laut.de-Kritik

Verspult, verschwurbelt und verdreht - so kennt man die Norweger.

Review von

Mein lieber Norweger, mit so einem hässlichen Cover muss man auch erst mal ankommen. Wetten werden angenommen, ob das dieses Jahr noch jemand unterbieten kann. Aber wie ich meine Spezis aus dem Metalbereich kenne, wird nächste Woche bestimmt schon was Grässliches nachgereicht und das Zepter übergeben.

Knapp ein Jahr nach "Still Life With Eggplant" legen Motorpsycho mit einem neuen Album nach. Wie auf dem Vorgänger finden sich auch hier ein paar re-animierte Songs aus der Vergangenheit. Das kann man doof finden - muss aber nicht. Denn Resteverwertung hin oder her: Was zählt, ist die Wurst auf dem Teller. Und da haben Motorpsycho zwar keine besonders frische Scheibe abgeschnitten, aber lecker scheint sie allemal zu sein.

Der Dreier präsentiert auf seinem 16. Album einen weiteren Querschnitt seines bisherigen Schaffens. Von melodieorientierten, kürzeren Rock-Nummern bis hin zum ausufernden Psychedelic-Jam ist alles dabei. Motorpsycho leben in ihrem eigenen Universum, gleich hinter dem marihuanageschängerten Rauchvorhang schräg links den Berg hinauf. Verspult, verschwurbelt und verdreht - so kennen wir sie.

"Cloudwalker" als Opener hat sich jedenfalls schon mal gewaschen. Bent Sæthers Stimme schwingt sich in luftige Höhen empor, der Song gleitet geschmeidig dahin. Die Gitarre spielt eine dieser typisch gewundenen Motorpsycho-Melodien, die man schon nach wenigen Durchgängen kaum noch aus dem Zentralhirn bekommt. "Ghost" lullt den Hörer dafür anschließend ziemlich ein. So ähnlich fühlt sich vermutlich ein Morphium-Rausch an. Der Song erinnert zwar ein wenig an King Crimson zu Zeiten von "In The Court Of The Crimson King", gehört aber trotzdem nicht zu den kreativsten Momenten der Trondheimer. Das abschließende Streichergequietsche hätte wohl kaum jemand vermisst.

"On A Plate" rockt stonertechnisch einiges weg, "The Promise" beackert eine ähnliche Furche, legt aber noch eine schöne Bridge oben drauf. "Kvæstor" packt die Schweineorgel aus und bedient sich beim Prog der alten Canterbury-Schule, namentlich bei Camel - wenn Motorpsycho nicht gerade wild vor sich hinjammen und den Song vollständig zum Erliegen bringen, versteht sich. Gesang: Fehlanzeige. Letztlich haben sich die drei Norweger schon immer eindeutigen Kategorisierungen entzogen und einfach gemacht, worauf sie Lust hatten.

"Hell, Part 4-6" steht mit seinen zwölf Minuten im Mittelpunkt der Platte und setzt den Songzyklus vom letzten Album fort. Wer diese Nummer zu beschreiben versucht, muss zwangsläufig scheitern, so viele verschiedene Stimmungen, so viele Wechsel türmen sich auf. Zum Schluss hin franst dieser Brocken arg psychedelisch aus. Ein paar Minuten weniger hätten es auch getan.

"Entropy" läuft ähnlich "Ghost" recht ereignislos durch. Diese Art von Stimmung mag bei anderen Menschen auf Begeisterung stoßen, meine Sache ist sie nicht. Mit "The Magic And The Wonder (A Love Theme) schließt sich noch mal ein Highlight an, bevor das Album mit dem siebten "Hell"-Teil endet und den Kritiker mit der schwierigen Entscheidung zwischen zwei möglichen Punktewertungen zurücklässt. Aus dem Bauch heraus: die untere.

Ein oder zwei Worte noch zum Klang: Möglicherweise hätte den Songs eine bessere Produktion gut getan. Besonders Schlagzeuger Kenneth Kapstad hat darunter zu leiden. Manchmal hat man den Eindruck, er trommle gedankenverloren an der Musik seiner Kumpels vorbei, nur um sich zu einem Zeitpunkt X wieder mit diesen zu treffen. Bei genauem Hinhören zeigt sich aber, dass er hyperaktiv und gerne gegenrhythmisch punktgenau vor sich hinmusiziert, der muffig-dumpfe Klang lässt ihm aber kaum eine Chance.

Trackliste

  1. 1. Cloudwalker (A Darker Blue)
  2. 2. Ghost
  3. 3. On A Plate
  4. 4. The Promise
  5. 5. Kvæstor (Incl. Where Greyhounds Dare)
  6. 6. Hell, Part 4-6: Traitor/The Tapestry/Swiss Cheese Mountain
  7. 7. Entropy
  8. 8. The Magic & The Wonder (A Love Theme)
  9. 9. Hell, Part 7: Victim Of Rock

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