laut.de-Kritik

Bisher unveröffentlicht - aus gutem Grund.

Review von

Gleich vorweg: DMX selbst kann man dieses Verbrechen, das sich "Redemption Of The Beast" nennt, nur bedingt vorwerfen. Klar, irgendwann muss der Dark Man diesen Schund mal in einem Studio eingebellt haben.

Völlig zurecht traf er aber die ehrenwerte Entscheidung, die vorliegenden 16 Tracks niemals auf die Menschheit loszulassen. Seven Arts Music tat es trotzdem. Blöd gelaufen für DMX. Und für alle, die auf "Redemption Of The Beast" reingefallen sind und tatsächlich Geld dafür bezahlt haben.

Bei dem aus heiterem Himmel erschienenen Album handelt es sich um nichts weiter als alte Master-Aufnahmen aus dem Jahr 2012. DMX wollte die Stücke wohl unter Verschluss halten und bezichtigt sein damaliges, äußerst zwielichtiges Label nun des Diebstahls. Bei Seven Arts Music, das auch "Undisputed" veröffentlicht hatte, sieht man das natürlich anders. Schon 2012 sei abgemacht gewesen, "Redemption Of The Beast" auf den Markt zu bringen. Die Aufnahmen habe man legal erworben, ebenso das Recht, sie zu verbreiten.

Seis drum. Nicht minder verwirrend als die Entstehungsgeschichte des 'Albums' präsentiert sich dessen Inhalt. Ob Produktion, Vortrag, Features, Lyrics oder schlicht die Soundqualität - alles ganz großer Müll. Schon lange, bevor die letzten halbherzigen Bassschläge von "Love That Bitch" ertönen, dürfte jedem klar sein, warum DMX sich öffentlich ausdrücklich von "Redemption Of The Beast" distanziert.

Zugegeben, die ersten vier Stücke, namentlich "Spit That Shit", Built Like A Bitch", "On And On" und "Get Up And Try Again" lassen sich noch verdauen. Trotzdem fällt schon hier auf: Viel mehr als ein paar höchstens halbgare Riffs, Scifi-Synthies und einen Pappkarton braucht es nicht, um solche Beats zu basteln.

Hier liefert aber wenigstens der Dark Man selbst noch einigermaßen vernünftig ab. Gerade seine Performance im Opener "Spit That Shit" oder die zumindest versuchte Motivationshymne "Get Up And Try Again" kann man durchwinken. So weit, so erträglich.

Die in den unteren Bereichen angesiedelte Mittelmäßigkeit des ersten Drittels weicht in der Folge jedoch mehr und mehr einem Totalausfall. Die leichten Aussetzer in der Abmischung von "I'm Gonna Win" und anderen Tracks ließen sich noch verkraften - schließlich handelt es sich hier um ein nicht wirklich fertiggestelltes Werk.

Wer auch immer diese Stücke produziert und geschrieben hat, bietet aber vor allem eines an: grausame Hooks, die jeder Beschreibung spotten. Egal ob "One More Night", "We Gonna Make It" oder das angesprochene "I'm Gonna Win" - die gesungenen Parts setzen dem ohnehin schon durchwachsenen Vortrag des Dark Man und den wahnsinnig billigen Scheißbeats die Krone auf.

Schon halbwegs erprobte Gastbarden verzweifeln an den nervtötenden Refrains von "Redemption Of The Beast". Wenn DMX dann auch noch selber losheult, möchte man im Boden versinken. Natürlich nichts gegen von DMX vorgetragene Hooks generell - "We Right Here" oder "Let Me Fly" sind nur wenige Beispiele für seine eigentlich große Qualität auf diesem Gebiet. Aber wer war so gemein, X beim Singen unter der Dusche aufzunehmen, als er versuchte, das für ihn viel zu hohe "Gonna Get Mine" zu heulen? Der Hund bellt nicht mehr - er jault, als sei man ihm auf den Schwanz getreten.

Immerhin: Der fette Importstempel auf "Redemption Of The Beast" dürfte zumindest hierzulande einen Großteil der Fans vor einem Fehlkauf bewahren. Dass sich Künstler und Label nicht über die Rechte an dem Material einigen können, ist eine Sache. Dass Seven Arts für Geld einen Haufen unfertigen Müll anbietet eine andere - auch wenn natürlich jeder durch ein bisschen Online-Recherche leicht herausfinden konnte, dass es sich hierbei kaum um etwas Offizielles handelt.

Also, lieber ein paar Monate warten. DMX hat nämlich ein echtes, von ihm abgesegnetes Album für 2015 versprochen. Mit Swizz Beatz. Und hoffentlich mit Musik, die zumindest ansatzweise an Großtaten wie "The Great Depression" oder "It's Dark And Hell Is Hot" heranreicht.

Trackliste

  1. 1. Spit That Shit
  2. 2. Built Like A Bitch
  3. 3. On And On
  4. 4. Get Up And Try Again
  5. 5. Solid feat. Rampage
  6. 6. I'm Gonna Win
  7. 7. It's A Problem
  8. 8. How's It Goin' Down
  9. 9. Shout It
  10. 10. One More Night
  11. 11. 56 Bars
  12. 12. Where You Been feat. Freeway
  13. 13. Right Or Wrong feat. Jannyce
  14. 14. Gonna Get Mine
  15. 15. We Gonna Make It
  16. 16. Love That Bitch feat. Jannyce

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