laut.de-Kritik

Lady Gaga und Madonna auf dem Weg zur Schlachtbank.

Review von

In der Star Trek-Classic-Episode "Spectre Of The Gun" (zu deutsch "Wildwest Im Weltraum") entführen abgefeimte Aliens die tapferen Helden auf einen Planeten, in dessen Tombstone-Nachbau sie sich einer Western-Schießerei stellen müssen. Doc Holiday und die Clanton-Bande Lichtjahre entfernt von Zuhause?

Kann doch nicht sein. Genau so verhält es sich mit Meg Pfeiffers "Bullrider". Diese Songs wirken wie ein potemkinsches Country-Dorf mit Kulissen aus recht lieblos zusammengezimmerten Fassaden.

Irgendwie lässt einen die Plattenindustrie grad kaum raus aus der deutschen Prärie. Vor wenigen Wochen landeten BBQ auf meinem gut befeuerten Grill. "Bullrider" bedient sich exakt derselben Masche: Man nehme eine Handvoll bekannter Hits und jage sie so lange durch die Klischee-Maschine, bis sie alle Anforderungen der Abgründe in Tom Astors Geschmacks-Canyon erfüllen.

Lady Gaga macht den Anfang. Lustig klappert die Gitarre, die handelsüblichen Gäule blähen die Nüstern, Pfeiffer simuliert ein "Poker Face". Im Hintergrund grummelt eine Frank Farian-Boney M.-Gedächtnis-Krümelmonsterstimme "Bam Bam Baah". Estelles "American Boy" fleht verzweifelt um Freiheit aus seinem Country-Gefängnis.

Gut, Meg ist hübsch und reichlich blond, doch das allein macht noch keine deutsche Taylor Swift. Die schreibt wenigstens eigene Songs, und würgt nicht Madonnas "4 Minutes" durch den Ponderosa-Fleischwolf, bis es auch für McDonald's nicht mehr taugt. Selbst Katy Perrys "I Kissed A Girl" verliert auf dem Weg vom Kuhstall zur Schlachtbank sämtliche Sexyness.

Megs Stimme trifft den Ton, holt aber nichts heraus als Zielgruppenfutter für den Fernsehgarten. Da klang dereinst sogar Gitte mit ihrem "Ich Will 'Nen Cowboy Als Mann" authentischer. Schluss jetzt, ich will die Schuldigen am Galgen baumeln sehen. Country-Weste um, Sheriff-Stern angelegt, laufen sie mir gleich ins Netz: Das Produzententeam JMC bekommt die Schlinge um den Hals.

Wiederholungstäter schlimmster Sorte. Andere Stilrichtung (Rockabilly) haben sie mit The Baseballs weitaus origineller umgesetzt. Und jetzt das. Schämt euch.

Trackliste

  1. 1. Poker Face
  2. 2. American Boy
  3. 3. Bodies
  4. 4. I Kissed A Girl
  5. 5. I Will Love You Monday (365)
  6. 6. Love Is Easy
  7. 7. 4 Minutes
  8. 8. Someone
  9. 9. Piece Of Me
  10. 10. Johnny Goes Bananas
  11. 11. Maneater
  12. 12. Use Somebody

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LAUT.DE-PORTRÄT Meg Pfeiffer

Country-Interpretin Meg Pfeiffer begeistert sich bereits in ganz jungen Jahren für die Musik. Mit acht Jahren erhält sie Gitarrenunterricht, gefördert …

9 Kommentare

  • Vor 8 Jahren

    hurra mehr solches Country-Geseire braucht die Welt.

  • Vor 5 Jahren

    ich habe mich ausführlich über Meg Pfeiffer informiert, und ich finde es jedesmal wieder armselig, wie ein PseudoKritiker versucht über etwas und jemanden zu urteilen, womit er sich überhaupt nicht richtig auseinander gesetzt hat. Es ist erbärmlich zu behaupten, dass Meg keine eigenen Songs schreibt. Wenn man etwas recherchiert, findet man fix heraus, dass sie bereits mit 8 Jahren anfing Gitarre zu spielen, und mit 11 Jahren ihre ersten Songs schrieb. Sie hat vor dem Bullrider Album ihr 1. Album veröffentlicht. Ein Album mit nur eigenen Songs, eigenen Arrangements und eigener Produktion. Derzeit wird ihr 3. Album produziert und auch hier sollen nur eigene Titel von ihr veröffentlicht werden.
    In einer Kritik nur mit bunten Substantiven um sich zu fuchteln, die einem Leser den Eindruck übermitteln sollen, als ob der Kritiker die Weisheit mit dem Löffel gefressen hätte, ist viel zu durchschaubar.
    Es mag vielleicht nicht ihr bestes Werk sein, aber immerhin hat es ihr eine Tür geöffnet. Und Taylor Swift hatte sich den Erfolg eingekauft, wobei Meg sich alles hart erkämpft. Ich wünschte mir für sie, dass die Leute ihr endlich einmal richtig zuhören würden. Am besten auch einmal life ansehen. Dann hört man, dass sie sehr wohl singen kann.