laut.de-Kritik

So klingen Black Music-Terroristen.

Review von

Billy Corgan meinte mal sinngemäß: "Im Pop geht es darum, so eingängig und blöd zu sein, dass man im Radio gespielt wird. Pop-Terrorismus bedeutet, so zu tun, als würde man den Leuten geben, was sie wollen, in Wirklichkeit tut man, was man selber will." Sollte dem so sein, sind N.E.R.D. Black Music-Terroristen.

Wobei deren Hauptprotagonisten Pharrell Williams und Chad Hugo im Gegensatz zu Corgan dazu neigen, sich ihre kreativen Kräfte aufzuteilen: Als The Neptunes klopft das Duo seit Jahren Benchmarks in Sachen Hip Hop-Sounddesign fest, um nebenher - ähnlich Timbaland - noch Popgiganten wie Madonna zu produzieren.

Und dann gibt es noch die Rock/Soul/Funk/Hip Hop-Spielwiese, die mit High School-Kumpel und Sänger Shae Haley beackert wird: Das Ergebnis könnte Heerscharen von Rockbands als Schulungsmaterial vorgesetzt werden.

Warum? Wenn Hip Hopper von der Klasse der Neptunes ihr punktgenau dosiertes Rhythmuskonzept in Rock übersetzen, läuft der Laden rund. Wer das nicht hört oder in seinen Beinen spürt, hat mit Tanzen wohl wenig am Hut.

Williams, Hugo und Haley bringen zudem auch auf Album Nummer drei das Kunststück fertig, Mainstream nicht als solchen auszuweisen. Natürlich sind sie Mainstream: zu eingängig die Gesangslines, zu prägnant die Parolen, zu smooth die Kompositionen, zu tanzbar und mächtig die Beats.

Genauso unkonventionell fügen sie im Gegensatz dazu ihre Sounds und Arrangements zusammen: zu viele Parts in einem Songs, zu kantig die Übergänge, zu aufgedreht oder zuweilen noisig die Atmosphäre. Eine hyperventilierende Textzeile, eine bös verzerrte Synthiebassline oder ein schräges Instrument können dem zuckersüßesten Klang entgegen gesetzt werden.

Und dies funktioniert tatsächlich ohne Brüche. "Seeing Sounds" weist grundsätzlich eine ähnliche Struktur wie die beiden ersten Scheiben auf. Der Hard Rock-Faktor des Erstlings wurde allerdings etwas zurück gefahren, und Samples spielen im Vergleich zur livelastigen zweiten Album eine größere Rolle.

Pharrell ließ sich anno 2000 große Worte über die Band entlocken: Die Neptunes seien ein Job, aber "N.E.R.D. ist, wer wir sind". Sollte das ehrlich gemeint sein, hat Timbaland die kreative Schlacht um den Hip Hop-Produzententhron klar verloren.

Trackliste

  1. 1. Time For Some Action
  2. 2. Everyone Nose (All The Girls Standing In The Line For The Bathroom)
  3. 3. Windows
  4. 4. Anti Matter
  5. 5. Spaz
  6. 6. Yeah You
  7. 7. Sooner Or Later
  8. 8. Happy
  9. 9. Kill Joy
  10. 10. Love Bomb
  11. 11. You Know What
  12. 12. Laugh About It

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31 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Zitat (« Williams, Hugo und Haley bringen zudem auch auf Album Nummer drei das Kunststück fertig, Mainstream nicht als solchen auszuweisen. Natürlich sind sie Mainstream: zu eingängig die Gesangslines, zu prägnant die Parolen, zu smooth die Kompositionen, zu tanzbar und mächtig die Beats. »):

    come on!

    4 punkte gehen klar. paar krasse bretter bei (z.b. Anti Matter (http://youtube.com/watch?v=ucqlDPg8aLQ)) sowie freshe pop-songs (z.b. Sooner Or Later (http://youtube.com/watch?v=VFCxLVDMUAc))... auf einzelne tracks kann man ja eingehen.

    Zitat (« Pharrell ließ sich anno 2000 große Worte über die Band entlocken: Die Neptunes seien ein Job, aber "N.E.R.D. ist, wer wir sind". Sollte das ehrlich gemeint sein, hat Timbaland die kreative Schlacht um den Hip Hop-Produzententhron klar verloren. »):

    das zu machen, was einem gefällt, hat noch lange nichts mit kreativität zu tun. und timbaland in dem zusammenhang für die krone in betracht zu ziehen, ist einfach nur schwach.