laut.de-Kritik

Jede Nummer klingt nach Depeche Mode: Gahanisation of Gähn.

Review von

Die letzten gelungenen Alben der Altmeister von De/Vision ("Void" und "Two") liegen mittlerweile gute 15 Jahre zurück. Seitdem herrscht verstaubte Routine. Mit "13" starten sie nun einen neuen Versuch. Doch leider bleibt es auch weiterhin bei dem traurigen Zustand, der den Veteranen seit vielen Alben an den Hacken klebt.

Ihre erschreckende Inspirationslosigkeit geht in eine neue Runde und toppt sogar den bisherigen Tiefpunkt "Rockets + Swords". Zehn betäubend öde Tracks, teils in auszehrender Überlänge dargeboten, befördern selbst den muntersten Hörer in komatösen Tiefschlaf.

Schon ihre ersten drei Stücke lassen die Mundwinkel resigniert nach unten merkeln. De/Visions Anlehnung an Depeche Mode wäre dabei kein grundsätzliches Problem, so das Songwriting stimmte. Mittlerweile jedoch dümpeln die Lieder als spannungsloser Midtemposalat dahin. Nahezu jede Nummer klingt im Grundton nach DMs "It's No Good". Die Vocals bieten dazu leidenschaftslose Gahanisation of Gähn. Für immer 1997? Nee, lasst mal stecken.

Vollkommen unnötig zerstören De/Vision ihre gelegentlich nicht üblen atmosphärischen Ansätze. Sobald die Synthies hie und da ein warmes Piano-Imitat einstreuen, erhofft man sich zumindest einen Hauch der gefühlvollen Dramatik früherer Tage. Der naive Funken Hoffnung wird sofort bestraft. Besonders das überflüssige, altbackene und etwas billige Einbetten heruntergedimmter Autoscooter-Kirmes-Sounds von der Futurepop-Stange verdirbt die Ästhetik des Gesamtbilds nahezu komplett.

Das Timing lässt ebenso zu wünschen übrig. "The Firing Line" hätte es als dreieinhalb Minuten-Stück schon nicht leicht, zu faszinieren. Erbarmungslos ausgewalzt auf sieben Minuten töten De/Vision die keimende Sogkraft des Refrains. Noch schlimmer: Auf "Starchild" lockt zunächst ein nettes Tastenthema. Leider nur, bis man bemerkt, dass es sich nur um ein notdürftig modifiziertes Variieren der legendären "Love Will Tear Us Apart"-Synthie-Hook (in der Swans-Version) handelt.

Zwischendurch gibt es anderthalb zaghafte Lichtblicke. "Synchronize" verfügt zumindest über eine akzeptable Melodie und etwas weniger scheintote Rockrhythmik. "Prisoner" wartet wenigstens mit ein wenig Melodrama auf, wenn es schon nicht zum echten Spannungsaufbau reicht. Doch alles bleibt ein Schatten besserer Tage.

Danach geht die Lust am Sinkflug ungebremst ins Finale. "Gasoline" täuscht die Coolness eines schroffen Elektrokorsetts vor. Ein Stück, das in seiner belanglosen Hässlichkeit der Musik auch noch den De/Vision-typischen Schönklang als letzte Bastion raubt. Trauriger Niedergang. Dabei waren sie einst richtig gut. Wer sich nach der geronnenen Langeweile von "13" ein paar Perlen wie "Lonely Day", "Heart Shaped Tumor" oder "Drifter" zum Vergleich anhört, glaubt kaum, hier dieselbe Band zu vernehmen.

Trackliste

  1. 1. Who Am I
  2. 2. Essence
  3. 3. Starchild
  4. 4. Where Is The Light
  5. 5. Synchronize
  6. 6. Prisoner
  7. 7. Read Your Mind
  8. 8. Their World
  9. 9. Gasoline
  10. 10. The Firing Line

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22 Kommentare mit 35 Antworten

  • Vor 6 Jahren

    Das Niveau von Monosex/Void/Two erreichen die nie mehr. In der Phase haben die alles herausgeholt was ging. Ist allerdings auch ziemlich schwer mit Synth Pop innovativ zu sein und damit Geld zu verdienen, wenn man nicht gerade Depeche Mode heißt oder der neueste Hype aus UK ist. Das damals progressive "Void" war das meißtgehasste Album bei den Fans. Mit "Two" wurde perfekter Synth Pop mit modernen Sounds von "Void" verbunden. Der Nachfolger "Devolution" hatte noch einige Highlights, aber schon "6 Feet Underground" war pure Langeweile aus meiner Sicht. Der Schreiber hat schon Recht. Allerdings tut der starke Depeche Mode - Ultra - Einfluß dem neuen Album gut und die Produktion ist wieder etwas straffer ausgefallen. "Rockets and Swords" sollte wohl kunstvoll erscheinen, aber die Songs geben das nicht her und es fehlten Überraschungen in der Songstruktur und die kraftvollen Refrains wie man sie von "Two" kannte. Deswegen leichter Trend nach oben mit dem neuen Album "13". (2,5/5) Ich mag die Band und hoffe das noch ein richtiger Knaller kommt mit 4/5.

  • Vor 6 Jahren

    Die Refferenzen auf Ultra sind echt interessant, da der neue Produzent Ken Porter sich an diesem Album ähnlich wie Tim Simenon durchaus verausgabt hat, um die unterstellte Langeweile mit soundtechnischen Basteleien auszuhebeln. Mich haben diese Qualitäten schon beim Teaser aus den Latschen gehauen. Kann der Band nur gratulieren- sie leisten bei allem Gemecker richtig gute Arbeit. Fans der ersten Stunde müssten die Band mindestens als inzwischen zuverlässigen Lieferant für Ideen respektieren-selbst, wenn der Trick nur darin besteht, nen guten Produzenten an der Angel zu haben.

  • Vor 6 Jahren

    Hmh erst lese ich diese vernichtende Kritik und den Vergleich, natürlich mit einer Größe wie Depeche Mode, dann lese ich wer da wieder am Werk war, ach der Ulf Kubanke, alternder Scharfrichter mit hohen Auszeichnungen, naja mal wieder bissel drauf gehauen dachte ich. Dann höre ich Titel für Titel und mir wird klar, der Jurist hat ein Urteil gefällt das mir ausnahmslos und das ausnahmsweise Mal gefällt. Was für eine lahme Musik, da wird jeder Titel nach "Where is the light" zur Frage nach dem Licht, auch wenn man dies bei dunkler Mucke nicht erwarten darf. Selbst ich als Sisters-Fan und nicht gerade Enthusiast der DM-Mucke würde diese Scheibe keine Gahan-Jünger in die Hände drücken. Ein ultralangweiliger Abklatsch auf den nicht mal die Alt-Grufts eine passene Schrittfolge wüssten. Hoffe mal eine der einst führenden Bands des Genres geht mit dieser schrägen 13 nicht in Rente. Das Licht am Ende des Tunnels kann nur noch leuchtender werden...