laut.de-Kritik

Zwischen Romantik und Romantik passt immer noch ein bisschen Romantik.

Review von

Man litt mit ihr in Soaps und Telenovelas, im Radio war man ihren Ohrwürmern ausgesetzt. Nun macht Jean "Jeanette" Biedermann allerdings einen auf Frontfrau einer deutschen Popband, die sich mit ihrem Debütalbum problemlos im deutschen Schlager etablieren kann.

Jeanette ist nun nämlich erwachsen. Sie hat geheiratet. Und um das Glück zu perfektionieren, steht Gatte Jörg Weißelberg auch beruflich ganz nah an ihrer Seite. Man müsste meinen, dass Gitarrist und Songschreiber Christian Bömkes so das dritte Rad am Wagen sei. "Während die beiden knutschend in der Ecke stehen, muss ich in der Nase bohren", kommentiert er humorvoll. Betrachtet man das Zusammenspiel der beiden Musiker mit der Frontfrau, scheint dem aber nicht so.

Dennoch wird man den Eindruck nicht los, mit dem Album einen zu großen Einblick in Jeanettes Liebesleben zu bekommen. Etwa, wenn sie Zeilen säuselt, wie "Unser Himmel Steht Still / Plötzlich Ist Liebe Ein Gefühl / Ich Hab Mich Doch Ganz Schön Erschrocken / Mein Herz Ist Wieder Aufgebrochen ...", grundsätzlich aber bei jeder kitschigen Zeile dieses Albums.

Schnulzige, seichte Popsongs sind hier jedenfalls zur Genüge vorhanden, manch einer nennt so etwas auch Romantik. Zumindest beschreibt Jeanette den Bezug des Bandnamens Ewig zu ihrer Musik als wunderbar passend, da "es romantisch ist und unsere Musik eben auch sehr romantisch ist." Das ist sie tatsächlich, nur leider auf sehr unangenehme Weise.

Textlich bewegt sich das Trio in einer minimal höheren Liga, als es Jeanette eins mit ihren englischen Songtexten tat. Authentizität klingt dennoch anders. Der einzige Grund, ihr und Ehemann Jörg die kitschigen Sätze abzunehmen ist wohl der, dass man weiß, sie singen die Songs für- und übereinander.

Hin und wieder erinnert die Musik von Ewig ein wenig an Pop-Hymmnen von Klee, versehen mit Michelle als Frontfrau, wie zum Beispiel bei "Ein Schritt Weiter". Das geht sogar fast sympathisch in die Beine, würde sich nicht noch gegen Ende Akkordeon-Klänge einmischen, die dem Ganzen wieder diesen Volksmusik-Touch verleihen.

Immerhin unterscheiden sich die zwölf Schmachtfetzen im Rhythmus, es geht von sanften Balladen ("Regen") bis zu schwungvollen Uptempo-Nummern ("Ein Schritt Weiter"). Das war es dann aber auch schon mit der Abwechslung. Jeanettes Stimme kreiert wenige Facetten, die Instrumente klingen bei fast jedem Song gleich und wirklich immer schwingt eine dramatisierte Hingabe und Leidenschaft mit, die sich nicht nur auf vielfach verwendete Substantive wie "Liebe", "Himmel"oder "Herz" zurückführen lässt.

Die Frage bleibt, wo Ewig mit ihrem Debüt hin wollen. In die deutschen Schlager-Charts? Im ZDF-Fernsehgarten sind sie wohl bestens aufgehoben. Jedenfalls ist das musikalische Werk dieser Band genauso unnötig wie einst Jeanettes Hits als Durchschnitts-Popsternchen.

Trackliste

  1. 1. Ruhe Vor Dem Sturm
  2. 2. Sieh Mich An
  3. 3. 1 Mit Dir
  4. 4. Ein Schritt Weiter
  5. 5. Leben Wir
  6. 6. Wir Sind Ewig
  7. 7. Unser Himmel
  8. 8. Jenseits Meiner Wege
  9. 9. Überall
  10. 10. Schlafende Riesen
  11. 11. Regen
  12. 12. Rauher Herbst
  13. 13. Wir sehen uns

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10 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    Ich bewundere Jeanette Biedermann wirklich. Kaum einer schafft es sich derart lange in der Musikwelt zu halten ohne auch nur den HAUCH Eigenständigkeit zu entwickeln.
    Ob Schlager, Teeniepop, Rockeinsprängsel und jetzt dieser elektroDeutsch Pop, was derzeit "in" ist wird von ihr gleich kopiert ohne auch nur im geringsten an die Vorbilder ran zu kommen.
    Erbärmliche "Künstlerin".

  • Vor 6 Jahren

    Also Schlager ist das für mich überhaupt nicht, sondern deutscher Pop. Man sollte sich die Songs erst einmal anhören bevor man urteilt und damit meine ich nicht nur sich die Hörproben anzuhören. Ich merke nichts davon, dass jemand kopiert wird. Was ist daran so schlimm deutsche Songs zu singen, ohne das gleich behauptet wird, dass andere Künstler kopiert werden? Wenn dem so wäre, dann müsste es ja genau gleich klingen wie die anderen Bands, aber davon ist nichts zu merken. Es gibt viele Bands und Künstler die deutsche Popmusik machen, also könnte man ja auch behaupten, dass einer den anderen kopiert. EWIG forever!!!