laut.de-Kritik

Zeitgenössischer Polka-Rock aus Bayern.

Review von

Hört mir zu. Da gibt es einen Slowaken, der ist nach Bayern gezogen, okay? Und der hat eine Band, die besteht aus Kontrabass, Geige, Schlagzeug und Keyboard und damit machen die dann so Polka-Mundart-Jazz-Rock, okay? Dabei singt der Slowake auch noch im tiefsten Bayrisch, okay? Klingt sehr, sehr wirr, ich weiß. Funktioniert aber exzellent im Fall von Django 3000. Die liefern nun seit Jahren zuverlässig tanzbare Alben in ihrem ganz eigenen Stil ab und begeben sich mit diesen auf Tour durch die gesamte Bundesrepublik.

Mit dem nun vorliegenden fünften Studioalbum, "Django 4000", soll alles "ein bisserl erwachsener, vielleicht auch reflektierter" sein, so Geiger Florian Starflinger. Eben die Weiterentwicklung von Django 3000 hin zu 4000. Der Fokus verschiebt sich von atemlosen Polka-Party-Songs wie "Bonaparty" auf ruhigere Stücke wie "Heimat". Dort singt Sänger Kamil Müller, Exil-Slowake mit Heimat im tiefsten Bayern, darüber, wo zuhause ist. Das ist für ihn "wo die Freind san". Dazu betten ihn seine Kollegen in ein beinahe melodramatisches Streicherbett und schrammen dabei nur knapp am Kitsch vorbei.

Ansonsten klingt "Django 4000" so zeitgenössisch wie kein anderes Album der Band zuvor. Nur "Gold Digger" verwendet immer noch den vorwärts preschenden, infektiösen, leicht morbiden Festival-Polka der Django 3000 zu einem landesweit bekannten Party-Act gemacht hat. Ansonsten liefert "Magnet" Powerrock im Stile Kettcars, "Vodoo" und "Meine Asche" pathosgeschwängerten Poprock und "Häd Ois Do (feat. Keller Steff)" eine unterhaltsame Mischung aus angeswingtem Pop und mitsingbarem (nur für Bayern!), alles umarmendem Rock-Refrain.

Mal klappt das ziemlich gut, wie bei "Vodoo". Zum einen singt Müller hier auf Hochdeutsch, wodurch sein wirklich interessanter Text hier gut verständlich ist. Mehr als drei Minuten schaut er auf eine scheiternde Beziehung und fordert doch nur "Zeige mir/ Dass du/ Dass du/ Lieben kannst". Dazu sticht Starflingers Geige immer wieder in den Vordergrund und spielt vor allem im Refrain eine schöne Zweitstimme. Die Strophen hingegen werden von einem synkopischen Schlagzeug dominiert, wodurch Müller die Chance hat, seinen Text mehr in den Fokus zu rücken. Die musikalische Untermalung rundet ein glockenspielartiges Keyboard ab.

Der Closer "Meine Asche" hingegen stürzt sich kopfüber in den Pathos. Die Geige im Intro scheint Flügel zu besitzen, der Chor singt "Ohohohoh" und das Keyboard erinnert unangenehm an Giesinger und Co. Zwar in deren besseren Momenten, es kriecht mir dennoch eiskalt den Rücken hoch. Auch textlich ist das eine Tante Emma-Postkarte: "Die Wege trennen sich/ Die Herzen schmerzen". Autsch. Einen solch enttäuschenden Closer hat sich "Django 4000" wahrlich nicht verdient, ist es doch zuvor ein grundsolides Album, das zwischen stärkeren ("Magnet", "Heimat", "Häd Ois Do (feat. Keller Steff)") und schwächeren ("Gypsy Queen", "Dirty Scum") Songs changiert. Dabei präsentieren sich Django 3000 als "a bisserl erwachsener, vielleicht auch reflektierter" als zuvor, ohne ihre Tanzbarkeit und Eigenständigkeit zu verlieren.

Trackliste

  1. 1. Menschen Von Morgen
  2. 2. Magnet
  3. 3. Heimat
  4. 4. Dirty Scum
  5. 5. Gypsy Queen
  6. 6. Vodoo
  7. 7. Häd Ois Do (feat. Keller Steff)
  8. 8. Gold Digger
  9. 9. Wo Bist Du
  10. 10. Meine Asche
  11. 11. Heimat (Cinematic)

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