laut.de-Kritik

Der dauerhaft klagende Tonfall zerrt am Geduldsfaden.

Review von

Der Parental Advisory-Sticker auf dem Cover gehört mittlerweile fast zum guten Ton. Vorgelesen habe ich den Gefahrenhinweis bisher allerdings selten bekommen. "Gangsta For Life" eröffnet mit ernst gemeinten Warnungen: Schonkost servieren sie anderswo. In Mavados Nachbarschaft wird mit harten Bandagen gekämpft. Wer in Cassava Piece überlebt, ist "Gangsta For Life".

"The Symphony Of David Brooks": Mavados Album-Debüt wird seinem hochtrabenden Untertitel durchaus gerecht. Eine Fülle Skits, gesprochener Überleitungen und Zwischenspiele verbindet erste Erfolgs-Singles und neue Dancehall-Nummern zu einem zusammenhängenden Epos, das stellenweise äußerst schwer verdaulich ist.

Mavado illustriert seinen Report aus dem Ghetto, das er tatsächlich in- und auswendig zu kennen scheint, mit Fetzen aus dem Polizeifunk, dem Mitschnitt einer Trauerfeier, Schnipseln eines Radiointerviews, Gebeten und gedanklichen Exkursionen: Das beschworene Gangstertum erhebt er zur Philosophie nebst Ehrenkodex - ähnlich dem Weg des Samurai. In der Tat hielt ich einen ähnlich konstruierten Longplayer zum letzten Mal mit des RZAs Soundtrack zu "Ghost Dog" in Händen.

Im Vergleich dazu mangelt es Mavado aber mächtig an Abwechslung, und das inhaltlich wie musikalisch. Überaus ausgiebig berichtet er vom Leben in den Straßen eines Viertels, das von Glamour und Glitzer weiter entfernt zu sein scheint als von der Rückseite des Mondes. Man benötigt Ausdauer, um an den Punkt zu gelangen, an dem auch der härteste Gangster körperliche Bedürfnisse hegt ("Squeeze Breast"), wenn es dumm läuft gar Romantik gestattet ("Heart Beat") und bei aller zur Schau getragenen Unnahbarkeit herzzerreißend den Verlust des Vaters betrauert ("Sadness").

Erst gegen Ende des Albums durchbrechen ein wirklich hübscher Love-Tune und eine üppig arrangierte Reggaenummer die bis dahin herrschende finstere Stimmung. Drückende Bässe, militärisch rasselnde Rührtrommeln, allenthalben niedergehende Gewitter, hier und da dramatische Streicher oder ein paar Bläser: All das verschmilzt zu beängstigenden Kulissen, deren Macht der Stimme Mavados kompromisslos den Rücken frei hält. Im Gegensatz zu den oft nur im Zeitlupentempo vorankommenden Tunes glänzt "Dreaming" mit merklich clubtauglicherem Rhythmus, fesselndem Basslauf und energiegeladenem Toasting: Neben dem beinahe blumigen Hintergrund aus "Dying" und dem bereits gepriesenen "Sadness" der Höhepunkt des Albums.

Mavados Vocals beeindrucken. Statt auf eine auf Hochglanz polierte Performance setzt er auf Authentizität. Mit hörbar vom Leben angeschrammter Stimme skizziert er sein Umfeld. Was einem in Kingstons vergessenen Vierteln begegnet, liefert sicherlich nicht gerade Anlass für Luftsprünge. Der dauerhaft klagende (und anklagende) Tonfall, in dem Mavado seine Lyrics vorträgt, zerrt auf Albumlänge jedoch kräftig am Geduldsfaden. Wer sich (selbst im Schlafzimmer!) als völlig frei von Optimismus und Lebensfreude erweist und so zwangsläufig in den gegebenen elenden Umständen verharrt, den möchte man einmal kräftig durchschütteln und daran erinnern: Dis is a positive movement!

Trackliste

  1. 1. Parental Advisory
  2. 2. Angriest Introduction
  3. 3. Real McKoy With A Full Clip
  4. 4. Weh Dem A Do
  5. 5. A Father's Prayer
  6. 6. They Fear Me
  7. 7. Definition Of A Gangster
  8. 8. Dreaming
  9. 9. Don't Cry
  10. 10. Cassava Piece Radio
  11. 11. Dying
  12. 12. David's Interlude
  13. 13. Top Shotta Nah Miss
  14. 14. Joey D. Ratt
  15. 15. Last Night
  16. 16. A Snitch's Eulogy
  17. 17. Amazing Grace
  18. 18. Touch The Road
  19. 19. Me And My Dogs
  20. 20. APB
  21. 21. Gully Side
  22. 22. Squeeze Breast
  23. 23. Heart Beat
  24. 24. Sadness
  25. 25. Born & Raised

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1 Kommentar

  • Vor 11 Jahren

    Wuh, diese Rezension ist peinlich. "Dis is a positive movement!" , komm Dani Fromm, bleib bei deiner Grünen/Bündnis-90 Ortsgruppe. Für die dort Anwesenden ist die Welt der von der ersehnte Gut-Fühl-, Blumenwiesen-, Alle-Mögen-Sich- Ponyhof. Such diesen Ponyhof dort und nicht im Dancehall.