SZ-Journalist und Autor Alexander Gorkow lässt seine Vergangenheit in schillernd nostalgischen Farben erstrahlen.

Düsseldorf (rnk) - "The Sweet und T.Rex bumsen sehr viel, falls es euch interessiert", erklärt Manuela. Eine sexuell aufgeklärte Person, die zwei Grundschulkinder damit vor die spannende Frage stellt, was genau dieses Bumsen eigentlich ist.

Anhand der Bands und der Verwirrung der Kleinen lässt sich der ungefähre Zeitpunkt von Alexander Gorkows Roman "Die Kinder hören Pink Floyd" (Kiepenheuer&Witsch, 192 Seiten, Hardcover, knapp 20 Euro) ablesen. Sein ehemaliges Idol Roger Waters traf der Autor und Journalist vor ein paar Jahren persönlich, kurz nachdem der sich mit antisemitischen Aussagen über Israel endgültig zum senilen Vollhorst machte.

Erschütterndes Treffen

Dieses erschütternde Treffen beschreibt Gorkow im Epilog. Ansonsten dient die englische Progressive Rock-Band in dem erfreulich kompakten Roman als Aufhänger für ungelenke Gespräche, die Gorkow aus der Ich-Perspektive mit älteren Kindern und Eltern führt. Ein stotternder Außenseitertyp, dem auch noch ein Junge mit Down-Syndrom anvertraut wird. Eingangs erwähnte Manuela stellt dabei das Objekt der noch kindlichen Schwärmerei dar. Pink Floyd ist nicht ihre Baustelle, vielmehr interessiert sie die Anatomie des The Sweet-Sängers Brian Connolly. Eine andere prägende weibliche Figur ist die ältere Schwester: Von ihr übernimmt das häufig tagträumende Kind den Musikgeschmack.

Gerade Menschen, die in den Siebziger-Jahren des letzten Jahrhunderts aufwuchsen, bekommen eine große Portion Nostalgie ab. Heino ist schon damals der omnipräsente Volksmusik-Sänger, die ZDF-Hitparade läuft mit Dieter Thomas Heck, während Politiker wie Rainer Barzel und die Züchtigung durch den Pfarrer strengen Konservatismus verkörpern. Die Boomer hatten es eben auch nicht leicht, gerade in so in einer verbauten und hässlichen Stadt wie Düsseldorf.

Tagträume mit Pink Floyd

Dort schlägt sich der Ich-Erzähler mit den Augen eines Kindes durch die bleierne Tristesse der biederen Landeshauptstadt. Die noch als Soldaten im Weltkrieg kämpfenden Onkels führen nun vom Schrebergarten aus Rachefeldzüge gegen Andersdenkende weiter. Fluchtwege aus dem Alltag bieten Tagträume mit Pink Floyd und das Kinoprogramm um die Ecke. In der Schule warten die Bullys, die auch heute noch die schwächeren Kinder drangsalieren. Kein Wunder, dass sich Gorkow in Sehnsuchtsfantasien in die regenbogenfarbene Musikkwelt flüchtet, die wie das Cover zu "Dark Side Of The Moon" so herrlich bunt schillert.

Ein bisschen wie der Film "Sonnenallee" begleitet das Buch durch eine längst vergangene Zeiten, deren Kindern beim Lesen ein zustimmendes Nicken oder Seufzen entfährt. Die nachfolgende Generation kann sich dank der präzisen Beschreibung des Milieus einer Mittelschichtsfamilie ungefähr vorstellen, wie es damals wohl zuging - auch wenn ich bis dahin nicht wusste, wer eigentlich Demis Roussos war.

Ein Film zu diesem Buch könnte ergo unterhaltsam werden, aber so wirklich holt das Buch die Kinder spätere Generationen nur bedingt ab. Zu weit weg scheint alles und spannend vor allem für jene, die genau diese Kindheit erlebt haben. Was aber trotzdem bleibt ist die Liebeserklärung an die Schwester, die immer eine Antwort parat hatte und den jungen Alexander Gorkow an die Hand nahm. Ein Glück.

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Alexander Gorkow - "Die Kinder hören Pink Floyd"*

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Pink Floyd und Roger Waters

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