laut.de-Kritik

Hier können auch Alter Bridge-Songs nicht mithalten.

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Vor drei Jahren staunte die Metal-Gemeinde nicht schlecht, als sich Mark Tremonti mit seinem Solo-Debüt "All I Was" plötzlich als Gitarre spielender Frontmann präsentierte. Mit wuchtigen Riffs und einem Organ, das man dem jahrelang im Schatten von Scott Stapp und Myles Kennedy agierenden Saitenhexer gar nicht zugetraut hätte, hinterließ Mark Tremonti erstaunlich große Spuren. Mit "Cauterize" setzt der Mann aus Detroit seinen Weg nun unbeirrt fort. Soll heißen: Neben satten Gitarren, die wahlweise in Richtung Thrash-, Classic- und Alternative-Metal-Glanzzeiten schielen, scheppernden Drums und wummernden Bassläufen, schiebt sich ein Organ in den Vordergrund, das in den vergangenen drei Jahren noch einmal einen ordentlichen Schub erfahren hat.

Schon der vertrackte Opener "Radical Change" reißt klaffende Löcher und beweist, dass es dem Hauptprotagonisten bei seinem Alleingang mehr denn je um die metallischen Wurzeln seiner Laufbahn geht. Selbst die härteren Alter Bridge-Songs können hier nicht mehr mithalten. Schon gar nicht, wenn Tremonti auf Songs wie "Cauterize" oder "Arm Yourself" die komplette Bandbreite seiner Starkstrom-Gelüste von den Ketten lässt. Vor allem Letzterer weckt diverse Male Erinnerungen an "Master Of Puppets"-Zeiten. Viel schneller kann man mit einer Gitarre wohl kaum durch die Hartholz-Historie galoppieren. Beeindruckend.

Tremontis zweites Album schickt sich aber nicht nur an, Geschwindigkeitsrekorde zu brechen. Immer wieder ersticken kleinere und größere Rhythmus- und –Tempowechsel jeden Anflug von Monotonie bereits im Keim. Man nehme nur das epische "Fall Again" oder das hitverdächtige "Sympathy"; zwei Songs, die neben dem überragenden Titeltrack so ziemlich jeden Zentimeter zwischen Metal und Alternative abgrasen, der in den letzten zwei Jahrzehnten gelegt wurde.

Das schimmerndste Karacho-Juwel heben sich Tremonti und sein Gefolge (Eric Friedman, Wolfgang van Halen und Garrett Whitlock) aber für den Schluss auf. Mit dem knapp sechsminütigen "Providence" im Gepäck begeben sich die Musiker in Richtung Waagschale. So wird am Ende noch einmal alles kräftig umgerührt: verkopfte Arrangements, beeindruckende Songwriting-Strukturen und Tremontis Stimme, die sich vor bereits etablierten ähnlich Gestrickten nun wirklich nicht mehr zu verstecken braucht.

Trackliste

  1. 1. Radical Change
  2. 2. Flying Monkeys
  3. 3. Cauterize
  4. 4. Arm Yourself
  5. 5. Dark Trip
  6. 6. Another Heart
  7. 7. Fall Again
  8. 8. Die The Roose
  9. 9. Sympathy
  10. 10. Providence

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4 Kommentare mit 5 Antworten

  • Vor 5 Jahren

    Der wohl überbewerteste Gitarrist unserer Zeit.

  • Vor 5 Jahren

    Überbewertet????? Dann begründe doch mal deine Aussage was dich zu dem Ergebnis bringt!

  • Vor 5 Jahren

    Ist doch standard mittlerweile. Geschmack ist nicht mehr subjektiv, sondern was einem nicht gefällt ist überbewertet...

    • Vor 5 Jahren

      Exakt! Es ist traurig, wie wenige Leute zwischen eigenem Geschmack und Qualität unterscheiden können und das Urteil "Ich finde x gut" für gleichbedeutend mit dem urteil "X ist gut" halten.

    • Vor 5 Jahren

      Herr Tremondingens ist aber nun wirklich kein Gitarrengott. Der Herr ist ein guter Gitarrist, aber wahrlich kein Meister an seinem Instrument.

    • Vor 5 Jahren

      Sehe ich vollkommen anders. Ein Gitarrist ist dann gut, wenn man ihn an seinem Spiel erkennen kann, und das ist bei Tremonti definitiv der Fall. Ich kann das Spiel von Tremonti deutlich von dem anderer Gitarristen unterscheiden, was ihm ein besonderes Merkmal verleiht. Davon abgesehen sind seine spielenden Wechsel von Rock zu Metal etwas das seinesgleichen sucht. Aber vermutlich kannst du es besser was?^^

    • Vor 5 Jahren

      Es gibt mit Sicherheit technisch versiertere Gitarristen. Diese sind in der Regel nicht Mainstream-Kompatibel (zB Tosin Abasi).
      Ich muss Kevin Smash da absolut recht geben. Es geht um Stil und Sound. So sehe ich Tremonti auf einer Ebene mit Slash und Kirk Hammett. Alle 3 sind nicht die besten Techniker, jedoch besitzen sie alle einen Wiedererkennungswert. Und wer mir nun erzählen will, dass Hammett ein "Gott" sei, der soll doch bitte wieder Britney Spears hören..

  • Vor 5 Jahren

    All I Was war ein absolutes Topalbum, mit keiner Schwachstelle. Das kann ich von Cauterize nicht sagen.
    Ich bin begeisterter Tremonti Fan, Gitarre sowie Gesang finde ich atemberaubend. Gesanglich gefällt er mir auch besser als Myles Kennedy, dessen Klangfarbe liegt mir einfach mehr, auch wenn er von der Spannweite nicht an ihn rankommt.
    Das erste Album war unglaublich gut und schwer zu toppen. Und so geht man mit Vorfreude, aber auch mit ein wenig Nervosität an das Folgemodell, ob es denn ähnlich gut werden würde.
    Es sind absolute Knaller drauf. Der Titel Cauterize verdient satte 5 Punkte!
    Es ist für mich eins der besten Stücke seiner noch kurzen Solokarriere. Arm Yourself, Tie the Noose, Another Heart, Radical Change, Providence und Sympathy sind top.

    Dark Trip und Fall Again fallen etwas ab, da ich die Strophen zwar stark finde, aber die Refrains für mich so dahin plätschern. Sie packen mich nicht so und das hat nicht damit zu tun, dass die Lieder verhältnismäßig "ruhig" sind. Ich will nicht sagen zu 0815, aber da hätte ich mir mehr Einfallsreichtum gewünscht. Sympathy ist jetzt auch kein Stück, welches musikalisch neu erfunden wurde, aber das hat Drive und packt mich durch und durch ( wie immer natürlich Geschmackssache).

    Flying Monkeys ist für mich leider gar nix. Es klingt für mich so halb gar. Es geht nicht ab, ist auch nicht ruhig, dafür relativ langsam und düster. Für mich das schlechteste Lied.
    Beim Gesang hat sich Mark Tremonti viel vorgenommen und er klingt auch noch besser als auf dem Vörgänger.
    Insgesamt ein tolles Album mit Abstrichen.
    Da ja wohl in naher Zukunft weitere Songs erscheinen, freue ich mich darauf tierisch.
    Tremonti ist ein saugeiler Gitarrist und hat die Waage zwischen Metal und Rock gut im Griff, da ich beides in Kombination hervorragend finde.