laut.de-Kritik

Solide Leistung, auch ohne Aufs-Maul-Elektro.

Review von

Aus Licht werde Stein, aus schwarzem Nichts eine erdige Umgebung: Das Cover von "Audio Video Disco" spielt mit Bekanntem, überrascht aber durch neue Darstellung. Ebenso die Tracks: Eindeutig Justice, man hört die Handschrift des Duos, aber dennoch anders als ihr fluoreszierendes Disco-"Cross". Oder, wie Xavier de Rosnay es kürzlich dem NME gegenüber ausdrückte: "Anders, aber ähnlich gemacht."

Dennoch machten die Vorabsingles Freunden des Aufs-Maul-Elektros schon ein bisschen Angst. Dieses repetitive "Audio, Video, Disco" und der in der Geschwindigkeit mäßige Poprockelektrobeat - verglichen mit dem aggressiven Debüt beinahe Fahrstuhlmusik. "Civilization" tritt zwar schon energischer auf, ist aber am Ende noch massenkompatibel genug, um mit catchy Pop-Refrain in der Sporthersteller-Werbung zu landen. So clean ist man es von den französischen "Stress"-Haudruffs gar nicht gewohnt.

Das alles erinnert schließlich sehr an die einstige Single "D.A.N.C.E." oder den Simian-Remix "We Are Your Friends". Beide Tracks bestachen nicht gerade durch aggressive Synthies, sondern eben eher durch funkige Basslines und Popmomente mit Widerhaken - und mit beiden verzeichneten Justice ihre größten Erfolge.

"Audio Video Disco" ist tatsächlich mainstreamtauglicher: Wer bei "Waters Of Nazareth" noch überfordert auf der Tanzfläche zuckte, weil er das Berghain nicht mit Aufputschdrogen eroberte, darf aufatmen. Zu einem Song wie "Helix" sollte sich auch der letzte Körperklaus bewegen können. Übersteuerung und Überforderung gibt es nicht mehr, an deren Stelle treten synthetische Gitarrenmelodien und nachvollziehbare Songstrukturen.

Was aber nicht heißt, dass es das Duo nun bodenständiger mag. "Canon" beispielsweise erinnert noch immer an die good old times und gönnt sich sogar einen eigenen Introtrack, fast wie einst "Phantom" und "Phantom, Pt.2". "Brianvision", "New Lands" sowie "Parade" spielen mit Stadionästhetik und gehen glatt als Queen-Remixe durch.

Den überheblichen Rock'n'Roll-Gebärden frönen die Franzosen nach wie vor zur Genüge. Nur kotzen sie diesmal nicht daneben, das macht nämlich nur unnötig Dreck - und den will man auf der neuen Justice-Platte auf keinen Fall haben. "Audio Video Disco" bietet einige großartige Tracks, die durchaus catchy sind, wie etwa "On'n'On" oder eben "Civilization", verzeichnet aber dennoch schmerzlicherweise ein hohes Maß an Füllmasse. Wie gut, dass kein DJ der Welt ein komplettes Album in sein Set aufnimmt. Tanzen können wir also immer noch.

Trackliste

  1. 1. Horsepower
  2. 2. Civilization
  3. 3. Ohio
  4. 4. Canon (Primo)
  5. 5. Canon
  6. 6. On'n'On
  7. 7. Brianvision
  8. 8. Parade
  9. 9. New Lands
  10. 10. Helix
  11. 11. Audio, Video, Disco

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15 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    Muss mich auch "outen". Ich finde Ohio ebenfalls sehr gut. Album hat meiner Meinung nach definitiv 4 von 5 Sterne verdient.

    Tipp: Hört euch einfach mal die Instrumental-CD 2 von David Guettas "Nothing but the Beat" an - dann wisst ihr, wie schlecht auch ein Album hätte klingen können.

    Dennoch sollen Justice mir mal den Sinn des Musikvideos Civilization erklären :) Die Jungs haben mich nicht enttäuscht!!

  • Vor 7 Jahren

    @Neragorn (« Muss mich auch "outen". Ich finde Ohio ebenfalls sehr gut. Album hat meiner Meinung nach definitiv 4 von 5 Sterne verdient.

    Tipp: Hört euch einfach mal die Instrumental-CD 2 von David Guettas "Nothing but the Beat" an - dann wisst ihr, wie schlecht auch ein Album hätte klingen können.

    Dennoch sollen Justice mir mal den Sinn des Musikvideos Civilization erklären :) Die Jungs haben mich nicht enttäuscht!! »):

    haha, faires argument. Guetta ist wirklich unterirdisch. ich muss sage, ich werd nach "ohio" auch mal ins album reinhören.