22. Juli 2013

"Rammstein hatten ihr eigenes Dixie-Klo"

Interview geführt von

Der Berliner Postbahnhof am frühen Abend. In wenigen Stunden stellen die Editors ihr Album "The Weight Of Your Love" vor. Zuvor sind sie von einem der größten Sommerfestivals in Deutschland angekommen, um nun einen kleinen, intimen Gig zu spielen - ziemliches Kontrastprogramm.Im Innenhof des Klubs, der heute nicht mal seinen großen Saal aufsperren wird, haben sich Schlagzeuger Ed Lay und Gitarrist Justin Lockey in eine der Sitznischen zum Interview nieder gelassen, während zugleich sieben Meter daneben in regelmäßigen Abständen auf den Klangkörper einer Kickdrum gehauen wird. Ein mark- und beindurchdringendes Wummern durchzuckt die Anwesenden fortlaufend, Lay und Lockey lassen sich davon aber nicht aus der Routine bringen.

"Du schaust gelangweilt aus", sagt Justin vor dem Gespräch zu Ed, der diese Feststellung nicht allzu energisch bestreitet. Ein wunderbares Setting also, um mit den beidenüber Sommerfestivals zu sprechen und darüber, wie eigentlich die Bands dort die viele freie Zeit bis zu ihrem Auftritt rumbringen, mit welchen anderen Bands sie können und mit welchen nicht - und wie die Editors ihr neues Album aufgenommen haben, das erste seit Gitarrist Chris Urbanowicz 2012 die Band verlassen hat und mit Lockey und Eliott Williams zwei neue Musiker dazustießen.

Ihr kommt gerade von einem großen Festival, um in Berlin ein verhältnismäßig kleines Konzert zu geben, bei dem ihr "The Weight Of Your Love" vorstellt. Wie muss ich mir aus Musikersicht den Unterschied vorstellen?

Justin Lockey: Weniger Regen.

Ed Lay: Viel weniger Regen.

Justin: Weniger Merchandise-Stände.

Ed: Mehr Schweiß.

Justin: Mehr Schweiß, mehr Leben. Festivals sind eine ganz andere Erfahrung: Du spielst einen Akkord, und sie lieben dich ... die Stimmung wird eine andere, wenn du versuchst Leuten rüberzubringen, was du auf der Bühne machst, die meilenweit entfernt im Feld stehen, und du siehst, wie sie dir zuwinken und jubeln. Also versuchst du eine bestimmte Person zu erwischen. So ein Festival ist ein besonderer Ort auf Erden. Du kannst mit einer Handbewegung die letzte Reihe erreichen. Es fühlt sich einfach anders an als drinnen zu spielen – besonders wenn dir der Wind direkt ins Gesicht bläst, während du spielst.

Das ist doch eher ein Nachteil, oder? Bei starkem Gegenwind werden die letzten Reihen doch gar nicht mehr erreicht.

Ed: Das kann passieren. Aber du kannst aus einer Position der Stärke heraus spielen, die du in einem geschlossenen Raum einfach nicht hast. Du beginnst vor einem spärlich gefüllten Feld, und während du spielst, merkst du, wie Leute sich umdrehen, auf deine Bühne zulaufen, dir Aufmerksamkeit schenken. Das ist ein ganz spezielles Gefühl: Wenn du jemanden auf einem Festival für dich gewinnen kannst – denn sie sind ja nicht zwangsläufig und höchstwahrscheinlich nicht wegen deiner Band hier – ist das etwas Besonderes.

Justin: Besonders während des letzten Songs, wenn du bis ans Ende des Feldes schaust, und du die alle hinter dich gebracht hast. Das ist fantastisch.

Gibt es dann Situationen, in denen ihr einzelne Leute in der Menge erblickt und beobachtet, während ihr spielt?

Ed: Manche Leute schaut man sich aus verschiedenen Gründen genauer an.

Justin: Ich habe am Wochenende einen gesehen, der hatte mindestens vier Hüte auf, verrückt.

Ed: Ja, es gibt sehr oft ziemlich verrückte Leute dort. Aber ich denke, solange sie Spaß haben, müssen wir etwas richtig machen.

Ihr erwähntet gerade, dass auf Festivals die Musik viel weiter getragen wird. Jetzt treffen wir uns gerade beim Soundcheck für ein kleines Konzert in einem geschlossenen Raum. Was macht ihr hier in der Vorbereitung anders als dort, um einen guten Sound hinzubekommen?

Ed: Einen Soundcheck machen zu können, ist einfach unbezahlbar bei den Shows. Keiner möchte auf die Bühne gehen und direkt hinein in den ersten Song, ohne vorher wenigstens etwas getestet zu haben. Es hat dann immer etwas von einem Schritt ins Unbekannte.

Justin: Das ist ein Stück weit auch aufregend.

Ed: Genau, es ist geradezu etwas, was Festivals besonders macht. Du machst etwas quasi auf gut Glück, also.

Justin: Das Unbekannte auf jede Art. Nicht immer, aber meistens ist es erst der Moment, nachdem die Kickdrum eingesetzt hat, an dem du sicher sein kannst, dass alles in Ordnung ist und gut laufen wird.

Was macht ihr, wenn ihr auf Festivals gerade nicht spielt? Trefft ihr euch mit anderen Bands oder schaut deren Konzerte an?

Ed: Wir gehen zu ihnen, und wir schauen immer sehr viele andere Bands an.

Justin: Über die Jahre triffst du viele Bands und freundest dich mit ihnen an. Du beobachtest, wie manche am Wegesrand zurückbleiben und manche sich auflösen. Aber du findest auch Acts, die dich deine ganze Karriere lang begleiten, und die du immer wieder triffst in verschiedenen Ländern und auf Festivals. Es ist gut, sie zu sehen und sehr angenehm mit ihnen zu reden.

Ed: Oh ja! Wir hatten gerade unser erstes richtiges Festivalwochenende. Dabei haben wir eine Menge Bands zum ersten Mal seit einer Ewigkeit wiedergetroffen, mit denen wir schon zehn Jahre rumhängen. Es war so schön sie zu treffen. Du musst dich dabei auch nicht um die Sachen kümmern, wegen denen wir hier sind. Sondern es ist eher so wie rumhängen und plaudern mit Freunden, was einfach wunderschön ist mit diesen großartigen liebenswerten Leuten.

Hat also etwas von einem 'Bandcamp' oder denkt ihr bei einigen auch manchmal: 'Ach, nicht die schon wieder'?

Justin: Ich gehe diesen Bands einfach aus dem Weg.

Ed: Haha, genau!

Justin: Nach dem Motto: Lass uns mal schneller hier diesen Korridor entlang gehen!

Ed: Ja, du musst niemandem irgendwelche Aufmerksamkeit geben, dem du keine Aufmerksamkeit geben möchtest.

Justin: Alle Bands auf Festivals sind auch in ihrer eigenen Welt und versuchen ihr Bestes zu geben. Also, die meiste Zeit sitzt du in der Umkleide oder machst Interviews und so was. Aber wenn du deinen eigenen Auftritt beendet hast oder andere Bands an der Bühne stehen und deinen Gig verfolgen, sagst du zu denen dann Dinge wie: 'War nett von euch vorbeizuschauen'. Und wenn ihnen deine Show gefallen hat, sagen sie dann, wie sehr ihnen dein Auftritt gefallen hat, und du antwortest dann im Stile dieser vier Mancunians: 'Danke, eurer war beschissen!'. (lacht)

Mit welchen Bands hattet ihr denn in den vergangenen Tagen viel Kontakt?

Ed: Wir haben unser Debüt im gleichen Jahr veröffentlicht wie Bloc Party, wir machen den Zirkus mit ihnen gemeinsam seit inzwischen zehn Jahren mit. Und wir hatten auch immer ähnliche Zyklen von Albenveröffentlichungen und Touren. Deswegen waren sie immer da.

Justin: Auf dem Festival jetzt? Frigthened Rabbit.

Ed: Ja, Frightened Rabbit, The Maccabees. Es sind meist Bands aus Großbritannien, weil wir auch gemeinsam in der Musikszene aufgewachsen und Freunde geworden sind. Manchmal sind auch amerikanische Bands darunter, die wir später auf Tour getroffen haben Das ist cool, 'Bandcamp' ist nicht das richtige Wort, aber es herrscht eine gute Atmosphäre zwischen allen auf den Festivals, vor allem zu Beginn der Saison, wenn du noch nicht soviel gemacht hast und sich alles noch frisch anfühlt.

Und worüber redet man da? Über den Job? Oder einfach alles, von Politik bis zu persönlichen Gefühlen und Problemen?

Ed: So in etwa. Dieses Mal habe ich sehr viel über den Job geredet. Vor kurzem hat der Drummer von Bloc Party die Band verlassen. Sie machen jetzt ziemlich beschissene, drastische Veränderungen durch. Und da ist es gut, mit Leuten zu reden, die etwas Ähnliches durchgemacht haben. Das ist hilfreich. Besonders mit dieser Band: Sie haben am Wochenende so großartig gespielt, und sie haben einen gewaltigen Druck, der gerade zum Ende ihrer Kampagne für das aktuelle Album gekommen ist. Da fragt man sich, ob und wie es in Zukunft weitergehen soll.

Justin: Sie haben es echt krachen lassen.

Ed: Es war absolut überwältigend und ich hoffe, es schweißt sie zusammen und lässt sie etwas positiver an die Zukunft schauen.

Erteilt man da Ratschläge, wie man über eine solche Krise hinwegkommt? Schließlich habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht, als euer Gitarrist und Keyboarder Chris die Band im vergangenen Jahr verlassen hat.

Ed: Nicht unbedingt Ratschläge, sondern einfach nur schauen, wie es ihnen geht und ihnen das Beste wünschen. Ich denke, das ist etwas, das man ihnen geben kann, und es hilft ein wenig.

"Wir hatten mal einen Helikopter ..."


Wie schwierig war es, zwei neue Leute in die Band zu integrieren?

Ed: Es war die einfachste Sache der Welt. Man muss das auch alles in den Kontext setzen: Unsere Band war in völliger Unordnung, und da kamen dann zwei Leute, die so dachten wie wir. Sie haben sich ihre Gedanken gemacht und hatten Ideen und waren bereit, diese Ideen umzusetzen und zu teilen. Sie haben sich nicht einfach zurückgelehnt und darauf gewartet, dass wir ihnen sagen, was sie zu tun haben. Sie sind in die Band gekommen, weil sie gute Musiker sind und nicht weil sie Ja-Sager sind. Wir haben das gebraucht, wir haben Leute gebraucht, die zu uns kommen und sagen: 'Ich mag diesen Part nicht, ich will das nicht spielen, das klingt nicht nach mir!' Es gab nicht viele Unstimmigkeiten dieser Art, wir haben sehr gut miteinander geredet und uns aufeinander eingestellt. Wir hatten richtig Glück, Musiker zu finden, die wir schon gut kannten. Das hat es leicht gemacht.

Nach dem Southside haben Frightened Rabbitt ein Bild veröffentlicht, auf dem zwei Dixie-Klos backstage zu sehen waren. Eines für alle Bands, das andere für 'Rammstein only'. Habt ihr das gesehen?

Justin: Oh ja, das hab ich gesehen. Da standen zwei dieser mobilen Toilettenboxen gleich hinter der Bühne und jemand hat auf eine der beiden einen Zettel mit 'Rammstein only' gehängt.

Ed: Oh, sehr schön!

Justin: Wir hatten das auch. Moment: Nein!

Ed: Nein, wir haben nie so etwas, solche Extrawürste. Das Schlimmste ist dabei, dein eigenes Orchester bei dir zu haben.

Justin: Du würdest es auch nie 'mein eigenes' nennen?

Ed: Nein.

Justin: Supergrass hatten mal einen Helikopter. Aber gut, wir hatten auch mal einen.

Ed: Stimmt, wir hatten mal einen Helikopter. Das war echt toll.

Justin: Ein bisschen verschwenderisch, oder?

Ed: Ja, das war es. Aber was willst du machen, wenn du für zwei Konzerte an einem Tag gebucht bist. Jetzt auf dem Southside zum Beispiel hatten Kasabian ihr eigenes Soundsystem in ihren Ankleideraum aufgestellt. Es war so was von laut. Ich meine, du bist da in einem zusammenhängenden Komplex, wo du quasi nur so einzelne, abgetrennte Abteile hast, aber …

Justin: Es ist wie ein Großraumbüro.

Ed: Du kannst dich nicht von den anderen separieren. Wenn also jemand eine gute Zeit dort genießt, dann haben alle eine gute Zeit.

Justin: Oder eine richtig schlechte Zeit. Irgendwann ist es vielleicht doch etwas zuviel. Aber die Arctic Monkeys hatten fast den ganzen Sonntag Al Green an, und das war richtig gut.

Ed: Ja, das war sehr schön.

Justin: Es war sehr entspannt.

Habt ihr denn spezielle Routinen oder Vorgehensweisen, die ihr immer so ausführt vor Auftritten und ohne die ihr nicht spielen könnt und wollt, sei es auf Festivals oder bei Konzerten?

Justin: Ich trinke Rotwein und ich halte den Soundcheck ab.

Ed: Ich habe niemals solchen Aberglauben verfolgt.

Justin: Dann probier es doch mal damit: Vor dem Auftritt neun Mal im Kreis laufen und dann wieder neun Mal in die andere Richtung (lacht).

Ed: Ja, das ergibt Sinn. Nein, also ich hatte da nie irgendwelche Sachen, die ich immer quasi routinemäßig gemacht habe.

Justin: Ganz sicher?

Ed: Nein, nicht ein Mal … nein, wirklich nichts. Es kümmert mich eben nicht. Die Sache bei einem Festival ist, dass man manchmal extrem lange warten muss auf seinen Auftritt, obwohl du nur rausgehen willst und spielen. Es ist ja ganz schön, etwas weiter oben in der Liste zu stehen, aber das heißt auch, dass du eine lange Zeit einfach nur rumstehst. Manchmal ist es dann so gegen 17 Uhr am Nachmittag und du denkst dir: 'Mein Gott, ich möchte jetzt einfach auf die Bühne gehen und das tun, wofür ich hier bin".

Ihr hattet euer erstes Festivalwochenende in Deutschland eine Woche bevor euer neues Album "The Weight Of Your Love" veröffentlicht wurde. Wie war denn die Reaktion der Fans und des Publikums auf die neuen Songs, die sie ja zum größten Teil noch gar nicht kannten?

Ed: Wir haben beim Southside fünf Songs vom neuen Album gespielt.

Justin: Und es war großartig.

Ed: Ja, es war fantastisch. Es war offensichtlich ein Test für unser Songwriting, und ob es unsere Fans fesselt. Und sie haben die neuen Songs verstanden, haben sie sofort verstanden. Es war ein echtes Vergnügen die neuen Songs zu spielen.

Wart ihr ein wenig angespannt, bevor ihr die neuen Songs gespielt habt? Es hat ja etwas von einem neugeborenen Kind, das man der Welt präsentiert. Da kann man schon mal nervös werden ...

Justin: Du weißt vorher nie, was am Ende rauskommt. Du kannst darüber keine Vermutungen anstellen, du musst es einfach machen. Du kannst hier rumsitzen, nervös sein, oder du steckst diese Energie einfach darin, so gut wie nur möglich zu spielen, deine Talente in die Songs zu packen. Es ist besser sein Bestes zu geben, damit die Songs am besten passen.

"Wir wollten alles so machen, dass man gleich auf die Bühne kann"


Bevor ihr mit der Arbeit am neuen Album begonnen habt: Was waren Dinge, die ihr anders machen wolltet?

Ed: Wir haben uns nicht wirklich zusammengesetzt und sowas besprochen. Wir waren auf Festivals unterwegs, und hatten massive Veränderungen durchgemacht, weil Chris die Band verließ und zwei neue Leute kamen. Zunächst ging es einfach darum, weiterzubestehen und sie zu integrieren. Es war ja fix ausgemacht, zu touren und bei einige Festivals zu spielen. Wir haben dann festgestellt, dass es am Besten funktioniert, wenn wir im Kollektiv spielen und proben. Wir waren so gut gelaunt, sehr produktiv und haben schnell neue Sachen gemacht. Es war so: 'Oh, wir haben den Song, wir versuchen mal den Song', weil es sich einfach toll anhörte.

Es gab da keine spezielle Linie, der wir folgten. Und ich denke, das hört man auch, es ist ein sehr vielfältiges Album. "A Ton Of Love" ist die Single, und dann wäre es natürlich leicht zu denken, der Rest des Albums klingt genauso. Aber nein, es gibt keinen weiteren Song wie diesen. Es gibt sicher Leute, die das nicht mögen und auch nicht, wie sich das Album entwickelt, das ist auch völlig in Ordnung. Aber für mich hat der Verlauf des Albums ein gutes Tempo. Alles fühlt sich gut ausbalanciert und sinnvoll aufeinander abgestimmt an. Niemand muss dasselbe denken, es ist schließlich Musik, niemand muss das gleiche mögen.

Justin: Ich denke, was dir in den Kopf kommt, solltest du einfach machen. Du spürst, wenn es sich richtig anfühlt, dann ist es soweit. Dann gehst du ins Studio und bläst es weg und möchtest diesen Sound dann auch live haben und sogar noch etwas gewaltiger, ihn auf der Bühne auf ein anderes Level heben. Ich denke, je mehr du versuchst, so etwas zu kalkulieren, desto schlechter wird das Ergebnis. Also wenn du rangehst und sagst, ich mach dieses und jenes, und so muss es dann am Ende werden, das geht nur selten gut.

Habt ihr dennoch spezielle Aufnahme- oder Spieltechniken verwendet?

Ed: Als es um die Aufnahmen ging, sind wir alle so rangegangen, dass wir starke Drums haben wollten, ausladende Gitarrren und der Bass sollte …

Justin: ... schonungslos sein.

Ed: Yeah, so wie Justin auch live spielt. Wir wollten alles so machen, dass man damit gleich auf die Bühne gehen kann.

Justin: Direkt.

Ed: Ja, es ist direkt. Als wir an die Aufnahmen gingen, wussten wir schon, was wir wollten. Aber nicht, als wir die Songs geschrieben haben.

Es gab also kein Konzept? Eine Songfolge oder so?

Justin: Wenn du anfängst, an einer Reihe von Songs zu arbeiten, die ein Album bilden sollen, dann passieren nebenher eine Menge Dinge mit diesen Liedern, weswegen du sagen kannst, dass sie zu einem Album gehören. Einige der Songs klingen gar nicht so, als ob sie vom gleichen Album wären, du kannst einfach nur sagen, dass sie von der gleichen Platte sind. Das kommt auch von der Art, wie die Lieder aufeinander folgen. Es ist ungefähr so: Niemand denkt über ein großartiges Konzept nach, wir haben natürlich ein paar Erfahrungswerte, die uns helfen, den Weg zu finden. Aber alles entsteht einfach in unserem Probenraum und beim gemeinsamen Spiel. Gitarristen haben ihren Sound, Drummer haben ihre Art zu spielen. So funktioniert das.

Wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet und gab es dabei Lieder, die euch besonderes Kopfzerbrechen bereitet haben?

Ed: Ja, es gibt immer Songs, an die du schwieriger herankommst. Entweder weil du dir nicht sicher bist, ob du den richtigen Punkt getroffen hast, oder du zwar weißt, dass der Song passt, der Sound aber einfach noch nicht stimmt. Es gibt immer ein Lied, das man erst im Studio zusammenbekommt. Der erste Song des Albums, "The Weight", schwirrte schon eine Zeit lang, aber wir haben ihn erst mal nicht angefasst, als wir ins Studio gegangen sind. Nein, wir wussten, dass es gut ist, noch ein besonderes Stück in Reserve zu haben, dass wir es besser später im Studio fertigmachen, wenn wir in einer anderen Stimmung sind als beim Songschreiben und Proben zuhause. Nach dem Motto: Wir werden es an einem anderen Ort besser hinkriegen. Und so kam es: Das Stück war innerhalb eines Tages im Kasten. Also, man kann nie wissen, wies läuft. Es ist immer auch etwas riskant, das so anzugehen, aber es macht auch Spaß.

Das Album macht nicht auf der textlichen Ebene, sondern auch auf der musikalischen einen komplexen Eindruck. Was war die Herausforderung? Die vielen Instrumente, Spuren und kleinen Effekte zusammenzuhalten, ohne dabei den Faden zu verlieren?

Justin: Wir haben sehr viel gespielt, ein Jahr mit Proben verbracht, und wir haben versucht, so viel vom Album wie möglich, live einzuspielen. Also abgesehen von den Streichern, denn du kannst ja nicht überallhin ein Orchester mitnehmen. Die Idee war, ganz klar und einfach zu sein. Wir brauchen nicht 17.000 Spuren übereinander legen, tatsächlich hat alles in einem Raum stattgefunden. Wir haben alle gleichzeitig gespielt während der Aufnahmen, alle im gleichen Raum, was heutzutage recht selten ist. Nur wenige Bands sind dazu überhaupt in der Lage. Nicht viele Bands sind musikalisch so auf einem Level, dass sie alle im gleichen Raum spielen und aufnehmen können. Sie haben es lieber, die einzelnen Teile getrennt voneinander einzuspielen. Aber bei uns ist fast alles am gleichen Ort und zeitgleich passiert.

Welche Reaktionen erwartet ihr auf das neue Album von der Öffentlichkeit und euren Fans?

Ed: Die meisten Journalisten, mit denen ich geredet habe, waren sehr angetan davon, und das war wirklich was Neues. Du kannst es nie wissen, aber gut, ich mag es, ich höre es gern und ich fühle, dass ich als Musiker fähiger bin als auf jedem der Alben davor. Das finde ich einen guten Stil.

Justin: Musik ist eine sehr individuelle Sache, wir haben alle verschiedene Geschmäcker, und Fans werden sich die Frage stellen, ob sie die neuen Aufnahmen mögen. Manche von ihnen werden sie vielleicht auch hassen und nicht damit zurechtkommen. Alles, was wir machen können, ist es, die Songs so gut wie nur möglich, live zu präsentieren, was wir glaube ich ganz gut hinbekommen. Und wenn sie sehen, wie wir das machen, wie wir das gut machen, werden sie vielleicht auch diesen Weg mitgehen.

Besonders die neuen, etwas ruhigeren Lieder auf dem Album, die im Gegensatz zu den sehr aufwändig produzierten stehen, schaffen eine Vielzahl wirklich intimer Momente. Aber weißt du, es gibt so viele Bands und Künstler, und so viele Videos und Platten werden Tag für Tag und Woche für Woche veröffentlicht, ich hoffe einfach, dass man uns eine faire Chance gibt und mal reinhört, und dass die Hörer dann etwas Schönes darin finden.

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