laut.de-Kritik

Feine Hommage an die Piaf.

Review von

Die Wainwrights sind allemal für Überraschungen gut. Während ihr Bruder Rufus sich vor zwei Jahren mit "Rufus Does At Carnegie Hall" musikalisch vor seinem Idol Judy Garland verbeugt hat, wagt sich Martha Wainwright mit "Sans Fusils, Ni Souliers, A Paris" an Interpretationen von Liedern der Grande Dame des französischen Chansons.

Lange soll sie gezögert haben, bis sie den Vorschlag des Produzenten Hal Willner angenommen hat, ein Album mit Liedern der Edith Piaf aufzunehmen, deren Musik sie seit ihrem achten Lebensjahr begleitet. "Es gibt bestimmte Aspekte an ihr, die mich immer beeinflusst haben", erläutert Martha. "Ihre Stimme ist gefühlsgeladen und empfindsam. Sie ist eine unglaublich emotionale Sängerin und ich war immer eine unglaublich emotionale und schmerzerfüllte Sängerin."

Des Französischen mächtig und mit einer ähnlich expressiven und voluminösen Gesangstimme ausgestattet, die jederzeit Spannung und Dringlichkeit zu erzeugen vermag, erweist sich Martha Wainwright als ideale Interpretin dieser Stücke. Bei den Aufnahmen handelt es sich um einen sehr sauberen Live-Mitschnitt dreier Konzerte im New Yorker Dixon Palace Theatre im Juni 2009.

Das Piano, das Akkordeon und der Bass grundieren die kammermusikalischen Arrangements, umschmeichelt von dezenten, aber enorm effektiv gesetzten Bläser- und Streichersätzen und einer E-Gitarre, die die Oberflächen mancher Komposition sachte ankratzt ("Le Brun Et Le Blond","Le Metro De Paris", "Les Blouses Blanches", C'est A Hambourg"), ohne sie jedoch aufzureißen.

Die Zärtlichkeit in Stücken wie "Adieu Mon Coeur" oder "Non, La Vie N'est Pas Triste" geht dabei harmonisch Hand in Hand mit der sich zuspitzenden Dramatik in Liedern wie "L'Accordéoniste" oder "Les Grognards"; der Sanftheit des Gesangs steht immer dessen Aufbegehren und die Leidenschaft gegenüber, dem Leben bei aller Verletzlichkeit doch noch das Schönste abzuringen.

Wainwright bleibt instrumental und melodisch nahe an den Originalen und balanciert dabei großartig zwischen verletzlich tönenden und mitreißenden Vokalvorträgen, zwischen respektvoller Hommage und musikalischer Eigenständigkeit. Weder setzt sie als bloße Kopistin auf solide Gefälligkeit, noch versucht sie sich an allzu innovativen Neuinterpretationen. Mit diesen einfühlsamen Versionen macht sie die Ambivalenz der Piafschen Traurigkeit und Begeisterungsfähigkeit zu ihrer eigenen und präsentiert sie in einem unprätentiösen, aber zeitgemäßem Kammerpop-Gewand.

Dass Wainwright auf die ganz großen Hits wie "Milord" oder "La Vie En Rose" verzichtet hat, kommt der Kohärenz dieses Albums zugute. Ihr Tribut an die 1963 verstorbene, legendäre Edith Piaf bedarf nicht der Verlockung durch kommerziell verwertbare Evergreens.

Mit wunderbaren Musikern an ihrer Seite glänzt Martha Wainwright nichtsdestotrotz als stimmgewaltige und eindringliche Interpretin facettenreicher und zeitloser Chansons. Weil sie alles richtig gemacht hat, dürfte ihr heimlich dennoch ein zufriedenes "Non, Je Ne Regrette Rien" über die Lippen kommen.

Trackliste

  1. 1. Le Foule
  2. 2. Adieu Mon Coeur
  3. 3. Une Enfant
  4. 4. L'Accordéoniste
  5. 5. Le Brun Et Le Blond
  6. 6. Les Grognards
  7. 7. C'est Toujours La Même Histoire
  8. 8. Hudsonia
  9. 9. C'est A Hambourg
  10. 10. Non, La Vie N'est Pas Triste
  11. 11. Soudain Une Vallée
  12. 12. Marie Trottoir
  13. 13. Le Metro De Paris
  14. 14. Le Chant D'Amour
  15. 15. Les Blouses Blanches

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