laut.de-Kritik

Angst-Pop zwischen The Notwist und David Lynch.

Review von

Hinter dem Künstlernamen Bayuk steckt der Musiker Magnus Hesse, der sich gegen jede zeitgenössische Ästhetik sträubt: Auf dem Cover wirkt er gelangweilt wie auf einem Neunzigerjahre-Klassenfoto, musikalisch widersetzt er sich allen aktuellen Indie-Hypes.

Vielleicht könnte man Bayuks Musik Angst-Pop nennen. Die mal fiebrigen, mal schwelgerischen Melodien, über denen seine gespenstische, verfremdete Stimme schwebt, würden gut zu einem David Lynch-Film passen, in dem sich hinter roten Vorhängen düstere Geheimnisse erahnen lassen und schräge Charaktere schrille Töne von sich geben.

Sein beeindruckend kompromissloses Debüt nahm Bayuk zusammen mit Tobias Siebert (Klez.e, And The Golden Choir) auf. Der kennt sich in depressiven wie intellektuellen Feldern bestens aus, die bereits Radiohead oder The Cure ausgiebig beackerten. Bayuk pflanzt dabei noch viele zusätzliche musikalische Samen in die Erde, so dass zarte Streicher sowie Soundcollagen erblühen und daraus kleine strahlende Hits entstehen: "Haaappiiiiiiiiiiiiinneeeeezz" beispielsweise, ein selten lässiger Track, der als Home-Recording anfängt, dann abbricht und in Studioqualität seine volle Kraft entfaltet.

Solch kleine Details und Spielereien machen "Rage Tapes" zu einem experimentellen Abenteuer zwischen The Notwist, Arcade Fire und Bonnie 'Prince' Billy. Das Album wirkt insgesamt wie ein Gemälde, das mit einer Skizze beginnt, über die nach und nach immer mehr Farbe aufgetragen und aufgetupft wird. Genau so klingt auch die Produktion. Über Bayuks Akustikaufnahmen legte Siebert im Studio viele Effekte, Handclaps, Xylophone, Streicher und Samples.

Vielleicht entsteht deshalb dieser merkwürdig anachronistische Rückwärtseffekt, den die Songs ausstrahlen, verstärkt von Bayuks schillernder Stimme, die abwechselnd an eine Soul-Sängerin und den rückwärts sprechenden Zwerg aus dem Lynch-Universum erinnert.

Trackliste

  1. 1. Phantom Track
  2. 2. Haaappiiiiiiiiiiiiinneeeeezz
  3. 3. Old June
  4. 4. Shoot Me
  5. 5. Lions In Our Bedroom
  6. 6. The Beasts Have Arrived
  7. 7. The Scales (Weight Two)
  8. 8. Plastic Moon
  9. 9. If I'd Ever

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