laut.de-Kritik

So ein Album gibt es nur alle 22 Jahre.

Review von

Die Zeit ist reif für ein Geständnis: Ich bin kein Traditionalist. Wenn ich irgendwo musikalische Bildungslücken habe, dann kümmert mich das wenig und ich lasse die Lücke in der Regel einfach klaffen, irgendwann gewöhnt man sich schon daran. Und doch gibt es manchmal Dinge, die im Nachhinein unentschuldbar erscheinen. Zum Beispiel die Unkenntnis über Mission Of Burma. Vor 22 Jahren nahmen die Bostoner ihr erstes und bis dato letztes Album auf, ihren Platz im Lauf der Musikgeschichte nahmen andere ein.

Nach all der Zeit erscheint nun das Zweitwerk "Onoffon", und hier könnte die Review schon beendet sein. Denn dieses Album ist ein Muss. Punkt. Wenn es den dummen Spruch "Gut Ding will Weile haben" noch nicht gäbe, für diese Alternative-Bombe würde ihn sicher jemand erfinden. Dass hier Großes bevorsteht, hört man gleich bei "The Set Up", einem manischen Einstieg, bei der sich die fast schon unheimliche Präsenz der Stimme Roger Millers mit den ersten Worten entfaltet.

Zu der Textzeile "All the mystery is taken as fact" laufen einige Spuren rückwärts, während die Musik vorwärts weiterspielt. Heiliger Bimbam, was haben die noch alles vor? Auch beim folgenden "Hunt Again" drängt sich auf, wer in den letzten 22 Jahren den Platz von Mission Of Burma warmgehalten hat: Pixies, aber auch Dinosaur Jr. fallen spontan ein. Vor allem das durchgeknallte "The Enthusiast" erinnert an die jüngst wiedervereinigten Pixies, der Gesang bewegt sich hier irgendwo zwischen Frank Black und Mike Patton. Diabolisches Gegrunze galore.

Ein direkter Kontrast folgt, das mit akustischer und verzerrter Gitarre eingespielte "Falling" klingt sehr harmonisch, ja fast leichtfüßig. Sicher der am leichtesten verdaubare Song auf dem sonst eher harten Brocken "Onoffon". Mit "What We Really Were" hängen Mission Of Burma auch gleich wieder ein paar Gewichte dran. "Max Ernst's Dream" steigert sich zum märchenhaften Fiebertraum, eine gehörige Portion Wahnsinn scheint deutlich durch das dichte Klanggewand hindurch. Und immer wieder dieser wahnsinnig traurige und fesselnde Gesang Millers.

Hätte die Band sich nicht zwischenzeitlich aufgelöst, Miller wäre als einer der ganz großen Vokalisten der Achtziger in die Annalen eingegangen. Überhaupt scheint die Zeit bei Mission Of Burma eine große Rolle zu spielen. Und gleichzeitig erscheint sie völlig irrelevant. Ihr Sound klingt so, als hätten sie in den letzten zwei Jahrzehnten nichts anderes getan als Platten herauszubringen, so zeitlos klingt das Ganze. Trotzdem hat man bei "Onoffon" fast durchgängig den Eindruck, als knüpften Mission Of Burma genau da an, wo sie 1983 aufgehört haben.

Ob schnelle Stücke wie das frenetisch vorpreschende "Fake Blood" oder das balladeske "Prepared", das von Streichern fast erdrückt wird: Mission Of Burma scheinen sich nicht groß um das Raum-Zeit-Kontinuum zu scheren. In der zweiten Hälfte weicht die anfänglich verwirrende Krudheit einem Spaß am verrückten Lärmen, man höre nur das fast bluesrockige "Fever Moon"! Das kreischende "Wounded World" verleitet im Refrain zum Mitsingen. Beauty und Beast liegen bei Mission Of Burma ganz, ganz nah beieinander.

"Into The Fire" und "Playland" haben von der Songstruktur und vom Gefühl wohl am meisten von dem frühen Punk- und Hardcore-Ansatz bewahrt. Im Jahr 2004 mit solch einem Album herauszukommen, zeugt sicher von Mut. Denn was da so alt klingend daher kommt, ist kein Stück Retro, sondern 100% straight outta early eighties. So ein Album kommt vielleicht nur alle 22 Jahre, trotzdem bleibt zu hoffen, dass sich Mission Of Burma bei der Nummer Drei nicht so viel Zeit lassen.

Trackliste

  1. 1. The Set Up
  2. 2. Hunt Again
  3. 3. The Enthusiast
  4. 4. Falling
  5. 5. What We Really Were
  6. 6. Max Ernst's Dream
  7. 7. Fake Blood
  8. 8. Prepared
  9. 9. 15 Sec. Vinyl Silence
  10. 10. Wounded World
  11. 11. Dirt
  12. 12. Into The Fire
  13. 13. Fever Moon
  14. 14. Nicotine Bomb
  15. 15. Playland
  16. 16. Absent Mind

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