laut.de-Kritik

Herbstliche Schwermut mit eingängigen Melodien.

Review von

Die Sommernächte werden kühler, die Blätter auf den Bäumen verfärben sich und der Herbst zieht so langsam ins Land. In unseren Breitengraden kann man noch den einen oder anderen schönen Tag genießen, die Finnen dagegen klappen bereits den Kragen hoch, ziehen das Genick ein, Mützen und Mäntel an. Die Stimmung entspricht der kalten, nebligen und trüben Wetterlage. Im hohen Norden lauscht man Insomnium, dem Soundtrack der grauen und dunklen Tagen.

"Der Titel hängt entfernt mit diesem alten Kinderlied zusammen, das mit den Worten 'One For Sorrow' beginnt. Das gesamte Lied hat zehn verschiedene Verse. Es geht darum, Krähen in einem Baum zu zählen, um die Zukunft vorauszusagen", beschreibt Drummer Markus Hirvonen die Namensfindung der Platte in einem Interview.

Der Opener "Inertia" beginnt sehr ruhig, die Gitarren kreieren eine bedrückende Stimmung, die sich durch das gesamte Album zieht. Der Song bauscht sich langsam auf, der flüsternde Gesang von Bassist Niilo Sevänen setzt lethargisch ein. Eigentlich eher ein Post-Rock-Track, als ein Metal-Intro.

"Wir dachten, dass 'One For Sorrow' als Albumtitel die ganze Atmosphäre einfängt, nachdem unsere Texte tendenziell eher von Verlust, Hoffnung, Liebe, Tod und solchen Sachen handeln", bringt es Hirvonen auf den Punkt. "Through The Shadows" untermauert diese düstere Grundstimmung mit treibenden Drums, verspielten Gitarrenläufen und tiefen Growls, die sich nicht aufdrängen und mehr im Hintergrund agieren.

"Bathe the darkest corners of melancholy" schreit der Fronter in "Every Hour Wounds". Ein recht schnelles, sehr dunkles Stück, das die Vielseitigkeit und den Facettenreichtum des Quartetts hervorhebt. Es gelingt tatsächlich nur einer Handvoll Bands, solche Traurigkeit und Melancholie in Metal zu verpacken und dabei weder Brutalität noch eingängige Melodien einzubüßen.

"Decoherence" ist ein Instrumental, das nach zwei Dritteln der Scheibe den Fuß vom Gaspedal nimmt. Diese tiefe Trostlosigkeit der bitterkalten Winternächte Finnlands, entfaltet hier in vollem Umfang seine Wirkung und passt hervorragend in das Albumkonzept. Bevor man aber komplett in der Sehnsucht versinkt, rüttelt "Lay The Ghost To Rest" wieder wach und berichtet, wie die Nordlichter den Geist zu Grabe tragen. Die Gitarren stöhnen und ächzen und erzeugen so einen todtraurigen Hintergrund. Das Flüstern von Sevänen verwandelt sich fast unbemerkt in die Insomnium-typischen, tiefen Growls. Großartig!

Die bereits auf "Across The Dark" eingeschlagene Marschrichtung gehen die vier konsequent weiter. Den cleanen Gesang, vor zwei Jahren noch von Jules Näveri eingesungen, übernimmt Sevänen nun selbst. Das kann sein Landsmann jedoch besser. Vielleicht der einzige kleine Kritikpunkt einer ansonsten genialen Scheibe.

Schwedische Einflüsse sind immer noch stark zu hören, besonders bei den Gitarren. Das mag der ausgedehnten Europa-Tour mit Dark Tranquillity zu verdanken sein. Wirklich Neuerungen gibt es kaum, geschweige denn Überraschungen. Wieso auch? Insomnium haben ihren Sound gefunden und quasi bis zur Perfektion ausgereift. Der Labelwechsel zum Major Century Media war dabei sicherlich beteiligt und doch liefern der Melo-Death-Metaller ihr bis dato detailverspieltestes Album der Bandgeschichte ab, das einige Durchläufe benötigt, um die gesamte Vielschichtigkeit aufblühen zu lassen.

Trackliste

  1. 1. Inertia
  2. 2. Through The Shadow
  3. 3. Song Of The Blackest Bird
  4. 4. Only One Who Waits
  5. 5. Unsung
  6. 6. Every Hour Wounds
  7. 7. Decoherence
  8. 8. Lay The Ghost To Rest
  9. 9. Regain The Fire
  10. 10. One For Sorrow

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