laut.de-Kritik

Die edle Kunst des Weglassens.

Review von

Die Idee, ein Projekt nach einer nicht existierenden Schwester zu benennen, deren Leben man in Liedern herausarbeitet, ist originell. Und ungewöhnlich genug, um dem Feuilleton Lobeshymnen abzuringen. Intellektuell, jung und deutsch – eine Kombination, die Begeisterung erzeugt.

Dabei geht es Grenadines "Bruder", Vincent Kokot sicherlich erst einmal ums Musizieren. Bestach sein Erstlingswerk "Shine In The Dark" noch durch seinen Minimalismus, fällt der vorliegende Zweitling schon etwas üppiger aus. Zumindest im Format, denn ""Subtitles & Paper Planes" besteht aus zwei CDs.

Wie beim Debüt schafft es keine der beiden auf eine volle halbe Stunde. Dabei stellt die erste Scheibe so etwas wie das Bindeglied dar: Auch hier gibt es beschauliches und schönes Dahinplätschern. Die tragenden Elemente sind nach wie vor eine Ukulele und Kokots hohe, unaufgeregte Stimme. Mehr als um Lieder im konventionellen Sinne handelt es sich um Songstücke, die sich aneinander reihen und ein Ganzes ergeben.

Neu ist, dass aus dem Soloprojekt eine Zusammenarbeit verschiedener Personen und Bereichen geworden ist. So spielt Katja von Helldorff, die Verantwortliche für die sehenswerte Gestaltung, auch Säge. Außerdem kommen Trompeten, Geigen, ein Xylophon und allerlei schräge Geräusche zum Einsatz.

Das zeigt sich besonders auf der zweiten CD, die sich neben Gesang aus E-Gitarre, Loops und Klangkollagen zusammen setzt. Offenbar hat hier die Lust zum Experimentieren die Oberhand gewonnen. Das Ergebnis ist eher anstrengend, aber so ist es halt mit der Kunst: Sie braucht nicht immer lieblich zu sein.

Im Gegensatz zur verträumten, innigen Beziehung zwischen Bruder und Schwester, die in der grauen Wirklichkeit zu scheitern droht ("You are always on my mind / but I am not", heißt es in "Pour Les Oiseaux"), letztendlich aber für beide unentbehrlich ist ("You said you'd like to quit this silly game / I said it feels like I need to entertain", "Snapshot Song"). Siamesische Zwillinge im übertragenen Sinne.

Die Herangehensweise Kokots erinnert ein bisschen an den von Tunng: Akustikgitarre und Stimmen führen nicht zu einem typischen Folk-Klang, sondern erzeugen durch den punktuellen Einsatz bunt zusammen gewürfelter Instrumente eine tiefe Klangdichte. Das Geheimnis dabei: Weglassen anstatt ständig noch einen draufpacken. Auch auf diesem Album ein durchaus interessanter und hörenswerter Ansatz.

Trackliste

CD 1

  1. 1. Fireworks
  2. 2. At Night I Fall Asleep
  3. 3. Those Icicles
  4. 4. Pour Les Oiseaux
  5. 5. The Journey
  6. 6. This Silence
  7. 7. Snapshot Song
  8. 8. Au Bout De La Station

CD 2

  1. 1. Pacific
  2. 2. A Happy Heart
  3. 3. How To Swim
  4. 4. Twenty-Four Times
  5. 5. I Turn Into An Obstacle
  6. 6. Levity's Hero
  7. 7. Hesitate Don't Hesitate
  8. 8. The Greenhouse

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