laut.de-Kritik

Stromgitarren heilen Schlagerkitsch. Oder auch nicht.

Review von

Wenn der König das Zeitliche segnet, dauert es in der Regel nicht lang, bis selbst der buckligste Landadel mit Zähnen und Klauen um den verwaisten Thron kämpft. Im Fall der Onkelz ist es nicht anders. Nach dem selbst gewählten Abschied schießen gegenwärtig immer mehr Epigonen aus dem hart umkämpften Boden; zuletzt recht erfolgreich Frei.wild.

Hassliebe ist eine dieser ganz neuen Combos. Für ihr Debütwerk scheuen die bayerischen Musikanten jedes Risiko. "Niemandsland" ist vielmehr ein Album vom Reißbrett typisch teutonischer Neue Deutsche Härte Klischees. Wie aus dem Lehrbuch arbeitet das Trio roboterhaft die Rezeptur für eine entsprechende Genreplatte ab. Sind alle Zutaten am Start? Leider ja:

Bierzelttauglich soll und muss es freilich sein. Da passen "Schwarzer Engel", "Mir Dir" und "Mein Letzter Wille" hervorragend. Extrem schlagerhafte Refrains der volkstümelnden Stadl-Sorte machen sich immer gut. "Schwarzer Engel in der Nacht, will mit Dir gehen, wenn du erwachst.".

Damit sich die Fans auch weiterhin schön NDHart geben können, darf das Pureske natürlich nicht auffallen. Deshalb schnell noch ein paar 08/15 80er Metal-Hooks oben drauf. Denn Stromgitarren heilen bekanntermaßen Schlagerkitsch! In der ersten Strophe bzw. Bridge von "Mein Letzter Wille" kippt die Stimme von Sänger Daniel Frisch dann auch schon das erste Mal in allzu tiefe Töne an falscher Stelle.

Das Beklagen fehlender Berechenbarkeit und Führung in der Gesellschaft wird auch immer wieder gern ins sturmfeste NDH-Boot geholt. "Hört Ihr Mich?" fragt dann auch konsequent "Ein Leben im Nebel! Wo ist das Licht, wo sind die Regeln; die Regeln?" Ebenso dürfen die obligatorischen "falschen Freunde" natürlich nicht fehlen. Bei so viel bleiernem Schicksal fragt sich wohl jede stattliche Volksversteher-Truppe "Warum sterben die besten jung?" Dieser ausgelutschteste aller schweinerockenden 'Kellerparty mit Jungs-Überschuss'-Slogans ist Hassliebe erwartungsgemäß nicht zu doof.

Das Verkünden des längst bekannten und 1000fach gehörten bleibt bedauerlicherweise das einzig ersichtliche lyrische und musikalische Konzept. Kein Wunder, dass sie selbst vor den beiden ausgeleiertsten Plattitüden des Showbiz nicht zurückschrecken: Die Süddeutschen erzählen dem Hörer in "Einmal" oder in "Schöne Neue Welt" doch tatsächlich, dass Männer weinen können, Gefühle zeigen dürfen und dass Geld die Welt regiere, als wäre diese Erkenntnis der neu entdeckte Stein der Weisen. Die gesangliche und charismatische Überforderung des Shouters beim zur Schau stellen echter Wehmut rundet das Mitleid erregende Bild ab.

Fehlt noch etwas? Na klar! Kein gescheite NDH-Kapelle ohne den obligatorischen Kinderschändersong! Kaum zu fassen, dass textliche Grobmotoriker wie Onkelz, Oomph und Co. ein für die Opfer derart sensibles Thema zur Hardrock-Fashion-Victim degradiert haben. Und auch Hassliebe machen gern mit beim kalkulierten Profilieren und simplen Herunterbrechen auf den gerechten Volkszorn der CD-Käufer. Spätestens, wenn demnächst 14-jährige Neubiertrinker mit hochroten Köpfen auf Landjugend-Feten grölen: "Sperrt sie ein, nie mehr frei! Einfach weg!", haben Hassliebe den Opfern einen echten Bärendienst erwiesen.

Alles perfekt umgesetzt, möchte man meinen. Doch das Herzstück fehlt der jungen Band leider komplett. Sie verfügen nicht über den Hauch einer eigenständigen künstlerischen Identität. Das NDH-Musterschüler-Gebaren verhindert jegliche Bildung einer eigenen Kontur. Und die Songs sind am Ende eben auch nicht stark genug, die großen Fußspuren der immerhin authentischen Vorbilder auszufüllen. Epigonen sind eben längst keine Ikonen.

Trackliste

  1. 1. Schwarzer Engel
  2. 2. Mein Letzter Wille
  3. 3. Hört Ihr Mich?
  4. 4. Mir Dir
  5. 5. Wo Bist Du
  6. 6. Niemandsland
  7. 7. Einmal
  8. 8. Licht
  9. 9. Stopp Die Zeit
  10. 10. Schöne Neue Welt
  11. 11. Warum
  12. 12. Zusammenhalten

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5 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    Hm beim Thema "Kinderschänder" fühlt sich der Rezensent wohl irgendwie persönlich auf den Schlips getroffen, hm?

  • Vor 10 Jahren

    Du wirst nie zuhause sein
    Wenn du keinen Gast
    Keine Freunde hast
    Dir fällt nie der Zauber ein
    Wenn du nicht verstehst
    Dass du untergehst wie alle Kinderschänder
    In aller Herren Länder

  • Vor 10 Jahren

    Wo sind die Wege? Die Wege?

    Es heisst "die Wege", mann, kannst Du nicht mal das Booklet lesen? Wie will so jemand über Texte urteilen wenn er sie nicht mal versteht? Im Song "Warum" geht's auch nicht um Kinderschänder, das kommt im Text nicht vor, sondern um Gewalt an Kindern! Auch nicht zugehört!
    Scheinbar ist das wichtigste an Rockmusik der Text. Sozialkritisch soll er sein, gaaaaanz neu, am besten Worte die noch nie jemand benutzt hat, Geschichten die noch nie jemand erzählt hat. Und bloß nicht Sachen direkt ansprechen! Immer schön drumrum, das klingt dann so schön intellektuell, und intellektuell, das wollen wir doch so gern sein.
    Für mich ist das Wichtigste an Rockmusik die Musik, ob deutsche oder englische Texte, die Musik muss mich begeistern. Und die Musik auf Niemandsland ist bei weitem nicht so übel wie uns der Rezensent hier glauben machen will! Klar sind auch ein paar schwächere Songs auf der Scheibe, in der Mehrzahl aber sind es geile Rocksongs! Ich kann nicht nachvollziehen wo hier "allzu tiefe Töne an falscher Stelle" zu finden sein sollen, was damit gemeint ist ist mir auch nicht ganz klar. Hat das was mit objektiver Kritik zu tun? Nein! Der Sänger ist gut, die Songs machen zum größten Teil Laune und sind einfach guter Deutschrock. Und manchmal, wie der Titeltrack "Niemandsland", "Wo bist Du" oder "Warum" sogar sehr guter Deutschrock!

    Ich hab wohl noch nie so eine unsachliche und subjektive Rezension gelesen. Man muss das Album ja nicht lieben, aber solchen Hass hat es nicht verdient!

    Habe fast fertig! Nur noch eins: Wo habt ihr das Video her? Das ist kein Video der Band, was soll das? Da hat irgendein Fuzzi auf youtube was hochgestellt und ihr veröffentlicht das hier als Video der Band??? Informiert euch mal auf der Homepage der Band, es gibt nämlich auch richtige Musikvideos von HASSLIEBE.

    Cheers

  • Vor 10 Jahren

    hoffentlich lässt sich von dieser überarroganten Kritik keiner davon abhalten mal in das Album rein zu hören. Ich komm mir nach Lektüre dieses Review ja schon fast etwas minderbemittelt vor weil mir die CD gefällt. Und ich bin kein 14-jähriger Neubiertrinker sondern ein vierzigjähriger Mann der nicht erst seit gestern Musik hört. Na ja, was soll's. Ich hör mir jetzt HASSLIEBE an und fühl mich trotzdem gut, gell :)

  • Vor 3 Jahren

    Lieber Rezensent,
    soviel gequirlte Scheiße habe ich ja noch nie gelesen! Hat Dir einer der Bandmitglieder die Freundin ausgespannt? So eine unsachliche und schlichtweg falsch bewertete Kritik, einer, wie ich finde, der besten Deutschrockbands, kann ich nicht verstehen. Musikalisch und textlich sticht diese Band aus dem Einheitsbrei des Genres angenehm hervor. Auch der Nachfolger "Sklave der Neuzeit" zeigt das enorme Potential dieser aussergewöhnlichen Band! Über Geschmack soll man ja bekanntlich nicht streiten, jedoch ist dieser Verriss hier total unangebracht und fast schon rufschädigend. Ich hoffe, wir hören noch mal was von den Jungs...