laut.de-Kritik

Ein buntes Potpourri jeglicher Musikstile.

Review von

Da sitzt man nichtsahnend in seinem Superhelden-Kostüm im Crystal Cafe – und plötzlich schleicht sich ein vermummter Kerl mit Flanellhemd und Kegel auf dem Kopf heran. "You're the one I follow." Getreu diesem Motto geht es auf in eine Welt von ravenden Muskelprotzen, einem in schwarze Kutten getauchten Frauenchor und einer Band, positioniert irgendwo zwischen Neandertaler und Abgesandte aus dem All. Geht! Geht alles bei den Crystal Fighters.

Mit ihrem Video zu "Follow" zeigt die britische Gruppe schon ganz deutlich, was den Hörer ihres Albums "Star Of Love" so erwartet: ein wilder Mix aus Altem und Neuen, ein Potpourri jeglicher Musikstile, Sounds fast willkürlich angeordnet zwischen Ibiza-Techno, baskischem Folk und Gitarren-beschwingtem Dancepunk.

Der Klang bewegt sich dabei stets auf einer schmalen Gratwanderung zwischen ungewöhnlich-interessant und eigenartig-nervtötend. Die Songideen sind häufig gut, manches jedoch wurde zu stupide, zu oberflächlich, ja, fast schon billig produziert. Ob Absicht oder nicht, spätestens beim zweiten Mal Hören des Einstiegstracks "Solar System" fängt das eigene System an, sich (auf-) zu regen.

Noch schlechter verläuft es mit "With You": Hier erreichen die Fighters ihren negativen Höhepunkt. Die Stimme ramschig verzerrt und unterlegt von fiesen Technobeats, erinnert der Track leider all zu sehr an schlechten 90er Jahre-Sound.

Mit den Singles "Xtatic Truth", "In The Summer", "I Love London", "Swallow/ Follow" finden sich dann aber auch äußerst gelungene Tracks auf dem Album. Erstgenannter gefällt vor allem wegen des charmanten Akzents der Truppe und der enormen Tanzbarkeit. "Follow" schlägt gekonnt Wurzeln zwischen Modernität und baskischem Brauchtum.

"I Love London" handelt vom Mädchen Mimi, das in der Hauptstadt Englands von Party zu Party tingeln möchte: "Willesden! Harlesden! Watford Junction!" kreischt Mimi und freut sich über jede Bahnstation. Klar, die Inhalte sind überschaubar und werden durch die kontinuierliche Wiederholung praktisch ins Hirn gehämmert - zum ordentlichen Abfeiern taugt das aber allemal. Wohl deswegen wurde der Track im letzten Jahr Clubbesuchern der ganzen Welt von nahezu jedem DJ um die Ohren gehauen.

Etwas gediegener zeigen sich die Crystal Fighters bei "Swallow". Und genau in den ruhigeren Tracks liegt die besondere Kraft der Truppe. "Plage" vermittelt Sommerlaune, ist leicht und seicht und beinhaltet eine sehr charmante Melodie. Auch die sanften "Nanana"-Klänge von "At Home" können überzeugen.

Crystal Fighters nennen ihr Album "Star Of Love". Abgekürzt "sol", also spanisch für Sonne - und genau hierfür ist diese Platte auch am besten geeignet. Sie birgt Tracks zum Relaxen am Strand, zur Urlaubsfeierei im Club ("I Love London"), der Großraumdisko ("With You") oder um betrunken einfach mal richtig dämlich auszuflippen. Vielleicht verhindert die kalte Jahreszeit das absolute Einfühlen in die Ideen der Crystal Fighters. Und so wirkt "Star Of Love" wie ein durchaus interessantes Album, dem eine klare Linie allerdings fehlt.

Trackliste

  1. 1. Solar System
  2. 2. Xtatic Truth
  3. 3. I Do This Everyday
  4. 4. Champion Sound
  5. 5. Plage
  6. 6. In The Summer
  7. 7. At Home
  8. 8. I Love London
  9. 9. Swallow
  10. 10. With You
  11. 11. Follow

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5 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    schwache review.
    album is der hammer 5/5.
    vor allem xtatic truth is überragend. für mich der beste song 2010.

    solar system finde ich wächst enorm mit der zeit und wird sogar immer besser, als zu nervn.
    auch with you geil.

    aber naja, für den schlechten geschmack und mangelndes musikalisches talent kann debbie ja nix.

  • Vor 7 Jahren

    Bin auch bißchen überrascht über die Review und vorallem wenn jeder DJ I Love London letztes Jahr jedem "um die Ohren gehauen hat", wieso kommt dann jetzt erst ein Kritik wo doch das Album Star Of Love schon länger erhältlich ist?

  • Vor 7 Jahren

    stimme dem rezensenten zu: uninspiriertes, kantiges und nervtötendes Album. Wollen wohl am besten Crystal Castles, MGMT, The Knife, Pendulum, The Prodigy und M.I.A. auf einmal sein -- und so klingt die Platte auch recht unentschlossen. Würde ich es nicht besser wissen, würde ich sagen, dass die Band ein riesiger Marketinggag ist, der darauf abzielt, alle Geschmäcker hiesiger Indiepopper mit einem Schlag abzudecken und schnell Kohle einzuheimsen... in einem Jahr hört man von denen sicher nichts mehr (oder sie entscheiden sich doch mal für etwas eigenes...).

  • Vor 7 Jahren

    @kennyscurse: lappen... sei ma nich so nen depressiver miesmacher und möchtegern hipster nummer 1.

    das album is mega gut, grade weil es so viele stile vereint.
    das besondere is halt, dass man dennoch einen eigenen stil erkennt und dass sie halt fast nur das beste jener bands vereinen.

  • Vor 7 Jahren

    kann dem review auch nicht zustimmen. bekommt von mir 5 sterne, macht einfach spass. Auch wenn kennyscrurse recht haben mag das man hier Crystal Castles, MGMT, The Knife, Pendulum, The Prodigy und M.I.A raushört. Ja und? Verstehe diese Argumentationen immer nicht.
    Letztendlich eine Platte die Laune macht und alles positive von den oben genannten verbindet . Das muss man halt auch erstmal können.