laut.de-Kritik

Vertrackte Post-Prog-Metal-Kost aus Belgien.

Review von

Die Band Brutus präsentiert sich alles andere als gewöhnlich. Als Trio operierend, zünden die Belgier ein Sound-Feuerwerk, für das so manch sechsköpfige Combo Haus und Hof verkaufen würde. Irgendwo zwischen Post-Rock, Prog-Rock, Hardcore, Math-Metal und Alternative pendelnd lassen es die drei Verantwortlichen auf ihrem Debütalbum "Burst" ganz schön krachen.

Die Dame, die dabei für das größte Aufsehen sorgt, hört auf den Namen Stefanie Mannaerts. Ihres Zeichens Schlagzeugerin und (!) Sängerin der Band. Ihre beiden Mitstreiter Stijn Vanhoegaerden und Peter Mulders machen aber auch ordentlich Alarm. Während Stijn mit frickelnden Prog-Licks, brettharten Powerakkorden und akzentuiert eingestreuten Zupf-Eskapaden glänzt, hält Peters röhrender Bass alles schön zusammen. Und das ist definitiv Schwerstarbeit, denn hinter Peter trommelt und singt sich Stefanie die Seele aus dem Leib.

Wie eine wildgewordene Furie bearbeitet die zierliche Brünette ihre Kessel. Einzelne Songs herauszupicken, in denen man die 'Frontfrau' in punkto Kategorisierung einfangen kann, macht keinen Sinn. Stefanie drückt nämlich jedem Track einen neuen Stempel auf.

Mal im Prog-Punk-Modus ("March"), dann mit bleichem Gesicht und Black Metal-Hörnchen auf dem Kopf ("Not Caring") und zwischendurch immer mal wieder gerne mit dem Hang zu stampfenden Haudrauf-Rhythmen ("Bird"): Stefanies Gliedmaßen sind stets in Bewegung und lassen jeden Männer-Kollegen nicht nur einmal vor Neid erblassen.

Auch mit ihrer Stimme erntet das Band-Aushängeschild viel Applaus. Wahlweise himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt, umgarnt das markante Organ, das phasenweise an das von Flyleaf-Röhre Kristin May erinnert, jeden Song des Albums mit der passenden Atmosphäre.

Sicher, am Ende steht fest: "Burst" ist kein Happen für Jedermann. Hier werden sich Freunde eingängiger Rock- und Metal-Klänge selbst nach dem dritten Durchlauf noch verwirrt am Kopf kratzen. Fans von vertrackten Mischmasch-Orgasmen hingegen werden die Lauscher extra weit aufsperren. Versprochen.

Trackliste

  1. 1. March
  2. 2. All Along
  3. 3. Not Caring
  4. 4. Justice De Julia II
  5. 5. Drive
  6. 6. Bird
  7. 7. Crack/Waste
  8. 8. Looking For Love On Devils Mountain
  9. 9. Horde II
  10. 10. Baby Seal
  11. 11. Child

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9 Kommentare mit 6 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    die erste hälfte bis einschließlich "bird" ist stark, eklektisch im besten sinne, sodass gefrickelfans, freunde härterer klänge und freunde atmosphärischer musik auf ihre kosten kommen, obwohl die einzelnen stilelemente schon sehr stark der songdienlichkeit unterworfen sind, aber spannend kombiniert werden. ab "crack/waste" wirds aber leider recht langweilig, diese post-rock- und atmospheric black metal-anleihen à la alcest nehmen überhand, math kann mans nicht mehr wirklich nennen, und die ausbrüche erweisen sich als relativ zahnlos und vorsehbar, somit für mich leider langweilig. der finale song "child" ist allerdings nochmal ein ziemliches sahnestück, das die stärken der platte vereint. insofern gehen 3/5 insgesamt für mich in ordnung.

    für freunde von post-metal im stile von pelican, cult of luna, isis o.ä. empfehle ich unbedingt cranial mit "dark towers, bright lights". scheint die nachfolgeband von omega massif zu sein und schlägt in dieselbe kerbe, aber das album ist noch weitaus heavier, dennoch zugänglicher. die musik zieht dich mit ihrer tonnenschwere und dem unerbittlichen groove und die tiefe und du genießt es..
    hier ein kleiner vorgeschmack: https://www.youtube.com/watch?v=ELa4hLQg5yg (leider keinen vollständigen song auf youtube gefunden)

  • Vor 2 Jahren

    Gefällt mir äußerst gut und rotiert hier jeden Tag in der Anlage. Ziemlich intensiv, schöne Tempowechsel und die Melodien die sie über das Geknüppel von "Child" singt, machen das Album für mich zu einem echten Meisterwerk.

  • Vor 2 Jahren

    Fängt recht schnell und gefällt, hält aber nicht lange an und stürzt nach ein paar Tagen steil ab. Fehlkauf.