laut.de-Kritik

Paradoxer Spagat zwischen Melancholie und Lebensfreude.

Review von

Harte Zeiten hat Beirut-Mastermind Zach Condon hinter sich. Vom Erfolg des Zweitlings "The Flying Club Cup" überwältigt, bricht Condon die Tournee 2008 ab. Zusammenbruch, Krankheit, Burn-Out lautet die Diagnose. Es folgt eine Doppel-EP im Jahre 2009, jetzt wagt sich Condon mit seinen Damen und Herren wieder an einen Langspieler.

Vom intimsten Werk der Folkies wird gesprochen. Der Balkan, die Champs-Elysées und Mexiko waren auf den vorangegangenen Alben zu entdecken, wohin verschlägt es uns nun?

Tatsächlich hat man häufig den Eindruck, direkt ins Innere Condons zu reisen. Der akustische Weltenbummler bummelt nicht mehr, "Santa Fe" wird jetzt besungen, eine seiner amerikanischen Heimatstädte. Innere Sehnsucht statt Fernweh lautet das neue Motto. Elektronische Unterstützung macht das Stück zu einem lebendigen Popsong, die Bläser schimmern wie der Sonnenaufgang am Horizont, dennoch tropft die Melancholie aus jeder Pore "Rip Tides".

Condons neue Freude am Rhythmus kontrastiert mit dem sehnsüchtigen Gesang. Die Bläser mimen Himmelschöre, während Condon in der Hölle schmort. Seine Liebe zu Folklore und klassischen Instrumenten ist ihm in der Einsamkeit nicht abhanden gekommen. In theatralische Ausmaße komponiert das Mastermind Akkordeon, Horn und Trompete ("A Candle's Fire") und räumt ihnen stets viel Platz ein. In "The Peacock" machen sie gar den gesamten Song aus, dazu sinniert Condon in überlagerter Mehrstimmigkeit und schafft so eines der bemerkenswertesten Stücke auf "The Rip Tide".

Auch in "Goshen" schweigen Beirut nicht, eine minimalistische, beinahe betäubte Pianoballade, die dann von vorsichtiger Marching Drum geschüttelt wird. Ebenso verträumt, wenn auch um ein Vielfaches wacher, kommt "Cuixmala" daher. In "Payne's Bay" stampft der altbekannte Walzer. Viele Motive aus den Vorgängern sind auch auf dem Drittling erhalten geblieben, Harmoniesucht und Schunkelei oder auch die im Grunde bodenständige Folklore, die von Condon aber in schwindelerregende Höhen komponiert wird.

Zach Condon gelingt ein paradoxer Spagat zwischen Melancholie und Lebendigkeit. Ein weiteres Mal nimmt er uns mit auf seine Reise. Diesmal geht es aber nicht in die Ferne, nicht nach Osteuropa, nicht nach Frankreich und auch nicht nach Lateinamerika. Es geht tief hinein in das Seelenleben Condons. Was wir da finden, klingt zwar traurig, aber sein Herz schlägt rhythmisch und in vollen Zügen.

Trackliste

  1. 1. A Candle's Fire
  2. 2. Santa Fe
  3. 3. East Harlem
  4. 4. Goshen
  5. 5. Payne's Bay
  6. 6. The Rip Tide
  7. 7. Vagabond
  8. 8. The Peacock
  9. 9. Cuixmala

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