laut.de-Kritik

Düstere, schwebende Flächen wie radioaktiver Nebel.

Review von

Dolores. Das ist die Frau, die den Schmerz schon im Namen trägt. Frau + Schmerz = Süßer Schmerz, also. Dolores. Wenn das kein passender Titel für eine Bohren & Der Club Of Gore-Platte ist, weiß ich auch nicht.

Nachdem die letzte Bohrenscheibe "Geisterfaust" noch einmal so deutlich ruhiger, langsamer und entweltlichter geriet, als deren Vorgängerin "Black Earth", werden sie doch nicht etwa nochmals ... noch langsamer?

Quasi im Stillstand? Gegen die Zeit? Ein Ton über 14 Minuten? Und dann die Erlösung: Nein, sie werden nicht. Kein billiges unreflektiertes Fortschreiten in dieselbe Richtung. Wie früher eine Weile bei Speedmetalbands und anderweitigen Grind-oder-sonst-wie-Core-Kapellen üblich: immer schneller, alles andere ist egal.

Nein. Immer noch sehr getragen, verbindet "Dolores" Elemente aus "Geisterfaust'" und "Black Earth" und fügt ein paar neue, sehr feine Ingredienzien hinzu. Nach wie vor bleiben die schwebenden düsteren Flächen, die wie radioaktiver, dunkelgrün leuchtender Nebel aus den Boxen kriechen und dein Schlafzimmer in einen mystischen Ort verwandeln, allgegenwärtig. Akzentuiert durch sparsam eingesetzte Drums führen sie den Hörer sanft durch die erste, drei Stücke währende Passage mitten in "Dolores"' Kern.

Dort wartet dann erstmals das Saxophon. Auch diesmal bedient sich der Club des schon bei "Geisterfaust" angewandten Tricks, dieses Instrument erst nach einer gefühlten Ewigkeit, bei "Unkerich", ins Spiel zu bringen. Wenn es dann einsetzt, so warm und scheu und sehnsuchtsvoll, gefriert dem Hörer geradezu das Blut in den Adern. Heiß und kalt, hoffnungsvoll und hoffnungslos, das dunkle und helle Flimmern liegen für einen Moment so nahe beieinander, dass sie fast dasselbe sind. Oder zu sein scheinen.

Doch die Erlösung währt nur kurz. Schon bei "Welk" nimmt uns der Club das sanfte Gebläs wieder weg und führt uns in die unendlichen Tiefen des Bohrenuniversums hinab. Dort erscheint dann ab und an ein E-Piano aus den Kriechnebeln, das mit verhalten angedeuteten Melodien den Pfad weist. Bei "Faul" kehrt die Schöne zurück - "Dolores" erscheint im Schimmer der nächsten Saxophonlinie und leuchtet von innen heraus. Bohren At Its Best, kann man da nur sagen.

Die Titel der Stücke wurden dementsprechend mit spitzen Fingern gewählt: "Staub", "Welk", "Still Am Tresen" und "Unkerich" deuten nochmal deutlich an, was hier gespielt wird. Ein Gesamtkunstwerk sozusagen.

Das alles bietet dem Durchschnittsbürger nicht unbedingt Gudelaune- oder Feierei-Musike. Eher handelt es sich um eine filigrane und doch ausdrucksstarke Art, die Höhen und Tiefen des Lebens auf individuelle Weise musikalisch zu abstrahieren. Dennoch keine reine Kunstmusik, sondern mit großem Genuss hörbar. Vielleicht eher bei Rotwein, als bei Bier. Aber ich bin ohnehin Weintrinker, zumindest im Winter.

Trackliste

  1. 1. Staub
  2. 2. Karin
  3. 3. Schwarze Biene (Black Maja)
  4. 4. Unkerich
  5. 5. Still Am Tresen
  6. 6. Welk
  7. 7. Von Schnäbeln
  8. 8. Orgelblut
  9. 9. Faul
  10. 10. Welten

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