laut.de-Kritik

Weltschmerz, der zum Tanzen anregt.

Review von

"Ich sehne mich nach Gemeinschaft, aber ich habe sie noch nicht gefunden. Und ich lebe nirgends lange genug, um sie dort aufzubauen." Mit diesem Satz stellt Ezra Furman nachdrücklich klar, dass es nicht um irgendwen geht, wenn er sein Album "Perpetual Motion People" nennt. Der 28-jährige Musiker aus San Francisco widmet sein drittes Solowerk allen von der Welt zur Rastlosigkeit verdammten Menschen, wie er selbst einer ist.

Der Platte wohnt eine Energie bei, als stecke dahinter tatsächlich das personifizierte Perpetuum mobile. Das Pop-Verständnis von Furman und seiner Backing-Band The Boyfriends stützt sich dabei stets auf einen kuscheligen 60er-Jahre-Sound. Irgendwo zwischen Doo-Wop-Hommage und klassischer Rock'n'Roll-Essenz wirbelt jeder einzelne dieser 13 Songs. Den Anfang macht die Single "Restless Year", die so klingt, wie man in San Francisco wohl Vampire Weekend interpretiert: mehr Surf und Speed, weniger weltmusikalische Schnörkel.

Hier knüpft der Rest des Albums an, wirkt mal fahrig und nimmt sich dann wieder für ein paar Minuten zurück. Selbst wenn Stücke krachen, tun sie das auf eine charmante Art, wie es "Hark! To The Music" vormacht. Doch obwohl es von Rastlosigkeit handelt, bringt "Perpetual Motion People" die Rastlosen genau in den gegenteiligen Zustand: Es strahlt Ruhe aus, egal, ob Furman aufgebracht kratzt und heult ("Wobbly") oder mit Akustikgitarre besonnen Country spielt ("One Day I Will Sin No More").

Wenn das Saxofon in unpassenden Momenten dissonant dazwischen leiert: Man selbst ist immer der Sonnenbadende inmitten dieses Geschehens, der ganz ohne Anstrengung zum natürlichen Kontrast des wirbelnden Mobs wird. Ein Grund, warum es reinigend wirkt, Musik von Furman zu hören, sind seine Texte. Die gehen ihm unvergleichlich leicht über die Lippen und zeichnen pointiert die Wahrheit um "Perpetual Motion People" auf. Die Platte illustriert die zerfahrene Gefühlswelt eines Individuums, dessen Bewegung einfach nicht mit dem Takt seiner Umwelt im Einklang steht.

"If the turntable still starts / you can teach me how to waltz / and I will teach you how to feel really bad", singt er in "Hour Of Deepest Need". Man kann den Kern der Platte gern vergeblich auf irgendwelchen Metaebenen suchen: Ja, Furman ist queer. Und zumindest so gläubiger Jude, dass er am Sabbat nicht mehr auftritt. Damit verkennt man jedoch den wahren Wert dieses Albums: "Perpetual Motion People" bringt einen zum Tanzen, während man den Weltschmerz bewusst erträgt.

Trackliste

  1. 1. Restless Year
  2. 2. Lousy Connection
  3. 3. Hark! To The Music
  4. 4. Haunted Head
  5. 5. Hour Of Deepest Need
  6. 6. Wobbly
  7. 7. Ordinary Life
  8. 8. Tip Of A Match
  9. 9. Body Was Made
  10. 10. Watch You Go By
  11. 11. Pot Holes
  12. 12. Can I Sleep In Your Brain?
  13. 13. One Day I Will Sin No More

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