laut.de-Kritik

Die volle Dröhnung Sommer.

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Wer glaubt, dass Pop-Punk aus den immer gleichen Powerchord-Folgen und weichgespülten Refrains besteht, kann sich auf "Brain Pain" den Gegenbeweis abholen. Four Year Strong scheren sich wie so oft nicht um den Genre-Kodex, sondern ergänzen den Highschool-Soundtrack um Post Hardcore- und Alternative-Einschläge. Was dabei herauskommt, schreit nach Sommer.

Alles beginnt mit einem Prolog, der jede Regenwolke zur Seite schiebt. "It's Cool" nimmt episch Fahrt auf, bis der Breakdown einschlägt wie eine Bombe. Wenn sich Dan O'Connor und Allan Day gegenseitig die Hooks zuwerfen, macht sich Aufbruchsstimmung breit. Mal einfühlsam, mal röhrend dirigieren die Vocals der beiden Gitarristen das wilde Tempospiel.

Bei Herzschmerz einfach zu "Get Out Of My Head" ins Auto steigen, Sonnenbrille aufsetzen und alle negativen Gefühle an die Stoßstange binden: wirkt garantiert. Diesmal groovt es auch ohne überhöhte Geschwindigkeit. Liegt vor allem daran, dass die fette Produktion den Klampfen Druck und dem Schlagzeug genügend Bumms mitgibt. Chapeau für diesen Sound!

Wie das knallig bunte Plattencover zeigt: Die vier Amerikaner nehmen das Leben leicht und sich selbst nicht zu ernst. Die Songs sind nicht für große Hallen oder den Durchbruch im Mainstream geschrieben. Dafür haften ihnen zu sehr dreckiger Punk und punktuelle heavy Time an, die sich meistens aus dem Nichts entlädt.

So sorgt die gut gelaunte Härte in "Crazy Pills", "Brain Pain" und "The Worst Part About Me" für einen brummenden Schädel. Spaß macht es trotzdem, zumal das Quartett auch anders kann. Im Hit-Format sind "Learn To Live The Lie" und "Talking To Myself Circles" für besonnene Melodien zum Niederknien zuständig: Zündstoff für jede College-Party.

Four Year Strong besitzen die seltene Fähigkeit, Blink 182-Nostalgie mit neuem Leben zu füllen. "Scatter me, pick up all the pieces, all the memories. So I can still remember being seventeen", blickt "Seventeen" schmunzelnd zurück. Dazu braucht es keinen verklärten Kitsch. Sogar die Ballade für Zwischendurch, "Be Good When I'm Gone", kommt ohne theatralische Momente aus.

"Brain Pain" hat ständig Hummeln im Hintern, überrascht mit unerwarteten Wendungen und bringt dabei Post-Hardcore-Elemente mit den Sonnenstunden des Pop-Punk in Einklang. Das sucht seinesgleichen. Wer den Sommer herbeisehnt, bekommt hier die volle Dröhnung.

Trackliste

  1. 1. It's Cool
  2. 2. Get Out Of My Head
  3. 3. Crazy Pills
  4. 4. Talking Myself In Circles
  5. 5. Learn To Love The Lie
  6. 6. Brain Pain
  7. 7. Mouth Full Of Dirt
  8. 8. Seventeen
  9. 9. Be Good When I'm Gone
  10. 10. The Worst Part About Me
  11. 11. Usefully Useless
  12. 12. Young At Heart

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2 Kommentare

  • Vor 4 Monaten

    "Die Songs sind nicht für große Hallen oder den Durchbruch im Mainstream geschrieben."
    Ironischerweise standen Four Year Strong vor zehn Jahren mit Enemy of the World an genau dieser Schwelle als die Verbindung aus Pop Punk und Metal-/Post-Hardcore mit Bands wie A Day To Remember auf ihrem Zenit war. Stattdessen wurde die Band von ihrer eigenen Anhängerschaft fallen gelassen, weil das Album drauf "kaum noch Breakdowns hatte"/"zu sehr Alternative rock ist"/"X-beliebigen Sellout-Vorwurf einfügen". (Okay, und dass die Band mit Fairweather Fan, diesem Teil der Fans den musikalischen und vor allem textlichen Stinkefinger gezeigt hat war vllt. auch nicht so deeaskalierend). Brain Pain ist also eher ein Back to the roots album.
    Die Aussage, dass Four Year Strong (ähnlich wie Set Your Goals auf ihren erstne zwei Alben) das seltene Kunststück gelingt der standard Pop-Punk-Formel etwas neues zu entlocken unterschreibe ich aber blind.