laut.de-Kritik

K-Pop-Mythos trifft auf Psychoanalyse nach Carl Jung.

Review von

Wer schon einmal in Berührung mit der selbsternannten ARMY gekommen ist, durfte spüren, dass die Fans der koreanischen Boyband BTS in mehr als der ein oder anderen Hinsicht an einen Kult erinnern. Das Wechselspiel zwischen den sieben Jungs mit Gefühl für Mode und (für Korea untypisch) Hip Hop und ihren Fans macht allerdings auch seit je her einen großen Teil der eigenen Marke aus. Ein Teil der Marke, der auf "Map Of The Soul: Persona" eine gewisse kognitive Dissonanz entstehen lässt: Denn während die Gruppe mit ominösen Bildern und weitläufigen Referenzen konsequent weiter in ihren eigenen Mythos investiert, sieht das ungeschulte Auge trotz allem Bombast nur eine weitere Boyband.

Das fängt bereits damit an, wie das Album gestaffelt ist. Die "Map Of The Soul" bezieht sich auf ein Theorie-Fundament, das auf der Psychoanalyse von Carl Jung beruht. Ein Gedankenspagat, der für die Musik selbst komplett unwesentlich ist, den Fans aber erlaubt, ihre obsessive parasoziale Beziehung zur Gruppe mit ein bisschen küchenpsycholgosichem Fensterschmuck zu erklären. Die Wesen von Menschen sind unterbewusst miteinander verwoben, oder so. Oder auch nicht. Egal, irgendwie kommt man von diesem Gedankengang letztlich zum Fazit, dass man mehr Merchandise kaufen sollte.

Dass die Fans im Laufe von "Map Of The Soul: Persona" immer wieder mit Lob und Dankbarkeit überschüttet werden, passt da gut ins Bild. Nicht nur, weil damit eine risikofreie Weise gefunden ist, seichte Liebeslieder mit einem gewissen Unique Selling Point aufzuladen, sondern auch, weil die Fandynamik den ganzen Spuk überhaupt erst ermöglicht. 100 Millionen Klicks auf YouTube an nicht einmal einem Tag erklären sich deutlich leichter, wenn man die Kommentare dazu liest. Da formieren Kids aus der ganzen Welt strategische Milizen, um am effizientesten Streams zu botten. Die ARMY will, dass BTS im internationalen Mainstream durchbricht.

BTS antwortet hier dementsprechend mit Sound, der sich haargenau daran orientiert, was im Westen funktionieren könnte. "Boy With Luv" schnappt sich Halsey, die selbst erst vor ein paar Wochen noch an der Spitze der Billboard-Charts stand, und zimmert mit ihr einen briesigen und wenig aufregenden Sommersong, der durch kreative Produktionstricks und einen ansteckenden Groove doch seine Wirkung entfaltet. "Make It Right" rekrutiert ausgerechnet Ed Sheeran in die Songwriting-Brigade, um eine austauschbare und harmlose Pop-Ballade zu schreiben, die weder die Stärken der Gruppe, noch die Stärken von Sheeran wirklich entfaltet.

Es ist kompetenter Pop, der alle sieben Tracks definiert. Aber die quirlige Energie früherer Hits wie "Blood, Sweat & Tears" oder "DNA" lebt nur dann auf, wenn die Gruppe nicht versucht, sich breitbeinig in amerikanische Hörgewohnheiten zu werfen. Opener "Intro: Persona" schwelt zum Beispiel voll und ganz in der Mythologie der Gruppe und samplet das Instrumental zu ihrem damaligen Debüt-Song "No More Dream", um eine optimistische Revue ihrer Superhelden-Werdung nachzuzeichnen.

Das tatsächliche Album-Highlight nach dem vielversprechenden Start findet sich aber nach einer eher matten Platte zum Schluss: "Dionysus" beendet "Map Of The Soul" mit einem vielschichtigen Kracher, der nicht nur Autotune-Trap-Elemente mit einem bombastischen Pop-Chorus und einem wunderbar gestaffelten Beat kombiniert, sondern auch thematisch unerwartet spannend daherkommt. Es geht um Exzess und Alkohol in einer subversiven Party-Hymne, die Skrupel an diesem Lebensstil wie in einem trojanischen Pferd einschleust.

Aber hier findet sich genau die Dissonanz, die das gesamte Album kennzeichnet. "Map Of The Soul: Persona" will gleichzeitig die Zementierung und Zelebrierung des Mythos BTS sein, die sich explizit an die Fans richtet und alle Referenzen und anhaltenden Themen ohne Erklärung bedient. Gleichzeitig bleibt unklar, warum diese Typen gerade Carl Jung zitieren und warum da Referenzen auf Herman Hesses "Demian" auftauchen. Form und Inhalt widersprechen sich an dieser Stelle so wesentlich, dass sich nicht ganz erschließt, wo das Ziel dieses Projekts liegt. Das ist schade, denn trotz ein paar lahmeren Nummern im Mittelteil sind die musikalischen Elemente gerade zu den Highlights wirklich faszinierend und vereinnahmend. Aber ob diese Platte den durchschnittlichen Radiohörer zur ARMY bekehren wird, muss sich erst noch zeigen.

Trackliste

  1. 1. Intro: Persona
  2. 2. Boy With Luv (feat. Halsey)
  3. 3. Mikrokosmos
  4. 4. Make It Right
  5. 5. HOME
  6. 6. Jamais Vu
  7. 7. Dionysus

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8 Kommentare mit 20 Antworten

  • Vor 5 Monaten

    "Gleichzeitig bleibt unklar, warum diese Typen gerade Carl Jung zitieren, noch, warum da Referenzen auf Herman Hesses "Demian" auftauchen. Form und Inhalt widersprechen sich an dieser Stelle so wesentlich, dass sich nicht ganz erschließt, wo das Ziel dieses Projekts liegt. "

    Na wie denn jetzt das? Man könnte ja fast den Eindruck bekommen, dass K-Pop sich zumeist fast ausschließlich an der Oberfläche abspielt und jegliche "tiefgründigen" Referenzen es nicht über den Status des Buzzwords hinausschaffen. :-O

  • Vor 5 Monaten

    Und auf ein neues ist es unglaublich unterhaltsam wie deutsche Medien ihre Beiträge vor dem veröffentlichen recherchieren und auf Fakten basierend in eine logische Struktur bringen ohne dabei Ihre eigene vorverurteilende Meinung einfließen zu lassen. Natürlich kann nicht jeder alles mögen, denn Meinungsfreiheit ist etwas was in unserer Zeit großgeschrieben wird und immer werden sollte. Möglicherweise hat der ganze Bombast Sie auch einfach geblendet in einem Grad bei dem ausgeschlossen ist die Tiefe des Gesamtwerkes zu sehen. Da kann Ihnen keiner böse sein. Apropos Recherche, schon der erste Satz enthält einen groben Fehler und wirft erhebliche Zweifel auf die Authentizität des restlichen Inhalts. Die ARMY hat sich Niemals und zu keinem Punkt selbsternannt, sondern hat diesen Namen zugewiesen bekommen. Um dieses Akronym richtig lesen und verstehen zu können braucht es übrigens nur einen Klick auf Google.

    Als kleinen Tipp für die Zukunft - Google ist zudem auch sehr hilfreich was Recherchen angeht, vorausgesetzt Sie sind der englischen Sprache mächtig.

  • Vor 5 Monaten

    Ich wünsche sämtlichen Beteiligten einen schmerzhaften Slapsticktod. Nicht nur der Band, sondern der gesamten J- und K-Pop-Industrie sowie den Leuten, die geschmacksbehindert genug sind, um das zu tolerieren.

    • Vor 5 Monaten

      Wow. Sehr erwachsener Kommentar. Troll. Ich applaudiere für so viel Geschmacklosigkeit, tiefer kann man wirklich nicht sinken. Hast du nichts besseres zutun als Hasskommentare unter laut.de Reviews zu verfassen? Das tut mir wirklich Leid, ehrlich.

    • Vor 5 Monaten

      Willkommen auf laut.de. Hörer dieser, ähem, "Musik" sind ja tatsächlich etwas langsam. Hätte man gar nicht meinen können.

    • Vor 5 Monaten

      Siehste, hast du also doch noch was gelernt. Und ich auch: dachte laut.de wäre schon lange tot. Wie ich sehe, gibt es doch noch ein paar Menschen, die immer wieder zurückkehren. Merk ich mir fürs nächste Mal, danke!

    • Vor 5 Monaten

      ich habe jetzt tatsächlich mal auf so einen videolink geklickt.
      Vollste Zustimmung an Ragism.

    • Vor 5 Monaten

      Den zu Boy with Luv? Ich kann verstehen warum dieser einfache Popsong nicht sofort auf Wohlgefallen stößt. Es ist eben einfaches Pop Gedudel, Background Story und epische Tanzchoreografien außer Acht gelassen. Wie steht's z.B. aber hier mit?: https://www.youtube.com/watch?v=M9Uy0opVF3s Wem Rap gefällt, dem könnte der Track gefallen. Oder eher doch lieber was für's Auge?: https://www.youtube.com/watch?v=nVHcXZK7pKs die Liste ist lang. Und niemals ''geschmacksbehindert''.

    • Vor 5 Monaten

      Was für widerlicher Schmarrn, diese Videos. Es gibt rein gar nicgts Positives zu vermelden, außer daß die Kameraleute ihren Job gemacht haben. Entweder, Du trollst hier erstklassig, oder Du wirst Dich in fünf Jahren, sobald Du die Präpubertät überstanden hast, sehr für diese Geschmacksbehinderung schämen.

    • Vor 5 Monaten

      Okay danke dir! Lasse noch ein paar Hashtags gegen deine negative Attitüde da #loveyourself #lovemyself #spreadlove solltest du vielleicht auch mal anfangen mit der Selbstliebe, dann gäbs viel weniger Hass im Internet, plus und das ist doch der beste Part, du wärst viel glücklicher!

    • Vor 5 Monaten

      Dieser Kommentar wurde vor 5 Monaten durch den Autor entfernt.

    • Vor 5 Monaten

      Ich liebe mich sehr. Genau deswegen werde ich mich davor bewahren, verlogene, durchkalkulierte, perfektionierte Plastikmusik von der Stange in meine Ohren zu lassen, die ihre Hörer für genauso dumm verkauft, wie sie vermutlich auch sein werden. BTS sind der beste Grund, den Klimawandel drastisch zu beschleunigen.

  • Vor 5 Monaten

    Was ist das hier für ein artifiziell behinderter Fanauflauf? Und das auch noch in korrektem Deutsch? Kann ich den Tokio-Hotel-Bash von 2008 zurückhaben? Bittedanke.

    • Vor 5 Monaten

      Dieser artifiziell behinderte Fanauflauf der momentan erfolgreichsten Boyband der Welt ist vielleicht nach Tokio Hotel und Us5 erwachsen geworden und kann sich tatsächlich in vollständigen Sätzen artikulieren. Für den richtigen Bash kann ich dich zur Capital Bra Fraktion gern weiterleiten.

    • Vor 5 Monaten

      Ich würde jetzt gern Wunder gibt es immer wieder von Bruhn und Loose anstimmen.

    • Vor 5 Monaten

      "momentan erfolgreichsten Boyband der Welt"

      Ist "Boyband" nicht irgendwie ein Synonym für "zusammengecastete, bei pubertierenden Mädels gut ankommende Jungs, die zu schrecklicher Musik rumhopsen und künstlerisch/musikalisch in etwa so erbaulich sind, wie ein in der Sonne durchgegartes Hähnchen?

    • Vor 5 Monaten

      Normalerweise würd ich dir da völlig Recht geben. Und als Mensch aus der Rock/Metal Musikindustrie in meinen late 20s hätte ich auch niemals gedacht, dass mich diese 'Boyband' auch nur ansatzweise catchen könnte. Hat sie aber. Warum? Weil es eben mehr ist als nur das. Diese Band hat nicht umsonst eine Rede bei den United Nations gehalten und Cover + Feature im Times Magazine landen können. Um das Phänomen genau zu erklären, bräuchte ich vermutlich ein bisschen mehr Platz als diesen, der Times Artikel zum Thema ist ziemlich gut, allerdings nicht frei erhältlich. Gerade kann ich nur diesen Artikel empfehlen, falls Interesse über das WARUM GENAU DIE? besteht: https://www.vox.com/culture/2018/6/13/1742…

    • Vor 5 Monaten

      "in meinen late 20s hätte ich auch niemals gedacht, dass mich diese 'Boyband' auch nur ansatzweise catchen könnte."

      Ich hätte auch nie gedacht, dass jemand Ende 20 noch "catchen" sagt. Sachen gibt's...

      Zur Musik zitiere ich mal virpi: "Pathetische Schrottmusik für Menschen, die innerlich gestorben sind."

  • Vor 5 Monaten

    "Das Wechselspiel zwischen den sieben Jungs mit Gefühl für Mode und (für Korea untypisch) Hip Hop..."
    So so, Korea kann also keinen Hip Hop! Selten so einen unreflektierten eurozentrischen Mist gelesen. TT

  • Vor 5 Monaten

    Übrigens finde ich es ganz bezaubernd, wie sehr sich die BTS-Army anstrengt, halbwegs klug klingende Verteidigungen zu schreiben. Am Ende bleiben es aber bloß Anstrengungen in der Art von "Mimimi, der Autor der Rezession hat es nur nicht kapiert! Ist halt koreanisch, und da bedeutet 'gute Musik' eben was völlig anderes. You're ignorant!"

    So könnte sich auch eine LP schönreden lassen, auf der ein Koreaner sechzig Minuten lang auf ein Toastbrot furzt. Was zumindest authentischer wäre als diese Platte.