laut.de-Kritik

Faith No More meets Bobby McFerrin.

Review von

Die DNA von Foxygen wurzelt tief in der Historie populärer Musik. Einerseits klingt die Musik von Sam France und Jonathan Rado bisweilen radiotauglich und catchy. Gerade in Bezug auf Arrangements und Sounddesign hebt sich das Duo erfrischend vom Dudelfunk-Einheitsbrei ab. "Seeing Other People" ist das letzte Album für ihr Label Jagjaguwar, weshalb die Protagonisten in manchen Interviews schon über das Ende von Foxygen sinnieren.

Geschmack beweisen sie mit der Wahl des Taktgebers: Jim Keltner rührte schon für Größen wie den King, John Lennon oder die Stones die Kessel und beweist auch hier mit seinem stoisch-pointierten Spiel, was das Wesen eines Drummers ausmacht. Nach Ausflügen in Richtung Glam, Big Band, Motown und Synthie-Pop konzentrieren sie sich nun wieder auf die Achtziger. Den Stil-Eklektizismus behalten sie also bei.

"Work" klingt zunächst eher nach Pflichterfüllung und Trott. Als Duett konzipiert, besingen Foxygen die Monotonie und Langeweile im Zeitalter von Automatisierung. Mit an vorzivilisatorische Kommunikationsformen erinnernden Chören ("Hu, Ha") geht's schnurstracks auf die Zielgerade in Richtung Feierabend. "Mona" ist dann ein clubbiger Kopfnicker, der mehr einlullt, als aufrührt. Simple Melodik trifft auf Samplereichtum.

"News" weckt Erinnerungen an Supertramps "Fools Overture", das in der Tat in den Achtzigern als News-Trailer Verwendung fand. Ein Hauch von Mash-Up weht durch "Flag At Half Mast": Piano und Beat des Commodores/Faith No More-Evergreens "Easy" mixen Foxygen mit der Melodie zu "Don't Worry Be Happy".

Bei "The Thing Is" wandelt man intuitiv durch die E-Street mit einem American Songbook von Bruce Allmächtig unterm Arm. Im Titeltrack rinnt fluffiger Chillout aus den Boxen. Die Zeile "I think we should just be friends" im Closer "Conclusion" zementiert den möglichen Schwanengesang des Duos.

Bemerkenswert an "Seeing Other People" ist die Geschlossenheit der Songs. Der soundtechnische Detailreichtum verzückt abermals und hält zahlreiche Details bereit. Das Songwriting pendelt dabei leider stetig zwischen Genie und Tristesse. Bleibt die Hoffnung, dass wir es hier nur mit einem Übergangswerk zu tun haben und die Amerikaner ihre Karriere gemeinsam fortsetzen.

Trackliste

  1. 1. Work
  2. 2. Mona
  3. 3. Seeing Other People
  4. 4. Face The Facts
  5. 5. Livin' A Lie
  6. 6. The Thing Ii
  7. 7. News
  8. 8. Flag At Half-Mast
  9. 9. The Conclusion

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