laut.de-Kritik

Schön, sehnsüchtig und dunkel wie die See.

Review von

"Set sail! From the swarms of the world I steer out to inhale freedom on my salty ocean." Diesen schönen Ausspruch tat einst der schwedische Schreiber Viktor Rydberg. Immanu El nahmen ihn sich für ihr drittes Album zu Herzen: "In Passage" ist romantisch, sehnsüchtig und dunkel wie die skandinavische See.

Der Klang kommt nicht von ungefähr: Immanu El sind seit sechs Jahren am Nachbau eines Schiffes aus dem 18. Jahrhundert beteiligt. Vor rund 270 Jahren sank das Segelschiff vor der schwedischen Küste - im 21. Jahrhundert nimmt der Nachbau von Schweden aus Kurs auf China und zurück. Für ein Jahr mit an Bord ist Bandmitglied Per Strängberg, die Band steuert außerdem den Soundtrack zu diversen Dokumentarfilmen über das Projekt bei.

Folglich tropft der Kombo nun das Seewasser aus jeder Pore. Fließende Gitarrenmelodien durchziehen die folkigen Popsongs, an deren Klippen auch gern mal eine Gischt Postrock spritzt. Claes Strängberg, Bruder von Per, erinnert in Stimme und Klangfarbe an Bombay Bicycle Clubs Jack Steadman und setzt der zarten Brandung die Schaumkrone auf.

Die Stücke schwimmen ruhig wie Treibholz angenehm in den Gehörgang und hinterlassen ein frisches, aber gleich schweres Gefühl. Sehnsüchtig machen die Songs, sehnsüchtig nach rauem Sand unter den nackten Füßen oder nach frischer Seebrise im Gesicht. Jedenfalls sehnsüchtig nach Aufbruch. Dank Piano-Ankern dann und wann ("Skagerak", "Comforting Dawn", "On Wide Shoulders") bleiben Immanu El stets über der Oberfläche der endlosen See und ermöglichen rettendes Luftschnappen.

Ab und an ist jedoch ein Angeln in den veralgten Gewässern der Kitschmusik nicht zu vermeiden ("Conquistador") - das ist eben das Risiko, das man tragen muss, wenn man sich für dermaßen schmerzgetragenen Folkpop entscheidet. Im Gesamtbild bügeln aber sanfte Wogen wie "Into Waters" solche Ausrutscher aus.

Als solches ist "In Passage" überhaupt zu betrachten: Als Gesamtes, eine einzige große Reise: Augen zu und hinfortgeträumt. Mit diesen Matrosen sticht man schließlich gern in See. Und das ganz ohne die Gefahr, seekrank zu werden.

Trackliste

  1. 1. Skagerak
  2. 2. Conquistador
  3. 3. The Threshold
  4. 4. Comforting Dawn
  5. 5. Into Waters
  6. 6. To An Ocean
  7. 7. While I'm Reaching For You
  8. 8. On Wide Shoulders

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5 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    schöne, metaphern gespickte rezension, die mit dem cover korrespondiert und wirklich lust auf mehr macht. werde hier definitiv mal reinhören.

  • Vor 7 Jahren

    Die Rezension ist wahrlich wohlwollend formuliert, aber in Anbetracht der Tatsache, dass Immanu El nach wie vor weitestgehend (soften) Postrock as usual präsentieren und allein an besagtem 28.11. mindestens 2 weitere Vertreter dieses Genres solide Alben veröffentlichten, ist dieser Drops für mich gelutscht - mindestens, bis Crippled Black Phoenix ihr nächstes Werk raushauen.

  • Vor 7 Jahren

    wer veröffentlicht denn noch? ich war vom letzten crippled album nicht auf voller länger überzeugt, aber vor allem der vorgänger war genial.

  • Vor 7 Jahren

    @Catweazel: Collapse Under The Empire (vermutlich Deutschlands beste PostRock-Gruppe nach Long Distance Calling), Scraps Of Tape und vor allem die Russian Circles (definitiver Anspiel-Tipp!).
    CBP's letzte war doch aus ihrer Sicht (trotz 45min Spielzeit) "nur" eine EP, da ließen sie es wohl etwas "seichter" angehen als wie zu den großen Konzeptbrocken ;)

  • Vor 7 Jahren

    oh ja, neue russian circles ist verdammt gut. ich war nie wirklich ein fan, fand aber geneva ganz gut. die neue platte geht jedoch noch mehr ab.