattenläden in D eigentlich immer ziemlich schlecht sortiert sind und überwiegend die Charts abdecken. Ich "musste" als Teenager unendlich viele Alben illegal downloaden, weil der Import von CDs, die hierzulande gar nicht angeboten wurden, schlicht zu teuer war.

    • Vor 2 Monaten

      Spotify beste! Hater können Dick sucken!

      Wobei durch den Zugriff auf diese Massen von Musik das Ganze leider auch schnell zum Fast Food-Musikkonsum führt imo - man konzentriert sich halt weniger auf einzelne Alben imo, weil so viel neuer Kram auf einen wartet :(

    • Vor 2 Monaten

      Bei mir läuft es so, dass ich mir jeden Monat ein bis zwei Alben auf Schallplatte kaufe. Ich gebe also ca. 200€ für Musik aus, also ca. das Doppelte eines Spotify-Abos, dafür ist das Geld aber nicht weg und man kann man sich schön auf ein Album konzentrieren.

  • Vor 2 Monaten

    hm kann man sich echt mal geben die musik von den ärzten, ich war ja immer eher ein onkel.. mittlerweile ist da die grenze nicht mehr so eng

  • Vor 2 Monaten

    Schönes Gesamtwerk von den Ärzten, wahrscheinlich qualitativ so gut wie man es von Bear Family kennt, aber wieso kommt das nicht von Hot Action Records raus, ihrem Hauslabel? und was soll dieser seltsame Name "Seitenhirsch"...
    Naja mal schauen wenn die Box erschienen ist.

  • Vor 2 Monaten

    Also gerade in der heutigen Retrowelle einen Witz darüber machen, was Schallplatten sind? Wann waren die Jungs das letzte mal an der frischen Luft? Ansonsten zwar verständlich aber schade um den Richtungswechsel.