laut.de-Kritik

Einzigartig monoton.

Review von

Einigen Rap-Alben kann man ihre Stupidität vorwerfen, wieder anderen die nur noch peinliche Entwicklung der oder des Protagonisten. Mit leicht masochistischer Veranlagung hört man sich solche Alben aber häufig an, um sich mit bitterem Vergnügen am Elend zu laben. Oder zu schimpfen wie ein Rohrspatz. Bei Mosh36 ist das anders: Mit jeder Minute, jedem neuen Track verstärkt sich der Wunsch, das Ganze möge so schnell wie möglich ein Ende finden.

Ein Part auf Haftis Remix von "Chabos Wissen Wer Der Babo Ist" oder das solide Mixtape "BZ" hin oder her: "Berlins Zukunft" klingt hoffentlich anders. Denn einzigartig ist "Unikat" höchstens in Hinsicht auf Monotonie und Fadheit. Schwer zu sagen, was der iranisch-stämmige Rapper bei der 187 Strassenbande zu suchen hatte. Der Berliner kommt einfach nicht aus dem Quark: Scheinbar ohne Konzept reiht er einen farblosen Track an den nächsten Abklatsch harmloser Möchtegern-Provokationen.

Vermeintlich spannende Szenarien wie in "Weisser Hai" geraten zu vor sich hin plätschernden Erzählungen, zu denen man partout keinen Zugang findet. Viel zu oft drängen sich beim konzentrierten Hören – das nicht gerade leicht fällt - stockende und unschlüssige Zeilen auf.

Wenn sich die "Dillinger Gang" aus Mosh und seinen Kumpanen Richtung Wilder Westen bewegt, fehlt von Atmosphäre und Transparenz jede Spur. Sowohl die alte Leier à la "Hast du kein Geld, hast du einfach nix zu melden" ("Nuklear") als auch die angedeutete Gesellschaftskritik auf "Schutzmechanismus" bringt der 27-Jährige so platt, standardisiert und uninspiriert rüber, dass man sich schon fast darüber ärgert. Die gesungenen Hooks tragen zwar zu etwas Bewegtheit bei, rein qualitativ verhelfen sie aber keinem Song zu Höhenflügen.

So angestaubt wie sein Lob auf "die gute alte D-Mark" präsentiert sich der obligatorische Frauen-Track "Aphrodite" oder die Reise in die Vergangenheit mit "Marty McFly": Aufgewachsen in den 90ern wirft Mosh mit Walkmans, Jojos und Drehscheiben-Telefonen um sich. So bekannt, so langweilig. Im Gegensatz zur besungenen Beziehung geht "Unikat" die Luft sehr viel schneller aus als "3 Monate" später. Genauer gesagt: Wo nichts drinsteckt, kann auch nichts entweichen.

Allein beim "Ulf Koffer Song" erwischt man sich bei leichtem Kopfnicken, während "Chill Maaa" überraschenderweise eben genau den Vibe transportiert, den ein Kiff-Song nun mal heraufbeschwören soll. Sein "Silvester In Shorts" mit Cocktails am Swimming-Pool haben Mosh36 offenbar so stark geprägt, dass er diesem Fest gleich einen ganzen Song widmen muss. Erneut löst das offensichtlich persönlich Erlebte eher kritische Distanz statt Sympathie und gefühlte Nähe aus.

"Der Wind trägt mich hoch über die Wolken hinaus", über die "Dächer Dieser Welt", heißt es im lange herbeigesehnten finalen Track. Wegen mir braucht Mosh36 sicher nicht wiederzukommen.

Trackliste

  1. 1. Masterplan
  2. 2. Zirkel
  3. 3. Weisser Hai
  4. 4. Schutzmechanismus
  5. 5. Dillinger Gang
  6. 6. Aphrodite
  7. 7. Nuklear
  8. 8. Unikat
  9. 9. Ulf Koffer Song
  10. 10. Marty McFly
  11. 11. 3 Monate
  12. 12. Silvester In Shorts
  13. 13. Chill Maaa
  14. 14. Dächer Dieser Welt

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12 Kommentare mit 19 Antworten

  • Vor 6 Jahren

    Dieser Kommentar wurde vor 6 Jahren durch den Autor entfernt.

  • Vor 6 Jahren

    14 tracks haut einem mosh36 mit seinem unikat um die geplagten ohren. öde monotonie oder doch ausflüge in interessantere klangfelder?

    los gehts mit dem "masterplan" der mit tristem synthiegeblubber und drucklosen bässen berechtigte zweifel an der durchdachtheit dessen aufkommen lässt. "fahre vom hafen nach berlin, die ware gestapelt,das lager das ziel" ...ziel war wohl eher den hörer zu einem enttäuschten gähnen zu motivieren, was mosh' reizloservortrag nur unterstützt. " die waffe macht klick"...der skipbutton auch

    erfreulich fresher zieht der"zirkel" seine kreise. samples in der hook, guter, eingängiger beat, mosh der etwas wacher flowt und viel erzählt aber wenig hängenbleibt. "entweder gehst oder stehst du". recht ausgelutschtes thema dass aber dennoch gut umgesetzt wurde. kannman sich anhören

    das gilt nur bedingt für den "weissen hai" , der zwar mit recht bekannt vorkommenden beat (schöne zusatzdrums und passende bässe, aber standardsynthie) und müder hook daherkommt, aber insgesamt nicht negativ auffällt. positiv aber auch nicht, da ziemlich langweilig und belanglos. zitieren kann man auch nichts..außerdem kann ich mir mosh mit seiner schlafwagenperfomance auch schlecht als tiefseejäger vorstellen

    einen "schutzmechanismus" wünschte ich mir für gleichnamigen track. nämlich ihn automatisch zu überspringen. der fade beat passt sich dem öden vortrag des unikats an. "keiner teilt - alles missgunst"..teilen würde ich den müden track auf facebook auch nicht. nicht unbedingt schlecht, aber öfters hört sich das wohl niemand an

    die "dillinger gang" schick ich gleich wieder zurück in die monotoniewüste. "wer will diese terrorgang testen?" "peng peng"---da hat wohl einer den schuss nicht gehört. auch hier wieder eine schlaffe vorstellung, die von einem eintönigen beat farblos untermalt wird

    die "aphrodite" mag für ihn "die schönste im club" sein - gratuliere. ich bin zu diesem zeitpunkt jetzt schon so gelangweilt, dass ich krampfhaft die guten bässe und die entspannte stimmung hervorheben wollte,jedoch mosh' "na klar --lalalalala" mir den letzten rest an motivation nimmt dem lahmen treiben weiterhin zuzuhören

    den beat von "nuklear" hab ich irgendwo schon mehrfach gehört. standardsynthie, der nicht weh tut, was mosh rappt weiß ich nicht mehr, irgendetwas über geld und standing in der gesellschaft. langweilig, wirklich

    der titeltrack schlägt in ne ähnliche kerbe des bekanntenm beats.mosh erzählt spannungslos von sich, das austauschbare gesangsfeature stellt die frage ob "unikat oder einer von vielen". der track gehört zu letzterem

    der "ulf koffer song" langweilt mit lahmen beat, unpassenden gedudel und schiefen gesang in der hook und insgesamt weiß man gar nicht wasmosh überhaupt damit aussagen möchte. sehr ermüdent

    das ändert sich jedoch gravierend bei "marty mcfly". sehr schöner oldschool-beat mit satten drums- kopfnicker. textlich ebenso oldschool, mosh reißt zwar keine bäume aus, verärgert aber auch nicht mit unmotivierter präsentation, sondern gibt sich mühe den song lebendig und frisch wirken zu lassen. sollte bis dahin noch einer der hörer wach sein,dann lohnt sich das definitiv

    "3 monate" ist ein atmosphärischer track über beziehungen und die abgründe. recht plakativ und wirkt eher wie von motrip. rauscht ohne höhepunkte an einem vorbei. mosh passt stimmlich auf den beat

    bei "silvester in shorts" legt mosh einen gang zu und flowt sogar etwas auf den relaxten beats mit guten drums. "strand, cocktails schlürfen während meine alben nebenbei die top 10 stürmen"--in zeiten in denen majoe das auch schafft und angesichts der teilweise quälend zähen vorstellung auf unikat jetzt nicht unbedingt ein dickehose statement

    "chill maa" --nein, denn den beat hab ich schon oft gehört, daher ist das ganze recht unspannend. raptechnisch gehts in ordnung, mosh ist zwar immernoch recht abwechslungsarm, aber hörbar. auch kein garant für heavy-rotation

    im finale gehts auf die "dächer dieser welt". den weg hätte man sich aber sparen können. poppige, eingängige hook, stabile drums und ein atmospärisch-treibender beat können über den monotonen vortrag nicht hinwegtäuschen

    insgesamt ein sehr langweiliges album mit viel leerlauf und teilweise auffallend flauen parts von mosh.keine absoluten katastrophen dabei und einige ausreisser nach oben reichen aber nicht aus um aus demwust an deutschrapreleases als "unikat" herauszustechen
    zahnlos und monoton, doch potential ist vorhanden
    2/5

  • Vor 6 Jahren

    vor kurzem dann die 7 tracks starke ep "lucky no. 7"
    als bonus noch ne kurzreview von mir

    den anfang macht passend bezeichnet das "intro LN7", das mit treibenden, wenn auch nicht atemberaubenden beat und einem durchaus hungrigen mosh eine überraschung gegenüber "unikat" darstellt
    textlich gibts plattitüden, für ein intro reichts aber

    weiter gehts zusammen mit olexesh beim "irrenhaus rap", bei dem OL wie fast immer überzeugt und mosh etwas abfällt, fern jedoch von dieser schläfrigkeit des soloalbums
    beattechnisch gibts ruffen sound und harte drums

    "jeder weiß", dass mosh' aktueller output sicher nicht das ist "was deutschrap gefehlt hat". dazu ist der hypnotische beat zu austauschbar und der ganze vortrag zu schleppend
    mosh aber auch hier deutlich wacher

    ein gipfeltreffen der langweiler suggeriert mir das silla feature beim nächsten song der zusätzlich milonair mit draufhat. dass "blockrechnen" dank sehr starkem beat (tolles sample) und endlich wieder krachenden, hungrigen sillapart ein highlight ist, erfreut dann umso mehr. milonairs auftritt passt sich dem guten niveau ohne einbußen an

    womit wir beim besten song der ep wären
    beim mit einem überragenden hanybal befeuerten "hells kitchen" passt absolut alles. beat, atmo, tempo sorgen für einen rundrum gelungen track den man gerne hört

    kann "oh oh" mit kala das hohe niveau halten?
    bedingt. der mit düsteren synthies unterlegte beat ist ausgestattet mit gut eingesetzten bässen und die beiden rapper spielen sich die bälle gut zu
    kala überzeugt, die hook ist eher standard

    den schlusspunkt setzt "was ich bin" der einen deutlich fröhlicheren und entspannteren sound anschlägt.
    mosh sticht nicht besonders hervor, betreibt viel namedropping, die hook bringt mit scratches und co einiges an hiphopatmo und als finale dieser ep hätte man sicherlich auch schlechteres bringen können

    eine passable ep, die einen etwas frischeren mosh als noch auf unikat zeigt, sie verzichtet auf obligatorische love-tracks und präsentiert von anfang bis ende streetsound ohne wenn und aber
    die beiden highlights sind absolut gelungen und trösten über den ein oder anderen leerlauf hinweg

    3/5