Der dritte Teil der "2Sad2Disco"-Reihe ist sein bislang ambitioniertester Song.

Mannheim (ynk) - Apache 207 wird gleichzeitig langweilig und macht doch immer mehr Show. Natürlich hat er sich schon lange als kommerzielle Bank etabliert, seine Mischung aus Trap, Dancehall und Synth-Pop gehört wohl zu den größten Pop-Gesamtpaketen im deutschsprachigen Raum. Wie kann es dann sein, dass sein bislang ambitioniertestes Projekt so ungehört zu verhallen scheint? "2Sad2Disco" nannte er die Trilogie, die er nun mit "Thunfisch Und Weinbrand" als abschließende Single zu Ende bringt.

Die Video-Produktion birgt zwar nicht mehr die sympathische Choreo des ersten Ablegers der Reihe, aber nimmt doch ordentlich Budget in die Hand, um ein paar assoziative Bilder und eine potente Cyberpunk-Atmosphäre zu erzeugen. Die Produktion von Miksu, Macloud und Juh-Dee klingt erst einmal zwar typisch nach ihnen, aber der Übergang in den Piano-Breakdown stellt locker eine der einschlägigeren Songwriting-Entscheidungen in einem Mainstream-Rap-Song seit langer Zeit dar.

Und Apache nimmt diesen Moment mit, um richtig aufzudrehen. Erst singt er eine Bridge, geht spürbar an den Intensitäts-Limit seiner Stimmbänder, wenn er seiner unauthentischen Konkurrenz ein abschließendes "Fotze" entgegenschreit, danach geht es in einen Beat-Break mitsamt Rap-Verse um. Da entsteht durchaus Momentum und Atmosphäre, das ist kompetent konstruiert und jemand hat wirklich Herzblut in dieses Arrangement gesteckt.

Aber funktioniert es wirklich reibungslos? Das Hauptproblem, wenn man jetzt so die ganze "2Sad2Disco"-Serie anschaut, ist ja doch, dass trotzdem keiner so richtig erklären kann, worum es hier eigentlich geht. Ähnlich wie "Treppenhaus" und eigentlich schon "Platte" es damals anskizziert haben, sehen wir hier den Rapper Apache, der sich an der Türschwelle zum Popstar-Dasein befindet. Eigentlich sollte man meinen, gerade der erste Teil von "2Sad2Disco" wäre nun das endgültige Pop-Bekenntnis. Und das wäre gut gewesen, wir brauchen dringend einen evokativen, großspurigen Popstar in Deutschland. Aber die Songs drehen sich trotzdem im Kreis, immer wieder drischt er die selben Phrasen, kaut auf den selben Gedanken und Motiven herum, versucht, doch ein Gefühl von Bodenständigkeit aufrecht zu erhalten. Das passt leider nicht zusammen. Vielleicht muss man doch auf den nächsten Album-Release warten, um wirklich abzuschätzen, ob da nun eine Entwicklung passieren oder nicht. So richtig ersichtlich ist sie trotz allem Pömp bisher nämlich nicht.

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laut.de-Porträt Apache 207

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