8. Mai 2018

"Niemand opferte so viel wie wir"

Interview geführt von

Acht Jahre ließen sich Dimmu Borgir für den Nachfolger des Erfolgsalbums "Abrahadabra" Zeit – jetzt steht "Eonian" für Hass und Liebe aus dem Fanlager bereit. Beides wird es geben, dessen sind sich die Bandköpfe Shagrath und Silenoz bewusst; im Interview aber könnten sie gelassener kaum sein.

Spätestens die auf "Forces Of The Northern Night" gebannten Mega-Shows mit Orchester demonstrierten, welchen Status sich Dimmu Borgir sich über die Jahrzehnte hinweg erspielt haben. Viel erfolgreicher und reichweitenstärker geht es im Black Metal wohl nicht mehr.

Auch wenn unklar ist, ob das sinfonische Theater der Norweger überhaupt noch zur Szene gehört, fühlen sich Shagrath und Silenoz dieser immer noch zugehörig und bezeichnen ihr neues Album "Eonian" gar als Hommage an die Historie des skandalträchtigen Genres. Auch damit dürften sie wohl den ein oder anderen 'Defender Of The (Black) Faith' vor den Kopf stoßen – in ihrer Rolle als weiße Wölfe inmitten einer schwarzen Horde fühlen sich Shagrath und Silenoz eben sehr, sehr wohl...

"Eonian" ist wahrscheinlich das am sehnlichsten erwartete Extreme Metal-Album des Jahres. Wie fühlt sich das für euch an?

Shagrath: Ich verspürte schon einen gewissen Druck ab dem Zeitpunkt, als wir beschlossen, das Album ernsthaft in Angriff zu nehmen. Es ist immer etwas nervenaufreibend, wenn du mit einem weißen Blatt Papier startest. Wo bewegst du dich hiervon hin? Natürlich hat man im Hinterkopf, dass man schon einen Haufen Alben vorher zustande gebracht hat. Man muss lernen, sich von diesem Druck zu distanzieren und an sich selbst zu glauben. Der Glaube an das, was man tut, ist sehr wichtig, wenn du eine Band auf diesem Niveau betreibst. (Silenoz stimmt zu) Du kannst nicht jeden zufriedenstellen. Die einen schreien, die bevorzugen diese Ära der Band, andere schreien nach jener... Es muss von Herzen kommen und echt sein. Um das zu erreichen, musst du die Welt auszusperren, dich in deine eigene Blase zu begeben und zu versuchen, das Beste zu schaffen, was du kannst. Für mich ist das der einzige Weg.

Silenoz: Es gibt keinen anderen Weg. Die Zeit vergeht anders für uns als für den wartenden Fan. Seit dem Vorgänger sind acht Jahre vergangen, aber das heißt ja nicht, dass wir nicht an Musik gearbeitet haben. Wir haben uns rar gemacht, uns in unsere kreative Blase zurückgezogen. Ein Album wie dieses braucht einfach Zeit, sonst wird es ein Fehlschlag. Klar ist es blöd, wenn es so lang dauert, aber so ist es nunmal. Wenn du etwas perfektionieren möchtest, musst du es ein Eigenleben entwickeln lassen.

Die Aufnahmen fanden bereits vor einem Jahr statt. Ursprünglich wolltet ihr das fertige Album bereits im Herbst 2017 veröffentlichen. Warum die neuerliche Verzögerung?

Shagrath: Wir haben nicht mehr so viele Leute um die Band herum. Mit weniger Leuten dauert das natürlich alles etwas länger. Wir warteten auf einige Dinge, Nuclear Blast suchte nach einem geeigneten Release-Datum, das Cover-Design dauerte seine Zeit, die neuen Bühnenklamotten wurden handgefertigt...

Silenoz: Dazu kam noch die DVD "Forces Of The Northern Night". Wir wollten das Album nicht in zu kurzem Abstand danach veröffentlichen. Drama gabs keins. Wir wollten einfach nichts überstürzen. Wenn du den Anruf kriegst, dass alles noch einen Monat länger dauert, ist das halt so.

Auf einen Monat mehr oder weniger kommt es bei der jahrelangen Wartezeit seit "Abrahadabra" ohnehin nicht an.

Shagrath: Eben. Außerdem wollten wir Fehler der Vergangenheit vermeiden. Wenn alles immer eilig ist, du für dies und das fertig sein musst, gehst du automatisch Kompromisse mit deiner Kunst ein. Diesmal wählten wir unser eigenes Tempo und achteten auf unsere Schritte.

Silenoz: Wir treffen die Entscheidungen, weißt du? Und wir wissen, wenn wir es unbeeinflusst von der Außenwelt durchziehen, wird das Endprodukt gut.

Als netter Nebeneffekt koinzidiert das Album heuer mit eurem 25-jährigen Bandjubiläum. Hat euch das in den letzten Schritten beeinflusst – zu wissen, dass es 2018 erscheinen wird? Wolltet ihr es dementsprechend gestalten?

Shagrath: Wir haben ein Feierjahr vor uns. Und ich glaube, taucht man in die Musik des Albums ein, findet man viele Elemente aus der Historie der Band. Es läuft zum Beispiel ein roter Faden durch unsere Geschichte, wie wir Sounds aufnehmen und wir wir Keyboards einsetzen. Auf gewisse Weise ist es eine Celebration-Platte anlässlich der 25 Jahre. Das hört man der ersten Single ("Interdimensional Summit"; Anm.d.Red.) nicht an, aber sie repräsentiert auch nicht das gesamte Album. Das ist nur ein Puzzlestück.

Silenoz: Man benötigt alle Puzzleteile, um das ganze Bild zu verstehen.

Was denkt ihr heute, wenn ihr auf die Vergangenheit zurückblickt? Und was würden eure jüngeren Ichs darüber denken, wo ihr heute steht?

Silenoz: Ich hätte früher mit Work-Outs anfangen sollen. (lacht) Gute Frage, denn du kannst die Zukunft ja nie wirklich vorhersagen. Wir waren sehr jung, als wir die Band starteten...

Shagrath: Wir hatten nicht so große Ambitionen, als wir anfingen.

Silenoz: Ja, das kam erst auf dem Weg.

Shagrath: Wir hatten Höhen und Tiefen, aber insgesamt ist unsere Geschichte etwas, worauf man extrem stolz sein kann. Ich bin es jedenfalls. Wir waren lange Norwegens am härtesten schuftende Band. Jetzt nicht mehr, schätze ich – zumindest im Vergleich –, aber wir waren es wenigstens mal! Und wir waren immer eine Band, die getan hat, was sie wollte. Wir waren immer die Rebellen innerhalb der Rebellengemeinschaft. Auch darauf können wir stolz sein.

Silenoz: Gibt es Regeln, kannst du dir sicher sein, dass wir sie brechen.

Gerade weil ihr letztlich aus den "Regeln" eurer Szene ausbrecht, sieht euch so mancher als Mainstream-Mitläufer.

Shagrath: Paradox, nicht wahr? Wir schreiben unsere eigenen Regeln. Inzwischen sind wir gewohnt, für dies und das angeprangert zu werden – solche Stimmen begleiten uns seit den Anfangstagen. Schon beim ersten Album beschimpften uns einige als Sellouts, weil wir Keyboards verwendeten. Doch wie gesagt: Ich bin wahnsinnig stolz auf unseren Werdegang. Und mir fällt keine niemand sonst ein, der so viel für eine Band geopfert hat, wie Silenoz und ich. Auch das macht mich heute stolz.

Was habt ihr geopfert?

Silenoz: Was für andere, "normale" Menschen selbstverständlich ist. Selbst eine Familie zu haben, ist schwierig für uns. Unsere Priorität war immer die Band. Daneben ein Familienleben zu führen ist kompliziert, denn als Künstler bzw. Musiker lebst du in deiner eigenen Welt – ganz besonders, wenn du kreativ gestimmt bist. Zeit existiert dann nicht. Vier Stunden, die wir an Musik arbeiten, kommen anderen vielleicht vor wie drei Wochen.

Shagrath: Ich will gar niemanden schlecht reden, aber hier ein Beispiel: Manche bevorzugen, den Sonntagabend mit ihrer Freundin im Kino zu verbringen. Wir treffen uns lieber zum Proben und schreiben stattdessen einen Song. Das ist der Unterschied. Ich meine das keineswegs abwertend, es ist einfach unterschiedliche Prioritätensetzung.

"Jemand verglich uns mit The Sisters Of Mercy"

Ihr sagt über "Eonian", dass es nicht nur eine Hommage an eure Geschichte, sondern auch an die des norwegischen Black Metal insgesamt ist. Seid ihr zufrieden damit, wie sich die Szene über die Jahrzehnte hinweg entwickelt hat?

Shagrath: Wir sind glaube ich beide etwas oldschool drauf, wenn es um Black Metal geht und darum, welche Bands wir hören. Die nächste Generation hat ihren eigenen Dreh. Ich möchte niemanden beurteilen. Wir machen einfach, was sich richtig für uns anfühlt. Wir wollten immer anders klingen als die Bands, die wir selbst hörten. Wir waren nie Trittbrettfahrer. Dass wir nie versuchten, wie unsere Lieblingsbands zu klingen, ist einer der Gründe, warum unsere Band Aufmerksamkeit bekam.

Silenoz: Wir lassen uns von ihren Alben inspirieren und suchen dann unseren eigenen Ausdruck.

Wie seht ihr euren Platz in der Szene – verglichen mit zum Beispiel Mayhem, die sich zwar auch von ihrem Ursprungssound entfernten, aber zumindest "in line" blieben?

Silenoz: Mayhem sind offensichtlich primitiver. Sie haben ihren Signature-Sound, auch wenn sie natürlich nicht mehr klingen wie in 1987. Trotz all der Besetzungswechsel hörst du sofort, dass es Mayhem sind.

Shagrath: Ich erinnere mich aber gut daran, dass sie eine Menge Scheiße einstecken mussten, als sie "Grand Declaration Of War" veröffentlichten. Das Album finde ich Oberhammer! Denn sie bewiesen Wagemut. Sowas finde ich aufregend. Klar arbeiten sie in ihrem Grenzbereich, aber innerhalb dessen streben sie nach neuen Levels. Ich schätze Bands, die etwas riskieren. Ist doch langweilig, wenn eine Band sich ständig wiederholt, um die Fans nicht zu enttäuschen. Du musst dich weiterentwickeln!

Apropos Weiterentwicklung: Nicht jeder mag die eure.

(Beide lachen)

Auf YouTube kommentierte jemand "Interdimensional Summit" wie folgt: "Setzt Floor Jansen da rein, statt Shagrath, und wir haben einen neuen Nightwish-Song." Fasst ihr sowas als Kompliment oder Beleidigung auf?

Silenoz: Ich fand einen Kommentar, der uns mit The Sisters Of Mercy verglich. Das ist eher ein Kompliment. (lacht)

Shagrath: Das Ding mit Nightwish ist: Ich besitze kein Album von ihnen. Ich kann mir nicht einmal einen Vergleich anmaßen, weil ich einfach kein Nightwish höre. Aber hey, Nightwish sind eine große Band oder nicht?

Ja und auch definitiv keine, deren Musik man pauschal als Mist kategorisieren kann. Geschmackssache, klar, aber gut komponiert allemal.

Shagrath: "Interdimensional Summit" ist ja auch nur die erste Single. Es ist ein sehr melodischer Song und – meiner Meinung nach – sehr gut geschrieben und sehr gut arrangiert. Er ist kraftvoll, majestätisch. Ich bin stolz drauf. Trotzdem: Die anderen Stücke sind anders.

Silenoz: Da sind wir wieder beim Puzzle. "Interdimensional Summit" ist nur ein Teil dessen, was wir tun. Wie dieser stehen auch die anderen Tracks auf eigenen Beinen.

Shagrath: Wir lesen nicht viele Kommentare. Du weißt ja, wie die Welt heutzutage ist. Die Leute haben keinen Respekt mehr vor Musik, sie reden einfach Müll. Mir erzählt das vor allem etwas darüber, wie die Leute aufwachsen. Du wurdest wohl nicht gut erzogen, wenn du im Internet Scheiße reden musst. Jeder darf seine eigene Meinung vertreten – aber behaltet sie für euch. Habt ein bisschen Respekt. Es bringt mich ehrlich gesagt etwas in Verlegenheit, Teil einer Szene zu sein, die so engstirnig ist.

Silenoz: Nur weil jemand den Song nicht mag, heißt das ja nicht, dass der Song schlecht ist. Er hat einfach andere Präferenzen. Guckt man sich die Statistiken in den Sozialen Medien und YouTube etc. an, fallen die Reaktionen glaube ich zu 99 Prozent positiv aus. Nur natürlich kriegen erstmal die die Aufmerksamkeit, die zu Beginn am lautesten schreien – die sogenannten 'Snowflakes', haha. Aber sobald der Frost einsetzt, die Leute das ganze Album hören und unter seine Schichten kommen, werden sie wahrscheinlich eine ganz andere Meinung vertreten. Zumindest die echten Fans der Band. Wir können nunmal nicht jeden zufriedenstellen. Es ist gut, wenn die Leute über das Album reden.

Shagrath: Sie begannen ja schon zwei Minuten nach Upload des Videos Mist zu haten. Dabei dauert es fünf Minuten, das Video anzuschauen.

Silenoz: (lacht) Gegen solche Leute kannst du nicht gewinnen.

Das war ja abzusehen. Man konnte ahnen, dass ihr die sinfonische Richtung beibehaltet und wer darauf nicht steht, hatte sieben Jahre lang Zeit, seinen Hass darauf für den Moment des Single-Releases anzustauen.

Silenoz: Sowieso. Die Meinung stand schon fest, bevor sie den Song gehört haben.

Shargrath: Wir drehten übrigens ganz bewusst ein Performance-Video, um zu zeigen: Die Band ist zurück! Wir wollten einen Clip, in dem man die Band sieht.

Gut, dass du das ansprichst. Sowohl im Video als auch in den offiziellen neuen Bandfotos ist diesmal nicht nur der harte Kern Dimmu Borgirs zu sehen, sondern auch die Livemitglieder. Das war bei "Abrahadabra" noch anders. Warum habt ihr sie nun mit dazu geholt?

Silenoz: Sie haben sich sozusagen ihre Sporen verdient, waren loyal. Das ist das am längsten stabile Line-Up in der Bandgeschichte. Sie verdienen das Rampenlicht. Beim Vorgängeralbum war es uns wichtig, der Öffentlichkeit zu zeigen, wer der kreative Kern ist – nämlich wir drei (Shagrath, Silenoz und Galder; Anm.d.Red.). Das sind wir immer noch. Aber das neue Album würde nicht klingen wie es klingt ohne den Einfluss der anderen.

Shagrath: Ja, sie haben definitiv ihren Stempel aufgedrückt, auch wenn die Hauptsongwriter nach wie vor wir drei sind. Letztlich ist es doch wie bei jedem anderen Job: Wenn du neu anfängst, musst du erstmal Kaffee holen. Von dort arbeitest du dich hoch. Du musst dich beweisen.

Silenoz: Richtig. Und sie haben sich definitiv bewiesen – in jeglicher Hinsicht. Deswegen ist es Zeit für uns, sie in die visuellen Aspekte zu integrieren.

"Gandalf in Jeans ergäbe keinen Sinn"

Zurück zu den Puzzleteilen: "Council Of Wolves And Snakes" unterscheidet sich frappierend von "Interdimensional Summit" und ist generell ungewöhnlich für euch, finde ich – mit den Schamanenvocals, der Percussion...

Shagrath: Ja, hier erkunden Dimmu Borgir musikalisch definitiv Neuland. Es begann mit einigen groben Skizzen, von dort bauten wir das Stück dann weiter auf zu etwas, das auf jeden Fall anders klingt. Und das Wort ‚anders‘ gefällt mir. Es bedeutet künstlerische Freiheit.

Silenoz: Der Song umfasst viele verschiedene Stimmungen. Es gibt aggressive Parts, dann die eher okkulten Parts und den wunderschönen Mittelteil. Hier steckt viel drin, was die Band ausmacht, aber eben in einen Song kompiliert, der entgegen die Erwartungen der Leute stößt.

Zwei Gäste trugen zum Stück bei...

Silenoz: Ja, Martin Lopez (ex-Opeth, Anm.d.Red.), der ein bisschen Percussion spielte, und Mikkel Gaup, ein bekannter norwegischer Schauspieler. Letzteren hörst du übrigens auch schon auf "Abrahadabra" mit etwas Kehlkopfgesang.

Textlich hält ein Konzept von Zeit das Album zusammen. Inspirierte euch auch hier schamanische Kultur?

Silenoz: Auf jeden Fall. Wenn du einmal den Schamanentanz praktizierst, wirst du feststellen, dass Zeit nicht mehr so existiert, wie wir es aus unserer Realität kennen. Das bietet viel Interpretationsspielraum. Darum geht es uns in den Lyrics. Wir wollen nicht zu irgendeinem Schluss kommen, sondern möchten, dass die Hörer ihre Vorstellungskraft bemühen. Sie sollen nachdenken und sich ihre eigene Idee davon formen, worum es geht. Mal sehen, ob die Leute drauf anspringen, haha.

Gab es diesmal Haupteinflüsse? Beim letzten Mal spielte Aleister Crowley eine große Rolle, soweit ich weiß.

Silenoz: Das stimmt. Aber es ist schwierig, ein bestimmtes Ding herauszugreifen, da es wie gesagt vor allem um Erkundung geht. Auch schwierig, das richtig zu erklären... Der Hörer braucht die Kombination aus Musik und Text, um das Gesamtbild zu erhalten. Wenn ich den Leuten erzählen würde, worum es geht, hätten sie schon ein Bild im Kopf.

Shagrath: Man sollte Kunst nicht zergliedern. Das erschwert es manchmal, in Interviews über die Musik zu reden, denn Musik ist für mich Kunst. Und es ist ein Gefühl und eine Art zu kommunizieren. Ich spreche durch meine Riffs. Meine Emotionen stecken in der Musik. Da wie mit Messer und Gabel rein zu schneiden, ist meiner Meinung nach der falsche Weg.

Für viele bedeutet Black Metal automatisch Satanismus.

Silenoz: Satanisch zu sein, bedeutet für uns vor allem, die Regeln zu brechen. Schau dir die mythische Figur Luzifer mal an. Im Grunde sagte er: "Fuck you, Dad, ich bin hier raus." Das ist eh unsere Basis.

Shagrath: Satanismus, mit umgedrehten Kreuzen, Pentagrammen und all dem Zeug, kann als etwas Negatives aufgefasst werden. Für mich ist es etwas Positives. Es repräsentiert Ermächtigung und Freiheit.

Silenoz: Es sprengt die Ketten, die uns binden.

Also ist es euch wichtig, dieses Element in der Musik zu tragen.

Silenoz: Ich glaube, das erklärt sich von selbst. Die Leute folgten uns durch alle möglichen verschiedenen Phasen, aber der rote Faden ist noch immer da. Und dieser ist, sich von Fesseln zu lösen und einen eigenen Weg einzuschlagen. Was ist satanischer als das?

Die Chöre im Opener "The Unveiling" erinnern mich an die des Songs "Dimmu Borgir" von "Abrahadabra". Ist das eine absichtliche Referenz oder bilde ich mir das ein?

Silenoz: Nee, das ist Zufall. Aber wir nutzen absichtlich sehr viel Chor auf dem Album.

Shagrath: Zum Teil, um diese "cinematic listening experience" zu schaffen. Es beschwerten sich schon einige Personen, dass auf dem Album nicht genug Shagrath zu hören wäre. Darauf kann ich nur antworten: Dimmu Borgir sind größer als ich. Es geht nicht darum, mich ins Klangbild zu rücken, sondern darum, zurückzutreten und Elemente einzupassen. Der Chor war wichtig für den Vibe, die Magie des Albums. Also nahm ich mich zurück, um dem Raum zu geben und es atmen zu lassen.

Silenoz: Die Situation wäre vielleicht eine andere, wenn Shagrath nur singen würde. Doch er komponiert ja auch. Dabei distanzierst du dich von dem, was du später auf der Bühne tust.

Ihr habt zwar wieder einen echten Chor verwendet, aber diesmal kein echtes Orchester. Dafür setzt ihr viel mehr Keyboard ein. Warum?

Shagrath: Gewissermaßen werden ja auch die Samples von einem Orchester gespielt – nur wurde die Aufnahme in ein Midi-Setting gepresst. (lacht) Die Sampling-Libraries heutzutage sind supergut und es machte vieles einfacher. Außerdem arbeiteten wir ja beim Vorgänger mit einem Orchester zusammen, schlossen dieses Kapitel aber mit "Forces Of The Northern Night" ab. Wir entwickeln uns eben ständig. Vielleicht nutzen wir auf dem nächsten Album dann wesentlich weniger Chor, wer weiß.

Silenoz: Man bekommt nach einer Weile einen besseren, objektiven Blick auf Dinge und erkennt, was man beim nächsten Mal anders machen könnte. Wichtig ist nur, dass man nicht im Vorfeld schon entscheidet, welchen Album- oder Songtyp man machen möchte. Man sollte mit einer Idee beginnen und darauf aufbauen. Es muss ein Eigenleben geben. Versuche, es zu kontrollieren, werden fehlschlagen.

Wir sprachen vorher kurz über Nightwish – sie sind bekannt für ihre Theatralik. Auch bei Dimmu Borgir spielt dieses Element zweifellos eine Rolle, auch wenn es vielleicht nicht den Kern ausmacht. Wie aktiv strebt ihr nach dem Entertainment-Faktor?

Shagrath: Für mich persönlich gehen Musik und Visuals Hand in Hand. Das Visuelle muss zum Feeling der Musik passen. Dieses Empfinden basiert bei mir auf Kindheitserfahrungen. Ich wuchs auf mit Bands, die ein starkes Image hatten. Das war immer wichtig.

Silenoz: Bei jedem Album ist es doch im Grunde so, dass Artwork – also die Visuals – und die Musik zusammengehen bzw. sich ergänzen.

Und Black Metal war immer sehr visuell.

Shagrath: Ja und genauso die alten Heavy Metal-Bands, die ich als Kind gern gehört habe. Alle hatten starke Bilder. Mir das als Kind wichtig, also ist mir das auch heute wichtig. Logisch oder? (lacht) Es muss eben zusammenpassen. Ich geb' dir ein – vielleicht etwas blödes – Beispiel: Stell dir vor, wir gucken zusammen "Der Herr Der Ringe" und Gandalf würde in Workershirt und Blue Jeans auftreten. Das ergäbe keinen Sinn, richtig? Das erklärt es ganz gut. (lacht)

Silenoz: Auf den Punkt gebracht. (lacht)

Shagrath: Bildhaftigkeit spielt in der Black Metal-Historie eine große Rolle. Wir haben uns Teile diese Tradition bewahrt. Obwohl wir natürlich nicht den totalen Oldschool-Look fahren...

Silenoz: Auch hier haben wir unseren eigenen Weg gefunden.

Shagrath: Wir formen unser eigenes Ding, aber die Inspiration kommt natürlich von den Ursprüngen.

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4 Kommentare mit 18 Antworten

  • Vor 10 Monaten

    Also ich nehme denen dieses "wir brechen die Regeln, wir machen unser eigenes Ding", nicht ab. Das wäre vielleicht überzeugender, wenn nicht nahezu jede Veränderung, die diese Band in den Jahren durchgemacht hat, nicht irgendwo immer nach einer noch kommerzielleren Ausrichtung verlief. Ganz offensichtlich hatten alle Elemente, die diese Band in Optik, Musik etc. eingebaut haben, immer das Ziel noch größer zu werden und noch mehr Zuhörer zu erreichen. Wenn das "sein eigenes Ding durchziehen bedeutet", daß man einfach immer Mainstream lastiger wird, dann ziehen auch Justin Timberlake, Britney Spears usw. ihr eigenes Ding durch, dann sind das alles Rebellen in ihrerer eigenen Zunft. Also wirklich nicht! Man kann sich auch weiterentwicklen, ohne die Fans, insbesondere die alten Fans ständig anzupissen. Ich habe für diese Band schon lange nichts mehr übrig und das ist einfach nur Dünnschiss, was die da reden. Das sind keine Rebellen, das sind Geldesel die sich immer wieder erneut nach dem Geld strecken - und das wissen die auch.

    • Vor 10 Monaten

      In anderen Worten: dir gefällt die Weiterentwicklung nicht, einem Großteil aber schon, also ist es auch keine. Klingt logisch für mich.

      Was Pappnasen wie du vielleicht mal bedenken sollten: Wenn man etwas sehr gut macht, wird man bekannter und dementsprechend auch dafür belohnt. Funktioniert im Arbeitsleben, im Sport, im Journalismus etc. auch nicht anders. Das ist nichts, was Missgunst verdient hätte.

      Ich glaube, wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich natürlich auch dafür entscheiden, arme Seelen wie Puschel zu umgarnen, anstatt mich weiterzuentwickeln und "Gefahr zu laufen", bekannter zu werden. Wo kämen wir denn da hin!

    • Vor 10 Monaten

      Die Gleichung aufzustellen "wenn man etwas sehr gut macht, wir man bekannter und kommerziellen Erfolg", halte ich für sehr gewagt und eigentlich auch für völligen Unsinn. Es gibt genügend Musikrichtungen, in denen kannst Du noch so gut sein und noch so gute Musik machen, Du wirst niemals einen großen kommerziellen Erfolg damit verbuchen können. Einfach weil die Musikrichtung nur einen kleinen Hörerkreis finden wird, egal wie gut Du bist.
      Um mehr Erfolg zu haben, musst Du Deine Musik, Dein Auftreten also verändern, Du musst Dir anschauen was die Masse der Menschen hören will und Deine Musik daraufhin anpassen und ausrichten. Und genau das ist es, was Dimmu schon seit langen Jahren fabrizieren. Nur um Mal eines der offensichtlichsten Beispiele zu nennen: Die Dimmus hatten eines der geilsten Black Metal Logos weit und breit. Konnte aber kein Schwein lesen, also nimmst Du einen ganzen normalen ARIAL Font und klatscht den Namen übergroß und pothässlich auf jedes Cover. Das ist nur eine von ganz ganz vielen Dingen, die diese Band Massenkonform angepasst hast um den kommerziellen Erfolg zu maximieren. Ich sage nicht, dass diese "Timberlake des Metal" Typen nicht gut sind, oder kein Talent besitzen, aber die sind absolut geil auf den Erfolg und die Kohle und ordnen dem absolut alles unter.

    • Vor 10 Monaten

      Ups, hatte vergessen, "kann es mal passieren, dass man bekannter wird" zu schreiben. Ändern tut sich nicht viel. Und im Ernst: deine Abhandlungen jucken mich 0. Wenn du sonst keine Probleme hast. Ob die geil auf Erfolg sind, ist mir komplett wurscht, mein Leben ist nicht so von Missgunst geprägt, dass ich ihnen das nicht gönnen würde. Es kann nicht jeder Künstler die Zielsetzung haben, vor 50 Leuten aufzutreten und am Ende des Konzertabends 10 Demotapes zu verticken, nur um möglichst glaubwürdig auf so Hampelmänner wie dich zu wirken.

    • Vor 10 Monaten

      Ganz offensichtlich nimmst Du keine Argumente an, wie die meisten Dimmu Fans. Wenn Dich das nicht interessiert oder juckt, dann belass doch Deine Kommentare einfach für Dich.
      Meinetwegen kann die Band mit Justin Timberlake auftreten oder beim Eurovision Song Contest (den ich mir gestern angeschaut habe), aber es muss auch erlaubt sein, Mal eine ganze klare Trennung zu dem zu ziehen, was die Band einst gespielt hat, mit welchen Beweggründen und dem, was sie heute und schon seit Jahren tut.
      Wenn die Band diesen Mainstream Metal spielen will und wenn Du es hören willst, dann tut es meinetwegen. Aber dann sollte man es auch beim Namen nennen können und Ihr solltet dazu stehen können, anstatt ständig halbgare Ausreden zu suchen. Und genau das ist das Problem, daß Ihr genau das nicht könnt. Sonst könnten Ihr so einen Kommentar von mir, wie ich Ihn oben getätigt habe, auch einfach Mal unkommentiert stehen lassen.

    • Vor 10 Monaten

      Das ist ja süß. Selbst keine andere Sichtweise als die eigene zulassen und dann den Fans selbiges vorwerfen.

      Ich muss zu nichts stehen, weil Musik für mich eine Kunstform ist, bei der sich Geschmäcker unterscheiden können und aufgrund dessen keine Rechtfertigungen nötig sind.

      Eines noch: Ich nehme gerne sachliche Argumente an. Deine gehören nicht zu der Gattung. Sachlich wäre es, wenn man schreiben würde, dass einem die Chöre zu übertrieben ist, die Produktion zu modern, die Spielzeit zu lang o.Ä.. Immer wieder denselben alten, ledrigen Mainstreamstiefel zu wiederzukäuen hat wenig bis nichts damit zu tun. Und nun tranquilo bzw. ab in's Metal.de Forum, da werden aktuell ähnlich gehaltlose Totschlagargumentchen vorgebetet. Genau deine Kragenweite also :)

    • Vor 10 Monaten

      Ich hatte Dir ja bereits ein Beispiel mit dem Logo genannt, darauf eingegangen bist Du natürlich nicht. Es macht Dir ganz offensichtlich mehr Spaß irgenwelche Phrase darzubieten von Dir zu geben und möglichst nicht auf meine Argumente einzugehen.
      Und die Musik auf den Mainstream Geschmack auszurichten ist keine Ahnung was es ist, aber ganz sicher keine Kunst, zumindest keine, die das Prädikat wertvoll verdient.

    • Vor 10 Monaten

      Also ich nehme denen dieses "wir brechen die Regeln, wir machen unser eigenes Ding", nicht ab.

      Und spielt das ne Rolle? Ein derartiges Pochen auf vermeintliche "Authentizität" lohnt eventuell noch bei wirklich komplett ferngesteuerten Pop-Künstlern. Aber die Jungs scheinen die Fäden in der Hand zu haben, und wenn auch kleinere Zugeständnisse hinsichtlich einer größeren Fanbase gemacht worden sind (die von dir angeführte Sache mit dem Schriftzug halte ich für Spekulation), können die gewiss selbst entscheiden, in welche Richtung sie gehen, und ihre Songs selbst schreiben.

      Und dass sie unter diesem Aspekt beschlossen haben, massentauglicher zu werden, ist ziemlich logisch. Die Typen sind um die 40 (?) und wollen gewiss nicht von Luft und Liebe leben.

    • Vor 10 Monaten

      Das mit dem Logo ist keine Spekulation, eindeutiger geht es nicht mehr. Du machst es Dir hier etwas zu einfach, finde ich. Es überrascht mich aber nicht wirklich, daß Ihr das Beispiel nicht enkräften könnt.
      Immerhin gesteht Du eine "logische Kommerz Fokusierung" der Band ein, damit wären wir immerhin einen Schritt weiter, kann dann aber eigentlich nur wiederholen, was ich bereits geschrieben hatte: "Meinetwegen kann die Band mit Justin Timberlake oder beim Eurovision Song Contest auftreten, aber es muss auch erlaubt sein, eine ganze klare Trennung zu dem zu ziehen, was die Band einst, mit welchen Beweggründen gespielt hat und dem, was sie heute und schon seit Jahren tut."
      Das einzige Problem daß wir hier haben ist, daß Ihr das nicht akzeptieren wollt.

    • Vor 10 Monaten

      Hab nur den letzten Satz gelesen und spontan entschlossen es auch nicht zu akzeptieren (was auch immer)

    • Vor 10 Monaten

      "aber es muss auch erlaubt sein, eine ganze klare Trennung zu dem zu ziehen, was die Band einst, mit welchen Beweggründen gespielt hat und dem, was sie heute und schon seit Jahren tut."

      Aber ja. Trotzdem bleibt die Frage, warum eigentlich?

      Und die Antwort ist, wie hmm bereits angedeutet hat, dass ihre in-Ermangelung-eines-anderen-Wortes "Ideologie" nicht der deinen entspricht. Ist halt dann so.

      Aber der ursprüngliche Vorwurf, die Band würde/könne sich nicht entwickeln, nicht "ihr eigenes Ding machen", aufgrund einiger geringer Zugeständnisse an den Mainstream - mal ehrlich: die waren von Anfang nicht so massenunkopmatibel, wie du impliziert hast; die waren von Anfang vergleichsweise hörerfreundlich, da gibt's im BM und generell in der extremen Metalmucke zigtausend krassere Beispiele, zu denen die nie dazu gehört haben - und die Behauptungen der Band, sie ziehe ihr eigenes Ding durch, seien reine Lippenbekenntnisse, dieser Vorwuirf ist und bleibt ungültig. Sich evtl. dem Kommerz anzunähern heißt ja nicht, dass sie ihre kreative Kontrolle aufgegeben hätten.

      "Es gibt genügend Musikrichtungen, in denen kannst Du noch so gut sein und noch so gute Musik machen, Du wirst niemals einen großen kommerziellen Erfolg damit verbuchen können."

      Richtig. Aber die Jungs wollen offensichtlich von ihrer Musik leben, und nehmen dafür auch möglicherweise kundenfreundlichere Logos in Kauf. Bleibt die Frage, was dich daran eigentlich exakt stört.

    • Vor 10 Monaten

      Immortal haben auch ein vermeintlich kundenfreundlicheres Logo gewählt, so what? Vielleicht hatten sie auch einfach kein Bock mehr auf das alte? Ich fand das alte DB Logo auch kacke, wenn ich ehrlich sein soll, da gibt es optisch weitaus ansprechender Logos im Black Metal.

      Zumal das einfach Nichtigkeiten sind, die mich nicht mal im Ansatz interessieren, weil sie überhaupt keinen Einfluss darauf haben, ob ich eine Band mag oder nicht mag. Wir diskutieren hier darüber, dass eine Band von dem leben will, was sie auf die Beine stellt. Wie angedeutet ist es nicht eines jeden Künstler Ziel, ewig im Untergrund verwurzelt zu bleiben, um irgendeine Authentizität zu wahren. Und ich denke, dass das Dimmu Borgirs gutes Recht ist. Sie waren, wie Der Schwinger ohnehin schon richtig festgestellt hat, eh nie wirklich ein Teil des Undergrounds. Schon mit "For All Tid" nicht, wie sie ja im Interview selbst zugeben.

      Wahrt Varg Vikernes eigentlich seine Authenzitität, weil er mitten in der französischen Pampa residiert und Verschwörungstheorien in Videoform packt?

    • Vor 10 Monaten

      Also für mich gibt es hier nach Euren Aussagen erst Mal eines ganz klar festzustellen, das Zeug was Dimmu da erschafft, ist in keinster mit kompromissloser Kunst gleichzusetzen, ganz im Gegenteil sorgen die Dimmus quasi seit Jahren dafür, Ihren Erfolg zu nähren - zu Kosten der Authentizität des Gesamtkunstwerks, als was ich BM immer betrachte.
      Wenn man davon ausgeht, daß ich eigentlich erst Mal gar nichts anderes hier behauptet habe und dafür ziemlich angekeift wurde, ist das schon Mal eine explizite Erwähnung wert.
      Ich hoffe Ihr könnt das jetzt auch einfach mal so stehen lassen, dann könnten wir nämlich tatsächlich Mal einen Schritt weiter gehen.

      Das Logo Beispiel ist nicht der große Burner, aber es zeigt an einem einfachen Beispiel, wie die Band in allen Bestandteilen Ihres Schaffen agiert. Warum soll dieses Vorgehen der Band auch nur bis zu Ihrem Logo reichen? Viel wahrscheinlich ist es doch, daß Sie dieses Vorgehen von der Musik bis zu den Interviews durchziehen. Es gibt keinen Grund und keine Anzeichen dafür, daß Sie es alleine beim Logo belassen.

      Die Frage ist nun, was unterscheidet die Alben For all Tid und Stormblast von den anderen Werken, die sich nicht mehr dem rein künstlerischen Aspekten widmen?
      Es ist nicht ganz einfach, denn damit sind eben schwammige Begriffe, wie Authentizität und Atmosphäre gemeint. Und ja, ein Varg ist authentisch, denn er lebt nicht den Kommerz, er lebt zu 100% seine Ideologie, so dämlich sie auch sein mag. Es gibt viele große Künstler, die als Mensch extrem waren oder sind und nur deshalb war Ihre Kunst so, wie sie es war.
      Gehen wir einfacherhalber Mal weg vom BM. Elvis, Michal Jackson, Prince... das waren nicht nur musikalische Genies, das waren auch Menschen mit einem extremen Lebensstil. Dass Sie alle so früh gestorben sind, zeugt u.a. davon. An den Beispielen kann man erkennen, welchen Einfluß Authentizität auf die Kunst hat. Talent alleine hätte diese Musiker nicht so weit gebracht. Und wenn das schon für Pop Musik gilt, dann muß das für BM doch erst recht gelten.
      Das bedeutet natürlich nicht, daß ich diese Extreme jetzt von den Dimmus erwarte. Es soll nur darstellen, daß die völlige Hingabe zur Kunst, ohne kommerziellen Fokus, eben ganz andere Kunst zum Vorschein bringt. Und diese Musik findet Ihr in den Alben For all Tid und Stormblast wieder.
      Wenn Ihr mich nun fragt, wie das von einer Band wie Dimmu damals möglich war, dann kann ich Euch nur sagen, weil die Musiker damals eben anders drauf waren, weil Sie Teil einer geschlossenen, intensiven, neuen Szene waren (mir ist hier egal, was die Band dazu heute selbst behauptet) und Sie daher schlichtweg mitgezogen wurden und mitgezogen sind. Eine Art Gruppenzwang, dem Sie sich hingegeben und davon auch profitiert haben.
      Warum ich das alles schreibe, weil der Fokus auf die Kommerzialisierung des Schaffens, eben ganz andere Musik zum Vorschein bringt, als die pure Authentifizierung mit seiner Kunst. An den Beispielen oben wollt eich das klar machen. Und wenn das klar wird, muss man nicht verstehen was die alten Dimmu Alben ausmacht, denn das ist ein rein subjektives Empfinden, welches Ihr vielleicht gar nicht nachvollziehen könnt und auch nicht müsst.

      P.S: Ich hoffe Ihr wisst zu schätzen, daß hier jemand nicht einfach nur sagt, daß die Band X, Y scheiße ist, sondern auch bereit ist, wirklich in die Diskussion einzusteigen. Am ehesten würdigt Ihr das, in dem Ihr Euch dem Niveau anpasst. Ich behaupte nicht alles zu wissen, ich teile Euch nur mit, wie ich es sehe und bin persönlich sehr davon überzeugt.

    • Vor 10 Monaten

      Glaube, du hast EONIAN noch nicht angehört. Im Gegensatz zu den letzten Alben ist das ganz weit weg von irgendeiner Anbiederung.

      Keine Sorge, höre die Band seit 1997 und halte EDT bei weitem für das kitschigste und zugänglichste Album neben Abrahadabra. :)

      "weil der Fokus auf die Kommerzialisierung des Schaffens, eben ganz andere Musik zum Vorschein bringt, als die pure Authentifizierung mit seiner Kunst."

      Dann hast du das Album tatsächlich nicht allzu gut verstanden. Man kann es scheiße oder sonstwas finden, gar kein Thema, aber so ein an den Haaren herbeigezogenes gesabbel kann man halt auch nicht tolerieren.

      Aus erster Hand kann ich dir auch sagen, dass DIMMU früher primär mit der Musik Kohle gemachthaben (PEM und DCA mal genannt, als ihr größter kommerzieller Erfolg (komisch, abgesehen davon, dass sie natürlich schon länger kein BM mehr waren, dafür aber knallharten Death / Thrash (DCA mit dem gewissen Flavour an alter Schule) und mit DCA gegen Ende sogar richtig sperrig geworden sind))

      Mit ISD haben sie Fanservice betreiben wollen und mit ABrahadabra ziemlich bewusst ein wenig alte Schwärze mit Haufen Casualisierung und Orchester ein primär symphonisches Album geschaffen, die zwei mochte ich auch nicht allzu sehr. (insbesondere ISD hatte null Identität und furchtabrerere Triggerdrums als PEM)

      Eonian geht da einige Schritte weiter, etabliert einige 90s Hommagen, gleichzeitig geht es aber auch neue Schritte und die Songs sind so komplex wie frühestens SBD und spätestens DCA nicht mehr. Kommerzielle Anbiederung sieht gänzlich anders aus.

      BTW: Jeder Künstler, der Kunst veröffentlicht, egal in welchem Rahmen, macht es um damit Kohle zu verdienen.

    • Vor 10 Monaten

      "Elvis, Michal Jackson, Prince... das waren nicht nur musikalische Genies, das waren auch Menschen mit einem extremen Lebensstil. Dass Sie alle so früh gestorben sind, zeugt u.a. davon. An den Beispielen kann man erkennen, welchen Einfluß Authentizität auf die Kunst hat."

      Ähm, vorsichtig. Du gehst von einem extrem verzerrten, durch die Medien gefilterten Abbild dieser Künstler aus. Dieser Kult, den du beschreibst, ist nichts anderes als was das Marketing um diese Künstler ereicht hat.
      Zumindest Michael Jackson hat seine Kunst nicht kompromisslos gelebt; der hat viele seiner Songs nicht mal selbst geschrieben. Und jung gestorben ist im Übrigen keiner von denen - diejenigen die jung gestorben sind, sind verantwoirtungslos mit Drogen umgegangen oder haben Suizid begangen oder was auch immer...und all das hat nichts mit "extremer Kunst oder extremer Persönlichkeit", sondern schlicht mit Verzweiflung und Drogenmissbrauch zu tun. Man ssollte nicht sämtliches hochstilisieren.

      "Talent alleine hätte diese Musiker nicht so weit gebracht."

      Genau, aber genausowenig ihre "Authentizität". Was sie soweit gebracht hat: Gutes Marketing. Management. Und zigmillionen Crowd-pleaser. Also genau das, wohin Dimmu deiner Ansicht nach auch hin wollen (im Rahmen ihrer Marktnische).

      Ist mir alles viel zu vage und subjektiv, was du anführst...

    • Vor 10 Monaten

      Danke, Schwinger.
      Was hat es eigentlich mit diesem ewigen Gejaule nach „Authentizität“ auf sich? Als ob das irgendwie feststellbar wäre, wie authentisch jemand/etwas ist, das kann eventuell auch nur vorgegaukelt werden und ist letztlich auch nur vom subjektiven Empfinden abhängig.

    • Vor 10 Monaten

      Ich bin froh, dass sich Bands von Menschen wie Puschel nichts, aber auch wirklich gar nichts sagen lassen. Weil das der absolute Untergang von Kunst wäre. Nie und nimmer gäbe es im Metal heutzutage gefühlt 50000 unterschiedlich klingende Subgenres in allen Formen und Varianten, wenn sich Bands ihre Experimentierfreude immer hätten zerreden lassen, weil Einzelnen die Entwicklung nicht in den Kragen gepasst hat. Das ist jetzt nicht nur auf Dimmu Borgir speziell bezogen, sondern eher allgemein gedacht.

      Und auch bei "Eonian" bleibe ich dabei. Das kann einem alles zu übertrieben intoniert sein, das ist selbstverständlich Geschmackssache. Aber das heißt nicht, dass man respektlosen Mist verzapfen muss. Was die Herren damit erschaffen haben, ist schlichtweg großartige, detailverliebte Kunst, in der sehr viel Leidenschaft und Arbeit steckt. Ich persönlich finde es extrem schade, dass einigen ihre künstlichen Aversionen und durch natürliche Stilwandel gekränkten Egos deutlich wichtiger sind als ein Album, das eben nicht wie tausend andere klingt. Eigentlich kann man das sogar auf nahezu jedes Album bzw. jede Band ummünzen, über das bzw. die ähnlich diskutiert wird.

  • Vor 10 Monaten

    Im Grunde genommen heulst du schon wieder rumm das es dir nicht true genug ist.
    Ich meine dann sag es doch einfach.

  • Vor 10 Monaten

    Dieser Kommentar wurde vor 10 Monaten durch den Autor entfernt.

  • Vor 10 Monaten

    Du kannst ein For All Tid auch nicht mit einem Storblast vergleichen, weil es so dermaßen grundverschiedene Alben sind.
    Dimmu sind zwischenzeitlich progressiver, dann aggressiver geworden. Mit ISD und Abrahadabra haben sie sich irgendwie in die Ziellosigkeit verirrt, letzteres war sogar ein wirklich sehr hörerfreundliches Album.

    Man kann aber nicht behaupten, dass sie sich mit einem SBD, PEM, DCA und zuletzt Eonian kommerziel irgendwem angebiedert hätten; allein schon wegen der Tatsache, dass der Sound auf den Alben die Balance aus Aggression, Symphonie und bei einigen Songs der genannten Alben auch eine gewisse Tiefe schon gar nicht in dieses Muster passt.
    Eonian bekommt es sogar besser als jemals zuvor hin, wieder Gänsehautmomente, mit Souveränität und wioeder einigen ziemlich aggressiven Momenten (immer im melodischen Rahmen, so wie früher) einzubinden. Verstehe das Größtenteils gesabbel einfach nicht. Ein Interdimensional Summit ist auch nicht softer als ein Mourning Palace, Spellbound oder diverser anderer Tracks. Aber ja, es ist der schwächste Song vom Album.

    Ich empfehle dir mal, Eonian erst ein paar mal anzuhören und dann festzustellen, dass das Album ganz weit weg von dem ist, was sonst nach 2004 kam.