laut.de-Kritik

Nicolas Jaars Trotzreaktion zwischen Mars-Mission und Dancefloor.

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Das musikalische Schaffen Nicolas Jaars wirkt nicht erst seit kurzem wie eine Trotzreaktion auf den Hype um seine Person. Nachdem sich sein Debütalbum "Space Is Only Noise" vor zwei Jahren in den oberen Rängen der Jahreslisten tummelte, übt sich der damals 21-Jährige in Zurückhaltung. Jaar ist bis zur Einstellung 2013 hinter den Kulissen seines Labels Clown & Sunset (heute Other People) tätig, das unter anderem Acid Pauli im Katalog führt.

Musikalisch nähert er sich im letzten Jahr vor allem dem Experiment an: Für das New Yorker Museum of Modern Art veranstaltet er eine fünfstündige audio-visuelle Performance im Inneren einer weißen Kuppel. Kurze Zeit später erscheint sein zweistündiger Essential-Mix in der legendären Reihe des britischen Radios BBC 1. Hier findet Jaar mit musikalischer Raffinesse von Keith Jarrett zu den Ambient-Werken von Aphex Twin bis hin zu Beyoncé.

Nun arbeitet Nicolas Jaar zusammen mit seinem ehemaligen Tour-Gitarristen Dan Harrington weiter an der Wahrnehmung seiner Musik. Unter dem Namen Darkside erzeugen beide einen Klangkosmos, der, von Deep House und Prog-Rock befeuert, stets an der Grenze des Pop kratzt.

Fast schon euphemistisch klingt es, spricht man lediglich von einer vielschichtigen Platte. Seien es minimale Rhythmen und Geräuschteppiche, die sich durch das elfminütige Hörerlebnis des Openers "Golden Arrow" ziehen, oder der eingängige Blues-Einschlag der Single "Paper Trails" - das Album fordert vollständige Aufmerksamkeit ein. Jeden Moment scheinen die fragilen Gebilde in sich zusammen zu fallen, jedoch erschlagen sie einen im nächsten Moment mit tiefbassiger Tanzmusik.

Äußerst fruchtbar ergänzen sich Jaars elektronische Arrangements mit den verschiedenen Modulationen von Harringtons Gitarre. Wechselseitig bieten sie dem Gegenpart Raum für feste oder offene Formen, für Rhythmus und Experiment. Im Vergleich zu seinem Debüt verwendet Jaar kaum Samples, sondern wandelt zwischen Ambient-Soundscapes und präziseren Beatstrukturen, die von Deep House ("Freak, Go Home") bis Trip Hop ("Metatron") reichen.

Zeitweilig gebärt dieser Zweiklang aus Ergänzung und Antithese brillante Momente. So legt sich in "The Only Shrine I've Seen" Harringtons Funk-Riff über dunkle Techno-Versatzstücke, bevor sich beides im Äther auflöst und das Stück sich in Pink Floyd-Manier selbst auseinander nimmt. Abseitig und körperlos klingt Jaars Stimme, die Lewis Carrolls Grinsekatze gleich aus dem Nichts erscheint und lediglich letzte umherschwirrende Soundpartikel überdeckt.

Diese Musik balanciert wie zwischen Mars-Mission und Dancefloor auf der Grenzlinie von E- und U-Musik. Das Zuckerbrot-und-Peitsche-Prinzip aus Pop-Hooks und Experiment funktioniert über weite Strecken des Albums. Nur selten verliert diese äußerst wohlklingende Trotzreaktion Nicolas Jaars den Sinn für den Zuhörer. Und so orientiert sich "Psychic" – obgleich selten – auch in dieser Hinsicht an progressivem Rock der Siebziger.

Trackliste

  1. 1. Golden Arrow
  2. 2. Sitra
  3. 3. Heart
  4. 4. Paper Trails
  5. 5. The Only Shrine I've Seen
  6. 6. Freak, Go Home
  7. 7. Greek Light
  8. 8. Metatron

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