laut.de-Kritik

Die Doom-Ikonen spielen ihre Stärken aus.

Review von

Unsicherheit darüber, ob Candlemass nun eigentlich aufgelöst sind oder nicht, sich nur temporär wiedervereinigen oder doch Langzeitpläne haben, hat inzwischen schon traditionellen Wert. Die Doom-Ikonen überraschen in all dem Hin und Her dennoch ständig. Da fliegt plötzlich Mats Levén aus dem Line-Up und Johan Längqvist, der 1986 das legendäre Debüt "Epicus Doomicus Metallicus" eingesungen hatte, ploppt aus dem Nichts wieder auf. "The Door To Doom" landet die höchste Position in den deutschen Albumcharts, die die Schweden bislang erreicht haben. Viele Randnotizen, dabei zählt im Grunde eh nur: Candlemass liefern eins ihrer stärksten Alben.

Machen wir uns nichts vor: Längqvists Vocals auf "Epicus Doomicus Metallicus" stinken gegen die seines Nachfolgers Messiah Marcolin ziemlich ab. Und sein jetziger Vorgänger Mats Levén sang im Studio für Candlemass zwar nur die EPs "Death Thy Lover" und "House Of Doom", brachte mit seiner Arbeit in Krux trotzdem gehörigen Abstand zwischen sich und Längqvists Achtzigern und dessen jüngerer Band Impulsia. Die Skepsis verfliegt aber bereits, als der Sänger seine Hörer mit den Worten "Good morning, demon majesty" in "Splendor Demon Majesty" begrüßt. Längqvist reitet auf den druckvoll produzierten Gitarrenriffs, rückt schnell in den Mittelpunkt der Kompositionen und begeistert auf Albumlänge mit kraftvollen Melodien. Dank viel Vibrato in der Stimme erinnert er dabei tatsächlich oft an Levén bei Krux.

Von ungefähr kommt das nicht. Egal ob bei Candlemass, Krux, Avatarium oder The Doomsday Kingdom, wenn Leif Edling an Riffs und Melodien beteiligt ist, hört man seine Handschrift stets heraus. "The Door To Doom" bildet da keine Ausnahme. Wenn sich "Death's Wheel" zäh, aber beständig zu massiven Gitarren dreht, klingt das vertraut, dank der modernen Produktion aber nie verbraucht. Die kreativen Leads und Edlings Geschick, mit relativ simplen Mitteln ungeheure Epik zu entfesseln, tun ein Übriges. Acht Arme reichen nun mal, um einen Oktopus anzutreiben. Dass die Arme neun und zehn bei "Astorolus – The Great Octopus" von Tony Iommi stammen, der ein kurzes Solo beisteuert, ist zwar ein nettes Schmankerl, wäre aber nicht zwingend nötig gewesen.

Der stilistische Candlemass-Rahmen ist zwar im Kern konservativ gesteckt und nach weit über 30 Jahren Karriere ändert man freilich nicht mehr viel daran. Trotzdem herrscht genug Abwechslung im Raum, den "The Door To Doom" eröffnet. Mit flüssigen Tempowechseln hält die Band die Songs spannend und unvorhersehbar. Selbst "Black Trinity", das mit sekundenlang gehaltenen Noten beginnt und sich insgesamt eher schleppt, bekommt einige Arschtritt-Momente. Plötzlich wähnt man sich gar in einem Voodoo-Jam. Durch "The Omega Circle" wehen am Ende luftige Rock-Vibes, die auch wegen des Schellenkranzes an Avatarium erinnern. "Bridge Of The Blind" lockert als Ballade mit leichter Akustikgitarre angenehm auf.

Candlemass behaupten ihre Stellung als Bollwerk im Doom Metal, Johan Längqvist legt ein fulminantes Comeback hin und Leif Edling bestätigt sich als Qualitätsgarant. Was der Rückkehr der zwischendurch totgeglaubten Band noch das Krönchen aufsetzt: Edling, der wegen chronischen Erschöpfungssyndroms jahrelang den Live-Aktivitäten seiner Projekte fernbleiben musste, absolvierte gerade mit Candlemass eine Tour im Vorprogramm von Ghost. Damit stehen also wirklich alle Zeichen auf Sieg.

Trackliste

  1. 1. Splendor Demon Majesty
  2. 2. Under The Ocean
  3. 3. Astorolus – The Great Octopus
  4. 4. Bridge Of The Blind
  5. 5. Death's Wheel
  6. 6. Black Trinity
  7. 7. House Of Doom
  8. 8. The Omega Circle

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3 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 2 Monaten

    Jaaa! Geiles Ding! Die Soli sind sehr sexy!

  • Vor 2 Monaten

    Etwas spät.. aber im Jahr 1991 war es dann soweit. Die LP von Candlemass - Nighfall erreichte mich. Nachdem die Scheibe 2 Jahre rauf und runter lief, holte ich mich mir noch den Vorgänger Epicus Doomicus Metallicus und die schon erschienen Alben Ancient Dreams und Tales of Creation. Für mich war das die Band Anfang der 90er. Candlemass war ein Grossteil meiner Jugend.

    Nun ist er also zurück Johan Längquist. Wie das genau passiert ist würde mich wirklich interessieren. Der Mann hat praktisch nichts in seiner Vita stehen. Also Hype auf jeden Fall gross, das war klar.

    Nach 2 Durchgängen gibt es ein paar Highlights. Astorolus/Bridge of the Blind/Deaths Wheel. Für mich jedenfalls ist die Zeit vorbei. Leider bleibt auch dieses Album hinter meinen Erwartungen zurück. Nicht das es ein schlechtes Album wäre. Man muss halt die Musik seit dem Jahr 2000 von den Kollegen da mögen. Solide 3.5/5

    Ich weiss, dass aber die Tage im Zuge dessen die alten Scheiben mal wieder rauf und runternudeln. Das ist doch auch positiv.

  • Vor 2 Monaten

    "ist zwar ein nettes Schmankerl, wäre aber nicht zwingend nötig gewesen."

    Was für ein selten dämlicher Kommentar. Hätte er lieber auf die Chance verzichten sollen, sein Vorbild und den Vater aller Heavy Metal Gitarristen auf seinem Album zu haben, weil das Solo "nicht zwingend nötig gewesen" ist?

    • Vor 2 Monaten

      Nein, ganz und gar nicht. Das soll heißen, dass man dem Song auch ohne Iommis Beteiligung "Thumbs up" hätte geben können. Nimmt man gern, aber ohne wäre "Astorolus" keinen Deut schlechter gewesen.