laut.de-Kritik

Die Trap-Titanen bleiben im Feature-Modus.

Review von

Beide hatten ein gutes, produktives Jahr. Beide sind die Titanen der Szene, und dazu hat der eine den anderen noch maßgeblich beeinflusst: Was spricht dagegen, dass sich Future und Lil Uzi Vert für ein schnelles Mixtape zusammentun? In der Theorie ein guter Plan, aber wenn "Baby" von Lil Baby und DaBaby eines gezeigt hat, dann dass ein Namens-Gag nicht der beste Casting-Gameplan ist. Auch, wenn Future und Uzi Philosophie und Geschichte teilen, fällt ihr Zusammentreffen trotz ein paar solider Banger unzuverlässig aus.

Das liegt vor allem daran, dass sich beide die meiste Zeit im Feature-Modus befinden. Selten kommt es vor, dass einer mal die Federführung an sich reißt und einen wirklichen Mission Statement-Verse abliefert. Die Beats kommen aus einer rotierenden Produzenten-Tür, und ebenso wahllos machen die beiden MCs ihr Ding. So gerät "Pluto & Baby Pluto" eher wie ein Glücksrad als wie eine wirkliche Zusammenarbeit: Zwei Features ohne Main-Artist, und ob es gelingt, hängt sich daran auf, ob gerade Wind, Wetter und Licht stimmen.

Der Einstieg und das Schlussdrittel der Platte geraten dröge. Anonymer Packfiller auf Instrumentals, die ein bisschen unkenntlich in die letzten Jahre der Trapmusik zielen. Songs wie "Lullaby", "Off Dat" oder "Stripes Like Burberry" wabern intoxiniert vor sich hin, ohne wirklich einen Aha-Effekt hervorzurufen. Enttäuschend liefert vor allem der sonst coolste DJ des Planeten, DJ Esco ab: Fast alle seine Beats versanden in einem relativ uneingängigen Mid-Tempo, auf das weder Future noch Uzi einsteigen.

Trotzdem findet die Platte im Mittelteil eine Strähne, für die alleine sich das Release gelohnt hat. DJ Esco und Working On Dying gehen einen Moment aus dem Bild und hungrigere Produzenten übernehmen die Lenkung. Zaytoven und "Life Is Good"-Produzent D. Hill drehen Knock und Tempo spürbar auf und plötzlich performen auch die Protagonisten ein ganzes Level lebendiger. Die Lines kommen im Mal-Upper-Mal-Opiat-Nebel zwar nicht viel sinnvoller daher, aber Uzis Flow-Variationen und Futures grollender, schmerzverzerrter Stimmeinsatz entfalten ihren Charme.

Zwei Highlights passen sich neueren Genre-Strömungen an: "Drankin N Smokin" und "That's It" nähern sich an das Schulwerk der unglücklichen Gitarrenbeats, das dank Gunna, Lil Baby und Youngboy Never Broke Again derzeit fast ein jeder bespielt. "Plastic" orientiert sich spürbar am immer noch visionären "Barter 6". Einmal streckt Polo G-Produzent 12 Hunna Bounce vor, einmal Wheezy und einmal LondonOnDaTrack. Schwere Geschütze, die ein paar klassische, schwerelose Trap-Banger am Stück kredenzen.

So funktioniert diese Technik des Rappens eben. Uzi und Future haben sich im Studio getroffen, um einmal über eine wahllose Barrage an Beats zu feuern, die Texte völlig beiseite zu lassen und einfach zu gucken, welche Energie dabei zustande kommt. Große Trap-Projekte sind so entstanden, aber "Pluto & Baby Pluto" ist keines davon. Es fehlen Mut und Ambition, aus den Komfortzonen auszubrechen, und in der Konsequenz finden die Rapper kaum zueinander. Dadurch, dass auch kein Produzent federführend agiert, endet das Tape als B-Seiten-Sperrfeuer mit starken Akzenten, aber keiner roten Linie. Fans der Rapper werden die Treffer in die eigenen Playlists abschöpfen. Aber das Leben wird auch weitergehen, wenn man diese Platte nicht gehört hat.

Trackliste

  1. 1. Stripes Like Burberry
  2. 2. Marni On Me
  3. 3. Sleeping On The Floor
  4. 4. Real Baby Pluto
  5. 5. Drankin N Smokin
  6. 6. Million Dollar Play
  7. 7. Plastic
  8. 8. That's It
  9. 9. Bought A Bad Bitch
  10. 10. Rockstar Chainz
  11. 11. Lullaby
  12. 12. She Never Been To Pluto
  13. 13. Off Dat
  14. 14. I Don't Wanna Break Up
  15. 15. Bankroll
  16. 16. Moment Of Clarity

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