Porträt

laut.de-Biographie

Lydmor

Erst steht Lydmor allein im Dunkeln, umgeben von mehreren Mikrofonen, Keyboards und Synthesizern, die sie später simultan verwenden wird. Dann erheben sich vom Boden vier erst unsichtbare, nun durch Schwarzlicht sichtbar gemachte Tänzer – nur bedeckt von fluoreszierender Farbe. Aufgemalte Schaltkreise leuchten auf ihrer Haut und auch der der Sängerin selbst. Man wähnt sich in einer unwirklichen Androidenwelt.

Videopremiere: "Claudia" von Lydmor Aktuelle News
Videopremiere "Claudia" von Lydmor
Wir präsentieren den neuen Song der diesjährigen Roskilde Festival-Abräumerin.

Dieser Auftritt Lydmors im überfüllten Artspace des Roskilde Festival 2018 würde ebenso gut als Kunstinstallation durchgehen wie als Konzert. Eine solche selbstbewusste und umfassende Künstleridentität entwickelt sich freilich nicht über Nacht. Zum Zeitpunkt der Performance hat Lydmor, die eigentlich Jenny Rossander heißt, ziemlich genau ihr halbes Leben der Musik gewidmet.

Ihren ersten Song schreibt die im dänischen Aarup aufgewachsene Rossander im Alter von 14 Jahren. Damals will sie eigentlich noch Filmemacherin werden. Doch nach ihrem ersten öffentlichen Gesangsauftritt ein Jahr später steht ein neuer Kurs fest. In der Electronic-Szene von Aarhus sammelt sie bald wertvolle Erfahrungen als Solokünstlerin, 2012 veröffentlicht sie ihr Debütalbum "A Pile Of Empty Tapes".

Früh beginnt Rossander neben ihrer Solokarriere als Lydmor (übersetzt: "Klangmutter") auch, mit anderen Künstlern zu kollaborieren. So hört man sie etwa auf zwei Songs von Alle Farbens "Synesthesia". Später arbeitet sie mit dem erfahrenen J-Pop-Produzenten Takeshi Kobayashi zusammen und nimmt mit Thomas Hoffding aka Ben Homme (WhoMadeWho) das gemeinsame Album "Seven Dreams Of Fire" auf. Letzteres erscheint 2015, im selben Jahr wie Lydmors zweites Soloalbum "Y", worauf sie ihren von ihr selbst wahlweise als "Emotional Elektro Pop" und "Future Techno" bezeichneten Stilmix etwas experimenteller gestaltet.

Lydmor - I Told You I'd Tell Them Our Story Aktuelles Album
Lydmor I Told You I'd Tell Them Our Story
Wie eine Kate Bush, eingesperrt im chinesischen Rave-Bunker.

Dänemark kehrt Rossander nach "Y" vorübergehend den Rücken. Es zieht sie nach Shanghai, "den seltsamsten Ort, an dem ich je war." Die Erfahrungen dort wirken sich maßgeblich auf das weitere Schaffen auf. So geht das eingangs erwähnte Neon-Bodypaint auf Shanghai zurück – es symbolisiert die Skyline der chinesischen Stadt. "Ich lernte, meine Kreativität freizusetzen", erklärt sie im Interview mit goodbecausedanish.com. "Ich dachte viel darüber nach, was es bedeutet, ein Künstler zu sein und kam zurück als eine andere. Ich fühle mich frei zu tun, was immer ich will, was ich vorher nicht tat. Mit visuellen Dingen zu experimentieren gehört dazu."

Rossander entwirft die Idee passend zum dritten Album "I Told You I'd Tell Them Our Story", das sie als abstraktes Konzeptalbum mit drei Ebenen anlegt: Liebe, Freundschaft, Post-Humanismus. Im Entstehungsprozess folgt sie dem von Roberto Bolaños Roman "2666" inspirierten Prinzip 'crystalize-liquify-solidify' – wie der Autor verleiht sie ihrer Erzählung Bedeutung, ohne eindeutige Antworten zu geben.

Eins der behandelten Themen ist (wie schon auf der zuvor unabhängig veröffentlichten Single "Helium High") "die in der modernen Gesellschaft unterrepräsentierte weibliche Wut und die weibliche Autorität. Aber ich denke, man sieht international, dass sich das ändert. Wir sind wütend. Und wir übernehmen die Kontrolle."

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Y (2015)

Fotogalerien

Berlin, Privatclub, 2018 Shanghai Roar und Neon Lights.

Shanghai Roar und Neon Lights., Berlin, Privatclub, 2018 | © Manuel Berger (Fotograf: Manuel Berger) Shanghai Roar und Neon Lights., Berlin, Privatclub, 2018 | © Manuel Berger (Fotograf: Manuel Berger) Shanghai Roar und Neon Lights., Berlin, Privatclub, 2018 | © Manuel Berger (Fotograf: Manuel Berger) Shanghai Roar und Neon Lights., Berlin, Privatclub, 2018 | © Manuel Berger (Fotograf: Manuel Berger)

Surftipps

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