laut.de-Kritik

Perfektes Songwriting trifft auf positive Melancholie.

Review von

Nur knapp ein Jahr nach seiner letzten Veröffentlichung bringt Kevin Morby nun schon seinen vierten Longplayer an den Start - die Entwicklungskurve zeigt immer noch steil nach oben. Angekündigt vom Label als " autobiographisches Album", das sich mit den "verschiedenen Arten der Einsamkeit" auseinandersetzt, vermutet man eine melancholische, depressive Stimmung bei den Songs. Aber Morby verpackt die traurige Stimmung in schöne Stücke, die eher die Sehnsucht wecken als runterziehen.

Nach New York und L.A. hat es den Singer und Songwriter nun teilweise wieder in seine Geburtsstadt verschlagen, Kansas City. "It is a mix-tape, a fever dream, a love letter dedicated to those cities that I cannot get rid of, to those cities that are all inside of me." Die zwölf Songs beschreiben seine Eindrücke der verschiedenen Großstädte der USA, sind dabei aber weder platt noch ausgelutscht und weit entfernt vom heimatverliebten Country, den man bei solch einer Beschreibung erwarten könnte. Zwar bedient er sich der klassischen amerikanischen Musik - Blues, Soul und Folk - verbindet die Spielarten aber zu seinem ganz persönlichen Sound.

Dabei wird alles immer von seiner Stimme getragen, die er mit großer Vorsicht einsetzt. Trotzdem hängt sie nicht im Hintergrund, sondern verpasst den Titeln ihren den besonderen Klang. "City Music" wurde in den Panoramic Studios in Kalifornien aufgenommen. Die Vocals sang Morby nachts ein. Vor ihm der weite, pazifische Ozean, beleuchtet von den Sternen. Diese beinahe schon kitschige Stimmung meint an bei jeden Wort zu hören.

"Come To Me Now" klingt genau so sanft wie seine Stimme, versetzt mit leichten Retro-Einfluss und einer sehr zurückhaltenden Band. Auch die angesprochene Einsamkeit besingt Morby mit der todtraurigen Zeile "Ain't got no friends / in a world so big", und ebenso verloren wie das gezeichnete Bild lässt der Opener den Höhrer zurück. Die Produktion ist so direkt und die Stimme so markant dass es nicht viel benötigt, um das Gefühl der Einsamkeit zu transportieren.

Nicht nur mit seinen knackigen 1:47 Minuten sticht "1234" hervor, sondern auch mit dem Sound. Morby macht einen kurzen Ausflug in den Slacker-Sound, nicht ohne seine Freunde "Joey, Jonny, Dee Dee, Tommy" repetitiv zu besingen.

Viel Zeit gibt er dem Titelsong "City Music", bei dem sich das Intro knapp zwei Minuten aufbaut. Der schwer groovende Bass findet dabei mit der Melodie der Gitarre zusammen, die Drums halten sich dezent im Hintergrund, bevor der Gesang mit einsetzt. Alles zusammen steigert sich dann in einen Uptempo-Part, die Gitarre bekommt einen souligen Anschlag, gemeinsam mit den Handclaps zur Snare kommt man beinahe ins Schwofen. Immer wieder wird der Song auf sein treibendes Grundgerüst reduziert, bevor er nach knapp sieben Minuten gesanglich den Schlusspunkt setzt.

Das bluesig-soulige "Dry Your Eyes" hätte gern länger sein dürfen, denn wenn das Solo am Ende ausfaded, bleibt man fast enttäuscht zurück. Aber das ist keinerlei Kritik, vielmehr der Wunsch nach mehr, auch wenn im zweiten Teil die souligen Backgroundvocals einsetzen. Und ein weiteres Mal läuft die Bassline so fett durch, dass es schon fast eine Frechheit ist. Auf seinem Vorgänger wurde ihm ja schon die groovigste Bassline seit "Is This It" von den Strokes nachgesagt, und auch hier beweist er ein weiteres Mal, dass dieser Vergleich durchaus berechtigt ist.

Wenn man überhaupt von so etwas wie einem schwächeren Song sprechen möchte, dann wäre das "Caught In My Eye". Hier plätschert die Platte etwas, aber wirklich nur ein kleines bisschen. Denn erneut zeigt sich Morby als Meister des Timings. Bevor man abschweifen könnte, setzen Streicher und Synthies ein und macht so den Unterschied zum belanglosen, oftmals gleichen Singer / Songwriter-Brei, der sonst so zu hören ist.

Auch mit seiner vierten Platte unterstreicht Kevin Morby, was für ein vielfältiger Songwriter er ist. Jeder Song hat etwas Besonderes und steht dadurch für sich, fügt sich aber ins Gesamtbild ein. Er gibt den zwölf Songs genug Raum, sodass sie sich entfalten können und setzt an den richtigen Stellen Highlights.

Trackliste

  1. 1. Come To Me Now
  2. 2. Crybaby
  3. 3. 1234
  4. 4. Aboard My Train
  5. 5. Dry Your Eyes
  6. 6. Flannery
  7. 7. City Music
  8. 8. Tin Can
  9. 9. Caught In My Eye
  10. 10. Night Time
  11. 11. Pearly Gates
  12. 12. Downtown's Lights

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