27. April 2004

"Wenn Eimsbush pleite geht, fuckt mich das auch ab!"

Interview geführt von

"Für LAUT? Oh geil, Alter. Ich liebe laut.de", bereitet Savas sofort den Nährboden für ein erntenreiches Interview. Eine solche Reaktion darf man aber auch erwarten, sagte der Berliner doch höchstpersönlich: "Die haben immer gute Kritiken geschrieben." Stimmt, und um noch mehr in den Arsch des King Of Raps zu kriechen, wird mit den druckfrischen Media Control Charts unter seiner Nase herumgewedelt. "Höchster Neueinsteiger auf Platz 12! Hihihi, wusste ich noch gar nicht", so Savas' Reaktion.

Doch nach kurzer Freude über den Erfolg von "Die Besten Tage Sind Gezählt" tritt sofort wieder der Labelboss Savas in den Vordergrund. "Warum steht in den Charts bei mir nie Optik Records? Die verarschen mich jedes Mal. Das fuckt mich echt ab, Alter."

Verständlich. Hast du mit diesem Charteinstieg gerechnet?

Wir haben natürlich etwas ähnliches erwartet, aber nicht gewagt, es auszusprechen. Man muss sich mit positiven Prognosen zurückhalten. Ich dachte auch immer, die Single "Der Beste Tag Meines Lebens" von meinem Debüt wäre der kommerziellste Track. Im Endeffekt verkaufte sie sich jedoch am schlechtesten der drei Auskopplungen. Deshalb habe ich versucht, meinen Erwartungsmist runterzuschrauben. Platz 12 ist aber schon pervers, auch wenn ich versuche, mich nicht zu sehr von Chartplatzierungen abhängig zu machen.

Was war der Grund für ein Remixalbum? Du hättest daraus ja auch ein ganz 'echtes' Album machen können. Immerhin hast du ganz neue Beats und neue Raps am Start.

Ich war halt die letzten Monate dauernd im Studio und hatte das Gefühl, dass ich irgendetwas veröffentlichen muss. Da ich nur zwei Wochen Zeit hatte, kam mir die Idee eines Remixalbums in den Sinn. Zuerst wollte ich durch Deutschland fahren und so schnell wie möglich die Songs aufnehmen. Fertig, Boom, Boom. Ab in die Kiste. Parallel arbeitete ich damals noch am "Euer Bester Freund"-Mixtape, das wir dann einfach auf die Remixscheibe gepackt haben. Das Mixtape soll allen Leuten, die nach dem "Besten Tag Meines Lebens"-Album an mir gezweifelt hatten, weil ihnen das Album vielleicht zu smooth war, das Maul stopfen.

Wer zweifelte?

Ach, die ganzen Internet-Kiddies. Ich nehme mir solche Sachen vielleicht auch zu sehr zu Herzen. Lässt sich halt nicht ändern.

Du hast 80.000 Exemplare von "Der Beste Tag Meines Lebens" verkauft. Vor fünf, sechs Jahren hättest du locker das Doppelte absetzen können. Wie reagierst du als junger Labelboss von Optik Records auf die sinkenden Absatzzahlen?

Mich nervt schon ein wenig, dass auf dem Höhepunkt des Hip Hop-Hypes viele Leute mit dem letzten Mist 30.000, 40.000 Platten verkauft haben. Daher wünsche ich mir aus Label-Sicht den Hype zurück. Anderseits haben die Majors verpasst, auf den Internet-Scheiß einzugehen. Man merkt jedoch auch, dass es sich lohnt, wenn man cool gegenüber den Fans ist. Die gehen dann in den Plattenladen und holen sich deinen Kram. Wir als Optik Records haben unsere Erwartungen an die Verkäufe extrem zurückgeschraubt, damit kein negativer Vibe entsteht. In einer harten Zeit gut zu verkaufen ist besser, als in einer Hammerzeit mittelmäßig zu verkaufen. Wenn es irgendwann mit der Musikbranche wieder aufwärts geht, werden wir dank unserer Erfahrungen bereit sein. Ganz sicher.

Was erwartest du von deinen Künstlern wie Ercandize, SD usw.?

Ich erwarte alles von ihnen. Ich bin Fan von jedem Artists, der bei mir unter Vertrag steht. Ich lasse nicht den großen Boss raushängen, sondern wir versuchen, es gemeinsam zu schaffen. Jeder gibt sein Bestes. Für mich persönlich sind das alles Stars. Dass mich bis jetzt noch kein Majorlabel auf SD angesprochen hat, ist für mich nicht verständlich.

Früher war das mit Eko genauso. Die Leute haben unser Potenzial nicht gesehen. Ich bin bei allen gewesen, von Universal bis Eastwest, und habe denen gesagt: "Wenn ihr mich signt, müsst ihr auch Eko, Valezka und Melbeatz unter Vertrag nehmen. Das ist mein Team, und ich glaube daran." BMG waren die einzigen, die diese Vision gesehen haben. Und auch wenn Eko und ich nicht mehr ein Team bilden, für unsere Plattenfirma hat es sich auf jeden Fall rentiert. Im Endeffekt habe ich ihnen Eko auf dem Präsentierteller serviert, ohne großartig davon zu profitieren.

Wie ist dein Verhältnis zu Eko nach dem Split? Kleinere Sticheleien konntest du dir auf dem neuen Album ja nicht verkneifen?

Es gibt überhaupt kein Verhältnis mehr. Wir sprechen nicht mehr miteinander, und ich möchte auch nichts mehr mit ihm zu tun haben. Ich kann mittlerweile nur noch über seine Kinderkacke lachen. Besonders wenn ich mir das neue Video "L.O.V.E." angucke, wo er barfuß zu extrem poppiger Musik auf einer Yacht posiert. Eko soll machen, was er will. Don't hate, just celebrate. Er war zwar früher ein sehr talentierter Rapper, doch wenn ich ihn jetzt mit meinen Optik-Künstlern wie Amar, SD oder Ercandize vergleiche, zieht er den Kürzeren.

Zurück zum Labelgeschehen: Hast du dich mit Leuten wie Eißfeldt unterhalten, die ja negative Erfahrungen mit eigenen Labels machen mussten?

Auf jeden Fall. Ein grundlegendes Problem vieler Indie-Labels war, dass sie blind irgendwen gesignt haben und nicht mit der wirtschaftlichen Arbeit klar gekommen sind. Ich weiß gar nicht, ob Eißfeldt so viel mit dem Firmenalltag zu tun hatte. Trotzdem ist es natürlich schade, wenn ein Label wie Eimsbush, das ja so eng mit Eißfeldts Namen verbunden ist, pleite geht. Das fuckt mich auch ab. Wir müssen aus den Fehlern der anderen lernen. Mein Problem ist, dass ich manchmal zu künstlich gutmütig bin. Ach, komm. Wir machen halt hier und dort was klar. Geben dem noch mal tausend Euro, damit er sein Leben auf die Reihe kriegt. Im Business muss man manchmal aber auch knallhart sein, was brutal schwer ist.

Bleiben wir in Hamburg: Wie hat dein Kumpel Azad auf die Kollabo mit seinem Ex-Gegner Samy Deluxe auf dem Track "OK" vom kommenden Melbeatz-Album reagiert?

Ich habe Azad natürlich vorher gefragt, ob ihn eine Zusammenarbeit zwischen Samy und mir zu krass abfucken würde. Er meinte aber nur, ich solle mein Ding machen. Er habe keinen Beef mit Samy mehr.

Das Video zu "OK" suggeriert, dass ihr sehr viel Spaß miteinander hattet. Gab es keine Competition?

Als wir uns zuerst im Studio getroffen hatten, war die Atmosphäre schon ein wenig verkrampft. Wir wussten ja, dass die Leute von uns ein derben Zweikampf auf einem harten Beat erwarten würden. Aber irgendwann haben wir uns mit Whiskey-Cola die Kante gegeben und gemerkt, dass wir Musik eigentlich nur für uns machen. Es macht viel mehr Sinn, einen homogen Song zu kreieren, den wir beide abfeiern können, als einen knallharten Battle-Tune.

Du warst vor kurzem in den USA. Was hat sich in dem Standing deutscher Emcees in Amerika in den letzten Jahren verändert?

Es ist jetzt auf jeden Fall leichter, an Features heranzukommen. Auf meinem Mixtape sind jetzt Leute wie Juelz Santana oder Cam'ron. Ich habe jetzt einfach mehr vorzuweisen als früher. Die sehen, dass ich mit Lumidee einen Song gemacht habe, dass sich sein Album öfter verkauft hat, als Underground-Rapper drüben verkaufen. Die nehmen einen einfach ernster.

Letzte Frage: Was fasziniert dich an Jadakiss von The Lox? Seinen Namen droppst du ja in jeder zweiten Zeile.

Na, so schlimm ist es auch wieder nicht. Jadakiss ist jetzt nicht unbedingt mein absoluter Lieblingsrapper. Er gehört schon zum engeren Kreis. Seinetwegen habe ich angefangen, Eastcoast-Rap zu hören. Vor ihm war ich ignorant und stand nur auf Westcoast-Shit. Bei Jada gefallen mit halt seine Ausstrahlung, seine Lines und sein ganzes Image. Momentan höre ich aber viel R'n'B wie zum Beispiel das letzte Isley Brothers-Werk "Bloody Kiss" oder auch Zeug aus den 80ern wie Duran Duran. Zudem gibt es in Berlin einen guten Jazzsender. Rap-Musik kann ich gar nicht mehr so genießen. Da konzentriere ich mich zu viel auf die Styles und Flows.

Das Interview führte Stefan Johannesberg

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