laut.de-Kritik

Sie weiß, was Frauen wirklich denken.

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Jetzt singt sie schon wieder! Nach fünf Jahren musikalischer Sendepause meldet sich die 44-jährige Barbara Schöneberger mit "Eine Frau Gibt Auskunft" zurück. 2007 fand sie noch: "Männer muss man loben". Mit diesem Album gibt die Moderatorin des Eurovision Song Contests nun ihre Gegenrede ab.

In "Der Blonde Engel" macht sie unmissverständlich klar, wie sie mit irgendwelchen Mackern verfährt, für die Treue scheinbar nichts zählt: "Wenn's drauf ankommt, knall' ich dich ab!" Für die passende Musik sorgen The BossHoss. Mit der Schöneberger sollte man sich als Mann also besser nicht anlegen. Den Problemen ihrer Zeitgenossinen nähert sie sich auf dieser Scheibe humorvoll und aus unterschiedlichen Perspektiven an.

Im balladesken "Das Beste Date Seit Jahren" befasst sie sich mit einer alleinerziehenden Mutter, die von einem Abenteuer mit einer jüngeren Person träumt. Mehr Abwechslung im Liebesleben erhofft sich andererseits auch eine Akademikerin, wie man es im swingenden "Knick In Meiner Biographie" hört. Trotzdem erteilt die Sängerin in "Mädchen Mein Mädchen" der jüngeren Generation den Ratschlag: "Traue keinem Mann!". Dass im hektischen Beziehungsleben die eigenen weiblichen Bedürfnisse irgendwann auf der Strecke bleiben, thematisiert "Du Willst Es Doch Auch". Da lässt es sich als Frau doch ungebunden deutlich besser leben.

Musikalisch bietet die Platte keine neuen Erkenntnisse. Als Produzenten fungierten Peter Plate von Rosenstolz und Ulf Leo Sommer, der in der Vergangenheit bereits mit Helene Fischer und Sarah Connor arbeitete. Und so schwimmen manche Songs zu sehr in Deutsch-Pop-Fahrwassern ("Happy Patchwork Family", "Alles Gute Und So Weiter"). Begeisterungsstürme lösen auch die restlichen Tracks kaum aus. Die Country-Ausflüge ("Mein Goldfisch Und Ich") und die mediterranen Schlager-Anklänge ("Sonnenallee") vermitteln einen beliebigen und austauschbaren Eindruck. Die Francoise Hardy-Anleihen wirken dazu aufgesetzt ("Isabelle Huppert", "Vielleicht Wird's Ja Schöner").

Dahingegen bringt "Hajo Und Luise" all diese Faktoren gelungen in Einklang, wenn unter der akustischen Deutsch-Pop-Oberfläche Streicherteppiche dramatische Akzente setzen. Derweil schlüpft die Entertainerin in die Rolle von Luise. Diese singt am Abend in einer Karaokebar von der Liebe. Tagaus tagein schmiert sie für Hajo das Brot und kümmert sich um seine Wäsche. Und nie dankte er es ihr. Daher kamen Zuneigung und Wärme zwischen immer viel zu kurz. Alles in allem verleiht der blonde Engel in dem Stück den Frauen eine Sprache, die sich mit der Gefühllosigkeit ihrer Männer nicht mehr abfinden möchten. Ihre Stärke liegt demgemäß darin, das Alltägliche mit Worten glaubhaft nachzuzeichnen.

Somit verspricht der Name des Albums, was die inhaltliche Ebene anbelangt, nicht zu viel. Andererseits lässt sich über die Stimme von Barbara Schöneberger nach wie vor streiten. Dass sie nie eine professionelle Gesangsausbildung anstrebte, merkt man ihr auf dieser Scheibe schon an. Dennoch punktet sie mit Derbheit und Selbstironie. "Eine Frau Gibt Auskunft" scheitert letztlich an den kurzlebigen Pop- und Schlager-Arrangements, die man als Hörer schnell wieder vergessen hat. Insofern kann man die Zeile "Männer sind wie Fast Food" ("Mädchen Mein Mädchen") sinnbildlich auf die Musik übertragen.

Trackliste

  1. 1. Happy Patchwork Family
  2. 2. Du Willst Es Doch Auch
  3. 3. Der Blonde Engel
  4. 4. Das Beste Date Seit Jahren
  5. 5. Isabelle Huppert
  6. 6. Mein Goldfisch Und Ich
  7. 7. Knick In Meiner Biographie
  8. 8. Mädchen Mein Mädchen
  9. 9. Hajo Und Luise
  10. 10. Sonnenallee
  11. 11. Alles Gute Und So Weiter
  12. 12. Vielleicht Wird's Ja Schöner

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