laut.de-Kritik

Die "Goldene Ära" des Hip Hop steckt in jedem Winkel.

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Gut Ding will Weile haben – manchmal. Hin und wieder genügt Distanz gepaart mit Zeitdruck. Einmal um die halbe Welt flog Ladi6, um ihren Zweitling "The Liberation Of ..." aufzunehmen, zu promoten und unters Volk zu bringen. Von Neuseeland nach Berlin zog die Sängerin – mitsamt Kind, Kegel, Mann und Musikern.

Mit tatkräftiger Unterstützung des Münchners Sepalot, der sich als DJ und Produzent von Blumentopf zumindest in Sachen Studentenrap schon Rang und Namen gemacht hat, klöppelte die Neuseeländerin mit samoanischen Wurzeln innerhalb zweier Monate ein Album zusammen, das die 1990er Jahre förmlich atmet. Die sogenannte "Goldene Ära" des Hip Hop steckt in jedem Winkel der "Liberation".

Das geht so weit, dass die neuseeländische Presse Ladi6 bereits in eine Reihe mit Erykah Badu und Lauryn Hill stellt. Ganz so weit ist sie freilich noch nicht, die Assoziation liegt jedoch nicht fern. Zumindest geht "The Liberation Of ..." die Experimentierfreudigkeit ab, die Badu in den letzten Jahren an den Tag legte. Die Platte ist aber auf der sicheren Seite mit aufgeweckten, live eingespielten Drums, eingängigen Beats und der angenehm tiefen, markanten Stimme der Ladi.

Sie fühlt sich offensichtlich wohl zwischen dem rhythmischen Klatschen, das den Opener "Bang Bang" trägt, dem wabernden Bass von "Norwest" und dem stampfenden "Goodday", das den Einfluss der Legenden von De La Soul kaum verbirgt. "Goodday" ist der Beginn der anderen Seite der "Liberation", die sich in den ploppenden Synthies von "Let It Go" und redundanten Effekten in "Squid" ergießt - ohne jedoch den Hörer in irgendeiner Sekunde zurückzulassen.

Eingängige 38 Minuten ist sie lang, die Befreiung der Ladi6, zu der auch der etwas andere Nachruf auf eine verstorbene Cousine zählt. Statt tränenreicher, von melancholischen Streichern zersetzter Ballade, gedenkt Ladi6 in "Jazmine D.L" fern jeder nach außen getragenen Traurigkeit mit zumindest einem Lächeln der guten alten Zeit. Die Verwandtschaft will schließlich so gefeiert werden wie sie war.

Ein wahres Meisterwerk ist Sepalot mit "Like Water" gelungen, das mit catchy Beat und Refrain den letzten Skeptiker abholt. Sie hat sich gelohnt, die Reise um die halbe Welt, in der der Weg sicherlich ein interessanter und doch niemals das Ziel war. Gut möglich, dass sich Ladi6 mit "The Liberation Of ..." auch in Europa etabliert. In ihrem Heimatland Neuseeland hat sie das schon längst geschafft.

Trackliste

  1. 1. Bang Bang
  2. 2. Köln
  3. 3. Jazmine D.L
  4. 4. 98'til Now
  5. 5. Like Water
  6. 6. Norwest
  7. 7. Burn With Me
  8. 8. Goodday
  9. 9. Let It Go
  10. 10. Squid

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