laut.de-Kritik

Philosophie für Kopfhörer: Zwischen Radiohead und Robert Wyatt.

Review von

Das Erstlingswerk des 21-jährigen Londoners versetzt Kritiker und Musikfans in grenzenlose Verzückung. Seit Wochen wird die eigenwillig minimalistische Coverversion des Feist-Songs "Limit To Your Love" hoch und runter gespielt und in Internet-Foren und Blogs wie besessen gepostet.

Diese kollektive Verzückung ist gerechtfertigt, da James Blakes musikalischer Ansatz als erfrischend innovativ, wenn nicht sogar avantgardistisch bezeichnet werden darf, was heutzutage eher selten ist. Sein hypnotischer Stil bewegt sich zwischen Radioheads "Kid A" und Robert Wyatts Stimmexperimenten und klingt trotzdem sehr eigen und dazu kreativ.

Bei dieser Platte passt es eigentlich nicht so recht, die Titel einzeln zu besprechen, da sie wie eine minimalistische Elektrosymphonie klingt. Man sollte das Album am Stück hören, da sich die Tracks zu einem monumentalen Ganzen zusammenfügen. Verzerrte Stimmen, abgebrochene Dubstep–Beats, verstörendes Rauschen sowie melancholische Melodiesequenzen und Lyrics lassen den Zuhörer in tiefe Sphären der Seele eintauchen.

"Unluck" öffnet das Tor zu Blakes hypnotischem Universum. Herausragend schön kommt "Wilhelms Scream", in dem er mit schwerer Melancholie "I don't know about my dreamin anymore / All that I know is I'm fallin, fallin, fallin, fallin" singt und man sich mit ihm wirklich fallen lassen will.

Die Feist-Coverversion lässt dem Romantiker das Herz in der Brust zerbersten, steht aber nicht repräsentativ für das gesamte Album, da das Stück deutlich leichter verdaulich ist als der Rest. "Give Me My Month" und "Why Don't You Call Me" sind nur mit einem minimalistisch eingesetzten Klavier begleitet. "To Care (Like You)" ist noch ein elektronisch exaltiertes Schmankerl, bei dem man meinen könnte, Blake hätte sich einige schräge Samples von Richard D. James geliehen.

James Blakes Debüt ist nichts für nebenher, man muss sich schon auf die sensible und künstlerische Ausdrucksweise einlassen, die formvollendet die innere Zerrissenheit der Seele zwischen Sinnsuche und Qual abbildet. Das ist Musik, die man nachts hört, und wahrscheinlich ist man dann am besten alleine.

Trackliste

  1. 1. Unluck
  2. 2. Wilhelms Scream
  3. 3. I Never Learnt To Share
  4. 4. Lindesfarne I
  5. 5. Lindesfarne II
  6. 6. Limit To Your Love
  7. 7. Give Me My Month
  8. 8. To Care (Like You)
  9. 9. Why Don't You Call Me
  10. 10. I Mind
  11. 11. Measurements

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12 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    Also, ich stehe zwar auch auf extremen Minimalismus und Experimentierfreude, aber das Album als Ganzes finde ich leider extrem überbewertet, weil eigentlich ziemlich eintönig.

    Selbst nach mehrfachem, wohlwollendem Hören, bleibt einfach nichts hängen, außer ein paar tiefgründigen Floskeln aus'm Glückskeks vom China-Mann um die Ecke, die mehr oder minder erfolgreich mit Autotune-Geblubber aufgepeppt wurden.

    So was hätte ich persönlich direkt am Folgetag des Vollrausches von der Festplatte gelöscht, doch Blake besitzt den Schneid uns so was als Album aufzutischen.

    Hut ab, dafür! ;-)

    Das Feist-Cover ist allerdings wirklich sehr gelungen, schade nur, dass der Mann seine Stimme auf den restlichen Tracks jeglicher Emotion beraubt.

    Und man darf dabei nicht vergessen, dass das Original einfach schon super war und der Remix eigentlich nur ein wenig Ballast abwirft.

    Also, sind wir mal ehrlich, das Album hat einige nette Momente, funktioniert als Ganzes jedoch leider nicht. Und wer experimentelle Musik a la Aphex Twin oder Mouse on Mars kennt, für den ist die Form allein doch schon ein alter Hut und Inhalte gibt's, bis auf ausgedehnte Stille, ja leider auch keine.

    Don't believe the hype!

  • Vor 7 Jahren

    kann hiq nur zustimmen. 'limit to your love' ist fantastisch, aber ich bevorzuge seine EPs bei weitem wenn es um experimental dubstep geht (oder wie man es nennen will). die songs strapazieren teilweise einfach ohne dass genug passiert. ich hoffe, dass es trotzdem seine käufer finden wird und er auf seinem zweitling andere wege geht. sehr passendes review wie ich finde:
    http://www.residentadvisor.net/review-view…

  • Vor 7 Jahren

    das Feist Cover fand ich jetzt ehrlich gesagt ziemlich öde. das einzige was er diesem Song hinzufügt ist ein dubstep-artiges bass-knattern im hinter- bzw. untergrund, das meiner Meinung nach eher stört als dass es dem song irgendwas interssantes hinzufügt. davon abgesehen ist es n guter Song. aber eigentlich hör ich mir lieber das original an. das sich eigentlich auch nicht unterscheidet, außer dass dieses nervige "bababababa" im hintergrund fehlt.

  • Vor 7 Jahren

    @hiq (« Ja, stimmt... erwischt!

    Ich befinde mich auf meiner ganz persönlichen Mission gegen den übertriebenen Hype und war einfach zu faul, mir was Neues auszudenken ... ;-) »):

    such dirn hobby

  • Vor 7 Jahren

    das album vermag auch mich nicht wirklich zu überzeugen. ich bin froh, hat der junge mann zuvor schon mehrere sehr interessante EPs herausgebracht. ich hoffe, davon in zukunft noch mehr hören zu können!

  • Vor 7 Jahren

    Also die EPs habe ich, nachdem ich dieses wirklich sensationelle Goldstück von Album, dass ernsthaft nicht im Geringsten zu überbewertet wurde,gehört und sofort erworben habe, hinzugekauft - und ich muss sagen: echt Schrott. Ich kann gar nicht die Meinung teilen, dass Blakes Vorgänger-EPs in irgendeiner Weise überhaupt hörenswert noch in Reichweite seines ersten Albums sind. Und da gebe ich der Laut-Redaktion Recht: Alleine hören und ein Glas (auch gerne mehr) Wein dazu und man steigt in einen sehr nachdenklichen und melancholischen Abend ein. Bon Fromage!