laut.de-Kritik

Welcome to Kasselfornia!

Review von

Schon mal in Kassel gewesen? Nein? Alle vier Jahre findet dort die Documenta statt. Dafür gibt es keinen richtigen Hauptbahnhof. Willkommen in 'Kasselfornia'. Wo die Bikini Bottom Mafia das Business regelt und Juri im Kugelhagel Koka dealt.

Sun Diegos russisch-afghanisch-hessischer Protegé klingt im Wesentlichen genau so wie sein Chef, der im Wesentlichen genau so klingt wie dieser Typ aus dem Hunsrück, nur mit mehr Autotune. Juri nennt den Sound von "Bratans aus Favelas" treffend einen "Remix aus Trap und Urban-MPC" ("Kill em' All"). Und tatsächlich feiert das Album die Vermählung aus dickem Subbass, 808 und Tripletflows mit unheilschwangeren Frauenchören, schnellen Hi-Hats und vielsilbigen Reimen aus dem Jahr 2009, nur schlampiger gerappt.

Ein ähnlich penetrantes Paar wie die Carters, allerdings klingen die Beats u.a. wegen der Trapelemente einfach geiler als zu Rizbos Zeiten und tun unbestritten, was sie sollen, nämlich breitflächige pompöse Untermalung für Juris Text zu bieten. Einem Beat wie dem von "Juri Boyka" etwa kann man die Wucht nicht absprechen, Juri felixflowt darauf treffsicher. Spielereien und Details werten die Musik auf, wie etwa das böse Intro zum zuvor genannten Track, das Klavier in "Yallah" oder der Boom-Bap in "Vollspannschuss". Das ist alles ähnlich innovativ wie Ketchup, funktioniert aber auch genau so zuverlässig.

Auch inhaltlich gibt es 20 Mal die selbe Soße. Drogendeals, du weißt, wo ich herkomm, nachdem ich es sehr oft gesagt habe, Shoutout an Kasselfornia, Shoutout an die Bikini Bottom Mafia, komme von ganz unten und bin jetzt ganz oben (an der Seite eines erwachsenen Mannes, der ein Spongebob-Schwammkopf-Kostüm trägt), Shoutout an irgendwen, solange sich der Name nur reimt.

Nicht falsch verstehen, Namedropping ist grundsätzlich sympathisch. Da merkt man mal, wen es alles so gibt. Juri vergleicht sich mit Fußballern (Neymar, Aubameyang, Benzema etc.), Verbrechern (Escobar, Putin, bin Laden usw.) oder einer Mischung aus beidem (Sergio Ramos). Allerdings tut Juri eben genau das, was er der Konkurrenz vorwirft, nämlich von den Franzosen klauen, wenn er nicht gerade von den Amis klaut (wenn er nicht gerade von Felix Antoine Blume klaut).

Sun Diego steuert auf vier Tracks einen Part oder eine Hook bei. Zweiter Featuregast der Platte und der Dritte im Bunde der Bikini Bottom Mafia ist Scenzah, der in Flow, Delivery und Vokabular exakt so klingt wie Juri, welcher genau so klingt wie Sun Diego, der, ach, lassen wir das.

Silbenzählerrap bleibt Silbenzählerrap, auch mit Fußballernamen. Glockenbeat bleibt Glockenbeat, auch wenn keine Glocke zu hören ist. Und wenn man ein Herz für solche Musik hat, macht sie auch drei, vier Tracks lang Spaß. Ist halt nur alles trotz Trap mindestens zehn Jahre am Zeitgeist vorbei geschissen und in dieser epischen Breite sehr ermüdend. Macht 2/5, minus einen Punkt für das Afrotrap-Cover von "Maria Maria", nach dem beim besten Willen niemand gefragt hat und das einfach bestraft werden muss.

Im Übrigen ist es wirklich schade, dass Juri den Namen seiner Bande, seiner Familia, seiner Schicksalsgemeinschaft nie in voller Länge ausspricht. Fast, als wäre es ihm etwas peinlich, Teil einer Crew namens Bikini Bottom Mafia zu sein.

Trackliste

  1. 1. Bratans Aus Favelas
  2. 2. Hala Madrid
  3. 3. Refugees (feat. Sun Diego)
  4. 4. Ghetto Espresso
  5. 5. Tutto Originalo
  6. 6. Yallah
  7. 7. Kill Em' All (feat. Sun Diego)
  8. 8. V.M.V.D.
  9. 9. Blutgruppe Testo
  10. 10. Juri Boyka
  11. 11. Wladimir Putin (feat. Scenzah)
  12. 12. Fils De Putes
  13. 13. Vollspannschuss
  14. 14. Freekickerz (feat. Sun Diego & Scenzah)
  15. 15. Bei Nacht (feat. Scenzah)
  16. 16. Capitan
  17. 17. Charakter
  18. 18. Hookah Kartell
  19. 19. Maria Maria (feat. Scenzah)
  20. 20. Bella Ciao (feat. Sun Diego & Scenzah)

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13 Kommentare mit 24 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    Mir tut jeder Rezensent leid der sich mit so einem Müll beschäftigen muss.

  • Vor einem Jahr

    Ihr habt auch nichts Besseres zu tun, als für paar Hunderter im Monat jedes Album schlecht zu reden, oder? Ihr müsst ja echt glücklich im Leben sein

  • Vor einem Jahr

    Ist schon geil wie man merkt das manche Leute echt keine Ahnung haben. Jeder hat seinen eigenen Geschmack. Ich persönlich feier Juri und stehe auch dazu. Weil es MEIN geschmack ist! Musik hat keine Richtlinie sondern ist je nach gefühl des Künstlers. Wenn ich sage, MERO ist nicht wirklich talentiert, der Doubletime ist übelster Standart und ist in meinen Augen einfach whack, wird es auch genug leute geben die MERO gut finden un diese Musik feiern. Aber da liegt der Unterschied! Ich sage MEINER MEINUNG nach, diese Redaktion verkauft ihre Meinung als Fakt. Da merkt man wie wenig Ahnung diese Leute haben. Für einen Mindestlohn schreiben irgendwelche in die Jahre gekommenen Ottos oder in diesem Falle Kays ihre Meinung über Hip-Hop, obwohl sie mit Hip-Hop noch weniger als Dieter Bohlen zu tun haben. Nur sie stellen ihre "Recherche" als Fakt da ohne jeglichen Beweis zu bringen. Und warum? Weil sich Musik faktisch nicht als schlecht darstellen lässt. Das ist wenn alles nur ein Gefühl und dieses wiederrum ist für jeden Persönlich empfindbar. (Hier verweiße ich auf das Video von dem Youtuber Rezo wo er über Musik redet) Leute die nix gönnen, nur Kritik ausüben und nix davon auch nur ansatzweise Produzieren könnten wie es diese Künstler tun, nehmen sich raus diese Werke die mit Arbeit verbunden ist in einem wenig ausführlich geschriebenen "Hetz-Artikel" zu verfassen. Musik ist und bleibt Geschmackssache. Was man nun mag und was nicht muss jeder für sich selber entscheiden und wenn man es schon in die Welt posaunen will sollte man wenigstens angeben, das es seine eigene Meinung ist. Alles andere ist einfach nur arm. Es musste mal gesagt werden. Meiner Meinung nach ist laut.de das schlechteste was auch immer was ich je gesehen habe. Aber das ist meine Meinung wie oben angeführt. Bildet euch immer eure eigene Meinung. Haut rein und auf Wiedersehen.