laut.de-Kritik

Eine kleine Portion Gänsehaut...

Review von

Das Enfant Terrible des "Neuen Deutschen Kinos" Ben Becker versucht nicht erst seit gestern, sich einen Namen im Musikgeschäft zu machen. Zusammen mit der Zero Tolerance Band bringt er nun sein zweites Album auf den Markt. Aber wenn Schauspieler über den Tellerrand ihres Business hinausblicken, fehlt ihnen oft das Handwerkszeug: die Gesangsstimme. Becker verfügt über ein wirklich kraftvolles Organ, trainiert durch die Arbeit auf der Bühne und vor der Kamera. Sein Gesang bleibt aber oft im pathetischen Rezitieren stecken, immer wieder versucht er, eine noch pompösere Hymne zu erschaffen. Stets bemüht, dem Zuhörer und sich selbst eine kleine Portion Gänsehaut mitzugeben. Dies liegt wohl auch an den selbstgeschriebenen Texten, die allesamt von theatralischer Ästhetik überborden und von Kämpfern, Haudegen, Desperados und Helden des Alltags handeln. Alter egos des Ben Becker?

Apropos Helden. Auf dem neuen Album durfte natürlich auch nicht Beckers private Hommage an David Bowie fehlen. Mit "Helden" covert er Bowies unvergessenen Hit, den der Meister seinerzeit selbst schon mit deutschem Text bekleidete. Ein gewagtes Spiel für Becker, welches er aber fast brillant meistert. Dies liegt aber auch an der geschickten Wahl seiner Musiker. Die Zero Tolerance Band (vorwiegend bestehend aus Jacki Engelken und Ulrik Spies) entfaltet ein breites Spektrum zwischen ambientem Synthiepop und sperrigen Hit-Balladen ("Engel wie wir"), jazzigen Bläserparts ("Wir heben ab", "Ich liebe nur dich") und rockigen Hymnen ("Moloch"). Die Musiker schaffen dadurch immer die zweckmäßige Kulisse für den Schauspieler Ben Becker, der lieber Rockstar geworden wäre.

Trackliste

  1. 1. Moloch
  2. 2. Wir heben ab
  3. 3. Maschine brennt
  4. 4. Kippy
  5. 5. Engel wie wir
  6. 6. Richtig fliegen
  7. 7. Ich liebe nur mich
  8. 8. Hells Angels®
  9. 9. Helden
  10. 10. Legion
  11. 11. Erdbeerfelder

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