laut.de-Kritik

Diesmal versucht sich der Kanadier an Trip Hop.

Review von

Der Kanadier Mike Shannon legt mit "Possible Conclusions To Stories That Never End" das zweite Album seiner noch jungen Karriere vor. Gleichzeitig vollzieht er damit eine stilistische Abkehr von seinen bislang zumeist der Tanzfläche verschriebenen Tracks. Der aktuelle Longplayer gibt sich musikalisch vielfältiger und sucht sich sein Terrain auch außerhalb der Clubs. Mit im Boot sind eine ganze Reihe befreundeter Musiker und Sänger.

Bisher ist Shannon sowohl als Produzent und DJ mit einer Vorliebe für minimalistischen Funktionalismus, als auch in der Rolle des erfolgreichen Labelsbetreibers in Erscheinung getreten. Mit seinen eigenen Releases ist er auf einer ganzen Reihe namhafter Labels wie Dumb-Unit, Force Inc., Wagon Repair oder Logistic zu Gast. Als Label-Owner von Cynosure und Revolver hat er befreundeten Produzenten wie Akufen oder Pan/Tone aka Sid LeRock eine Plattform für ihre Tracks gegeben.

Für seine neue Scheibe ist Shannon nun zum Berliner Label Scape gewechselt. Damit verbunden ist auch eine stilistische Neudefinition, wie der Opener "Come To U" schnell deutlich macht. Weibliche Vocals und eine verspielt vertrackte Rhythmik prägen den ersten Eindruck. Sowohl Vocals als auch die rhythmische Vielfalt bleiben während der gesamten 14 Tracks von "Possible Conclusions To Stories That Never End" erhalten.

Trip Hop und Downbeat sind für die aktuellen Tracks von Shannon die wohl treffendste Charakterisierung. Nicht unschuldig daran dürften die Gastmusiker sein, unter denen sich mit Tim-Stokes Reese ein Jazzdrummer, mit Patrick Watson ein Klavierspieler, mit Anais eine Soulstimme und mit Marc LeClair ein Elektroniktüftler befinden. Allein diese Kombination an Musikern und Einflüssen garantieren ein vielfältiges Soundkostüm, das kühle Elektronik mit warmen Sounds kontrastiert.

Dabei entstehen manchmal anschmiegsame Perlen wie "I'll Pay My Rent On The Daytime Nocturnal", und im nächsten Moment wieder dunkle Klangexperimente wie "Miyako". Unterm Strich ist "Possible Conclusions To Stories That Never End" eine Platte, die in ihren schönsten Momenten den futuristischen Charme von Detroit ausstrahlt. Allein deswegen lohnt es sich, ein Ohr zu riskieren, auch wenn nicht alle Tracks des Albums überzeugen.

Trackliste

  1. 1. Come To U
  2. 2. Sudden Moves
  3. 3. Sweet Lies
  4. 4. Blind
  5. 5. Miyako
  6. 6. Taken Only Road
  7. 7. I'll Pay My Rent On The Daytime Nocturnal
  8. 8. Underwater Fish Market
  9. 9. Bathing In Microwaves
  10. 10. Last One Terrified
  11. 11. News
  12. 12. Remembrance
  13. 13. Tears
  14. 14. The Last Days

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