laut.de-Kritik

Ein schaurig schönes Bild.

Review von

Converge kooperierten bereits vor fünf Jahren mit Chelsea Wolfe, ihrem Keyboarder Ben Chisholm sowie Cave In-Sänger Stephen Brodsky. Gemeinsam gab man unter dem Namen Blood Moon beim Roadburn Festival in Tilburg ein paar dunkle neue Versionen von Converge-Klassikern zum Besten. Ende 2019 begann dann die Arbeit an neuen Songs in Kurt Ballous GodCity Studio in Salem, Massachusetts. Weitere Sessions waren für 2020 geplant, doch aufgrund der Corona-Pandemie arbeitete man getrennt voneinander weiter, das Ergebnis hört nun auf den Namen "Bloodmoon: I".

Die Scheibe stellt eine echte Gemeinschaftsarbeit dar. Alle Beteiligten brachten ihre Ideen in das Projekt ein, und dementsprechend vielfältig gestaltet sich das Werk. Das Chaotische von Converge findet man ebenso wie die Schrulligkeit Cave Ins sowie das Gespenstische Wolfes und Chisholms. Jedenfalls nimmt die Platte mit jedem neuen Track eine andere Gestalt an. Und trotzdem: Die verschiedenen Einflüsse fügen sich zu einem in sich geschlossenen, schaurig schönen Bild.

Schon "Blood Moon" hat mehr Kreativität zu bieten als manche Band in ihrer gesamten Karriere. Ausgehend von düsteren Piano-Parts nimmt das Stück aufgrund der beklemmenden Gesangspassagen Bannons und Wolfes an Intensität zu, diese entlädt sich in wüsten Shouts. Die Aggressivität tritt dann kurz in den Hintergrund, um Wolfes Stimme mehr Raum zu geben. Die Nummer mündet schließlich in ein wuchtiges Finale, das nur noch pure Verzweiflung hinterlässt.

Auch im weiteren Verlauf passiert eine ganze Menge. Das sich kontinuierlich in immer theatralischere Sphären aufschwingende "Coil" dürfte das beste Beispiel dafür sein, wie viel Gemeinschaftsarbeit in diesem Album steckt. Der Song lebt vom besonderen Zusammenspiel der Stimmen Bannons, Wolfes und Brodskys, den dramatischen Streicherklängen sowie der dynamischen Schlagzeug- und Saitenarbeit, ein Hit.

An Hits mangelt es der Scheibe auch in der Folge nicht. Vor allem Brodsky zeichnet dafür verantwortlich. Er trägt mit seinem Gesang das doomige "Flower Moon" und die getragene Alternative Rock-Nummer "Failure Forever". Im letztgenannten Track teilt sich der 42-jährige die Gesangsparts mit Bannon. Mit "Crimson Stone" gibt es später noch ein nachdenkliches Duett von Bannon und Wolfe, das auf eine melodiöse Hook zuläuft - der majestätische Kulminationspunkt der Platte.

Zwischendurch kommt die Aggressivität Converges nicht zu kurz, etwa, wenn in "Viscera Of Men" brachiale Rifftürme psychedlisch folkige Momente ablösen, oder wenn Bannon in "Tongues Playing Dead" mit seinem heiseren, übel gelaunten Gekläffe den Ton angibt. Den besonderen Stempel drückt dem Werk aber Wolfe auf. Immer wenn ihre Stimme ins Spiel kommt, schwingt etwas zugleich Verletzliches wie Mystisches mit.

Gerade "Scorpion's Sting" vermittelt dies eindrücklich, wenn sich verrauchter Gothic Blues, Psychedelik und der elegische Gesang der 38-Jährigen auf betörende Art und Weise zu einem apokalyptisch dunklen Gemisch aus Lust und Leid verbinden. Letzten Endes kommt auf diesem Album das Beste aus unterschiedlichen Welten zusammen, was Converge ganz neue Hörerschichten bescheren dürfte.

Trackliste

  1. 1. Blood Moon
  2. 2. Viscera Of Men
  3. 3. Coil
  4. 4. Flower Moon
  5. 5. Tongues Playing Dead
  6. 6. Lord of Liars
  7. 7. Failure Forever
  8. 8. Scorpion's Sting
  9. 9. Daimon
  10. 10. Crimson Stone
  11. 11. Blood Dawn

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3 Kommentare mit 2 Antworten

  • Vor 14 Tagen

    Der Titeltrack klang für mich, als ob man die jeweiligen Stile der Hauptacts schnöde aneinanderkleistert. Den Rest vom Album finde ich aber begeisternd, es besticht mit großartigen Melodien und seiner düsteren Stimmung. Schaurig schön trifft es gut.

  • Vor 13 Tagen

    Bin voll dabei, trotz Brodsky - der mir auch meine bis dahin so geliebten Cave In in der bekannten Version völlig zerschreddert hat... Aber hier macht er an einigen Stellen tatsächlich so was wie Sinn oder zumindest stimmige Atmosphäre.

    Bis auf den Titeltrack ist die Kollabo insbesondere zwischen Chelsea und Converge absolut gelungen und zeigt überdeutlich auf, aus welchen Gründen Musiker*innen generell - wenn überhaupt - miteinander kollaborieren sollten. Um gemeinsam was neues leicht abseits der individuell bereits ausgelatschten Pfade zu erschaffen.

    • Vor 12 Tagen

      Ich frage mich lediglich, warum sie das unter dem Namen Converge machen, statt wie 2016 als Blood Moon, denn deren Sound dominiert meiner Meinung nach nicht. Aber eventuell wollte man dem "Super Group" Stempel entgehen.