laut.de-Kritik

Die Roots der Hellacopters und Backyard Babies.

Review von

Als ich mit 15 Jahren zum ersten Mal Metal hörte, waren die Hanoi Rocks schon ein paar Jahre Geschichte. Selbst wenn es sie noch gegeben hätte, eine Poserband mit Haarspray und Lippenstift wär dem kleinen Eddy mit seinem Overkill-"Fuck You"-Rückenaufnäher eh nie ins Haus gekommen.

Inzwischen ist man nicht nur ein paar Jahre älter, sondern es gibt auch Bands wie die Backyard Babies, die Hellacopters oder Psychopunch, die nicht nur rocken wie Sau, sondern sich auch ganz offen auf Hanoi Rocks als Einfluss berufen. Grund genug, sich das aktuelle Album der Finnen mal in den Player zu schieben und sich anzuhören, wer auch heutzutage noch die Haarspray-Industrie mitfinanziert, nachdem Kollege Dobler aus dem Geschäft raus ist.

Nach einem kurzen Blubbern im Intro, legt "Back In Yer Face" ordentlich los und dreht den Gute Laune-Faktor ordentlich nach oben. Auch das fröhliche 'auffe Schnauze'-Zwischenspiel passt da gut rein. "Hurt" ist im Anschluss ein sehr relaxte, coole Nummer und vor allem textlich unterhaltsam. Doch schon mit "The Devil In You" taucht der erste halbgare Song auf und es soll leider nicht der Einzige bleiben.

Wie 'ne typische Rock'n'Roll-Nummer aus den 50er/60er Jahren kommt "Love" daher und weiß vor allem durch die Klavierparts zu gefallen. Dass Michael Monroe auch 2005 noch ein erstklassiger Sänger ist, wird wohl kaum jemand bezweifeln wollen. "Talk To The Hand" hat zwar 'nen netten Chorus, dennoch kann man die Strophe getrost vergessen (wohl bei "My Sharona" geklaut?). Zum Glück drehen "Eternal Optimist" und "No Compromise, No Regrets" die fallende Stimmungskurve wieder nach oben.

Bei aller Liebe, aber "Reggae Rocker" gehört sofort in die Mülltonne und wenn danach nicht das geile "You Make The Earth Move" käme, hätte ich die Scheibe schon als Bierdeckel zweckentfremdet. "Better High" ist an sich kein schlechter Song und die Phil Lynott-Klamotte "Dear Miss Lonely Hearts" verliert auch bei Hanoi Rocks nichts von ihrem Charme.

Die Ballade "Center Of My Universe" kommt mir dann doch eine Spur zu schmalzig und klingt auch ein wenig zu sehr nach den Eagles. Einen gelungen Rausschmeißer haben sie sich mit "Heaven Is Gonna Be Empty" aufbewahrt, der wie eine Mischung aus "Back In Yer Face" und "Love" klingt und neben ein paar tollen Klaviersachen auch eine coole Gitarre fährt.

Ein paar Songs dieser Marke mehr und ich zück eine höhere Wertung. Da aber eben einige unnötige Füller dabei sind, kommt die Platte über das Mittelmaß nicht hinaus.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Back In Her Face
  3. 3. Insert I
  4. 4. Hurt
  5. 5. The Devil In You
  6. 6. Love
  7. 7. Talk To The Hand
  8. 8. Eternal Optimist
  9. 9. Insert II
  10. 10. No Compromise, No Regrets
  11. 11. Reggae Rocker
  12. 12. You Make The Earth Move
  13. 13. Insert III
  14. 14. Better High
  15. 15. Dear Miss Lonely Hearts
  16. 16. Insert IV
  17. 17. Center Of My Universe
  18. 18. Heaven Is Gonna Be Empty

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