laut.de-Kritik

Mit einem der besten Melo-Death-Tracks des Jahres an Bord.

Review von

Der November startet mit einer satten Packung Göteborg-Sound. Erst Dark Tranquillity, eine Woche später folgen In Flames. Wer sicherstellen möchte, dass er gut gewebten Melo-Death auf den Plattenteller bekommt, sollte bei "Atoma" zugreifen. Darauf klingen die kleinen Brüder der Flammen nämlich in etwa so, wie man es sich von In Flames nach "Sounds Of A Playground Fading" gewünscht hätte.

Einmal mehr meistern Dark Tranquillity den Spagat zwischen Härte und melodiöser Eingängigkeit mit Bravour. Und das Beste: Sie klingen zu keiner Sekunde altbacken, sondern übersetzen den traditionellen Göteborg-Sound in die Moderne – nicht zum ersten Mal.

Wesentlicher Bestandteil des "Atoma"-Sounds sind die Keyboards, die sich prominent durch die Stücke ziehen. Der Titelsong etwa trieft förmlich davon, ein vollgesaugter Melancholieschwamm mit tollen Melodien und noch besserer Vocalperformance Mikael Stannes. Zwar lässt sich bei den Clean Vocal-Passagen seine Stimmverwandtschaft zu Samu Haber nicht leugnen. Aber würden Sunrise Avenue solche Songs schreiben, bräuchte man sich um die deutsche The Voice-Jugend keine Sorgen mehr machen.

Obwohl etwa "Forward Momentum" Strophen- und Refrain-Hooks raushaut, die näher am Gothic Rock, denn Metal zu verorten sind, achten Dark Tranquillity darauf, nie zu soft zu werden. So schieben sie etwa direkt den Brecher "Neutrality" hinterher, einen der schnelleren, rifflastigeren Songs des Albums, der alle Headbanger auf ihre Kosten bringen dürfte. Die eher balladesken Stücke besitzen auch ihre aggressiven Nuancen aufweisen. Kein Song beschränkt sich auf eine Facette des Dark Tranquillity-Sounds, sondern bietet in der Regel ausgewogene sowohl-als-auch-Kost, die sich atmosphärisch irgendwo zwischen Insomnium und dem bereits erwähnten "Sounds Of A Playground Fading" einordnet.

Nebenbei bemerkt: "Encircled" dürfte locker als einer der besten Melo-Death-Tracks des Jahres durchgehen. Nach einer solchen Albumeröffnung kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Der Song prescht recht klassisch voran und bietet vertraute Palm-Mute-Riffs, der überlegte Synthie-Einsatz hebt das Ganze dann einmal mehr aufs nächste Level.

Mut beweisen Dark Tranquillity mit den beiden Bonustracks "The Absolute" und "Time Out Of Place". Die fehlen zwar nicht ohne Grund in der regulären Playlist (die "Caves And Embers" durchaus würdig beschließt) und werden zweifellos nicht bei jedem auf Gegenliebe stoßen. Aber sie zeigen eine Seite der Schweden, die man so nicht unbedingt erwartet hätte und von denen sie in Zukunft von mir aus gerne mehr liefern können. Der Metal bleibt außen vor, Mikael Stanne verzichtet auf Gutturalgesang, die Keyboards nehmen endgültig Überhand. So gewinnt die hoffnungslose Grundstimmung sogar noch an Intensität.

Als wäre ein augenzwinkernder Songtitel wie "Merciless Fate" noch nicht Kaufgrund genug, lassen Dark Tranquillity mit "Atoma" musikalisch keine Wünsche offen. Sie bleiben einerseits ihrem Stil treu, ergreifen aber die Gelegenheit beim Schopf, diesen weiterzuentwickeln. Von kreativem Stillstand ist hier nichts zu spüren. Da ist es an sich völlig schnurz, was In Flames nächste Woche fabrizieren: Schwedentod lebt!

Trackliste

  1. 1. Encircled
  2. 2. Atoma
  3. 3. Forward Momentum
  4. 4. Neutrality
  5. 5. Force Of Hand
  6. 6. Faithless By Default
  7. 7. The Pitiless
  8. 8. Our Proof Of Life
  9. 9. Clearing Skies
  10. 10. When The World Screams
  11. 11. Merciless Fate
  12. 12. Caves And Embers
  13. 13. The Absolute
  14. 14. Time Out Of Place

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