laut.de-Kritik

Bombastischer Sound bei mangelnden Ideen.

Review von

"Do you hear that thunder?" Nach zwei Jahren anhaltenden Tourens und ausverkauften Shows auf dem halben Erdball melden sich Idles mit ihrem lang erwarteten dritten Studioalbum zurück. Neben Nick Launay, der bereits an "Brutalism" und "Joy As An Act Of Resistance" beteiligt war, haben Warren Ellis, Jamie Cullum, Jehnny Beth (Savages) und David Yow (The Jesus Lizard) zusammen mit den Briten an "Ultra Mono" geschraubt.

Cullum eröffnet "Kill Them With Kindness" mit einer bescheidenen halbminütigen Piano-Einlage, Ellis war an "Grounds" beteiligt. So wirklich erkennt man aber eigentlich nur Jehnny Beth, die den Chorus von "Ne Touche Pas Moi" begleitet. Aufhorchen lässt dafür aber die Beteiligung von KennyBeats, der bisher für Vince Staples, Jpegmafia oder auch FKA Twigs hinter dem Mischpult stand. Im Interview erklärt Frontmann Joe Talbot diese Entscheidung: Ziel war es, ein Album zu produzieren, das klanglich mit den aktuellen Pop- und Hip Hop-Produktionen mithalten kann.

Dass dieses Ziel erreicht wurde, hört man ab den ersten Takten von "War". Der Bass drückt und die Trommelschläge gleichen Granaten. Einige Sekunden später beginnt Talbot seinen Auftritt mit einer Mischung aus Lautmalerei und den gewohnten spoken words: "Whaching! That's the sound of the sword going in!" Gangshouts vervollständigen den Eindruck: die Maschine läuft unisono, Idles klangen auf Platte nie besser!

Für "Grounds" lässt Gitarrist und Soundtüftler Mark Bowen seine Gitarre wie einen Synthesizer klingen, während Talbot gegen die Rassisten dieser Welt wettert. Während "War" die größte Sprengkraft entwickelt, ist "Mr. Motivator" die eingängigste Nummer der neuen Platte geworden. Bassriff und Drums sorgen für Headbang-Garantie. Joe Talbot singt den Refrain, anstatt den üblichen zähneknirschenden Vortrag zu bemühen.

Nach diesem explosivem Einstieg offenbart sich aber auch das Problem von "Ultra Mono": die folgenden Songs können nicht wirklich mithalten mit der anfänglichen Power und klingen in vielen Fällen wie halbherzige Kopien der selben musikalischen Formel. Stücke wie "Anxiety" und "Model Village" kommen einem bloß wie Variationen von "Mr. Motivator" vor. Selbst Drummer Jon Beavis bemüht auf dem Album nicht mehr als eine Handvoll verschiedener Grooves. Man wird beim Hören einfach das Gefühl nicht los, dass den Idles für ihr drittes Album schlichtweg die Ideen ausgegangen sind.

Für "Ultra Mono" schrieb Talbot die Lyrics zudem erstmals nicht im Vorfeld, sondern mehr oder weniger spontan in der Gesangskabine – mit mäßigem Ergebnis. Während die ersten beiden Alben noch augenzwinkernd Kritik übten und Talbot dafür in die verhasste Haut der Upper Class schlüpfte (zum Beispiel "Well Done" oder "Stendhal Syndrome"), vermisst man diesen Sprachwitz auf der neuen Platte beinahe komplett. Schade, Sarkasmus und Ironie stand der Band wesentlich besser als sloganhafte Plattitüden ("You only die once, you never come back, you're gone when you're gone, so love what you can."). Was bleibt ist ein Album, dass sich klanglich aus der bisherigen Diskographie der Band positiv hervorhebt, insgesamt aber doch recht eintönig und uninspiriert wirkt.

Trackliste

  1. 1. War
  2. 2. Grounds
  3. 3. Mr. Motivator
  4. 4. Anxiety
  5. 5. Kill Them With Kindness
  6. 6. Model Village
  7. 7. Ne Touche Pas Moi
  8. 8. Carcinogenic
  9. 9. Reigns
  10. 10. The Lover
  11. 11. A Hymn
  12. 12. Danke

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