laut.de-Kritik

Opulenter Lounge-Pop mit großer Udo-Jürgens-Geste.

Review von

Fünf Jahre Zeit zwischen zwei Studioalben: Allein der Veröffentlichungszyklus verrät den erreichten Superstar-Status der Arctic Monkeys. Höchste Zeit zum Einchecken ins "Tranquility Base Hotel & Casino". Die vier Typen sehen irgendwie anders aus auf den neuen Promofotos, ok, werden die also auch älter, beruhigend. Alex Turner trägt Bart. Eine erste Warnung. Denn wie wir seit Neil Tennant wissen, weisen Bärte in der Rockmusik stets auf ein ernstes, künstlerisches Statement hin ("Den Beatles wuchsen sie und kurz darauf war Feierabend"). So schlimm dürfte es um die Britrock-Champs zwar nicht stehen, aber ja, es ist kompliziert.

Beginnen wir zum besseren Verständnis mit einem Zitat: "Dem Rock'n'Roll werden nach wie vor beinahe schamanische Wahrheiten zugesprochen: Dass man Drogen konsumieren muss, um kreativ zu werden. Dass man sein Leben ausschließlich der Musik widmet. Wenn Menschen das unter Rock verstehen, in Ordnung. Nur finde ich, dass der Terminus Rockmusik nicht mehr zu dem Weg passt, den wir eingeschlagen haben. Diese Platte ist, als würden wir mit einem gewaltigen Schwamm alles löschen und von vorne anfangen." Der Sänger sollte recht behalten. Nach dieser Platte ist nichts mehr wie vorher. Das Zitat stammt allerdings nicht von Arctic Monkeys-Sänger Turner, sondern von Thom Yorke aus dem Jahr 2000.

"Tranquility Base Hotel & Casino" transformiert alle, die damals zu jung oder noch nicht geboren waren, in den Körper eines Radiohead-Fans, der in freudiger Erwartung einer "Ok Computer"-Fortsetzung "Kid A" vorgesetzt bekommt. Rund fünf Millionen "AM"-Albumkäufer, die heute auf "Do I Wanna Know?"-Riffwalzen warten, bekommen stattdessen opulenten Lounge-Pop mit großer Udo-Jürgens-Geste. Wie konnte das nur passieren? Oder neudeutsch, WTF???

Die Ähnlichkeiten zur alten Radiohead-Causa sind geradezu frappierend: Wie Yorke vor "Kid A" ist Turner nun 32 Jahre alt, wie Yorke litt er an einer Schreibblockade, nur dass sich Yorke zur Überwindung derselben ein Klavier kaufte - Turner dagegen ein historisches Steinway-Modell von seinem Manager zum Geburtstag geschenkt bekam. Obendrein jenes, auf dem McCartney 1968 schon "Lady Madonna" einhämmerte. Womit wir auch bei den Helden und in der Zeit angekommen wären, wo sich "Tranquility Base Hotel & Casino" musikalisch verortet.

Die Album-Eröffnung von "Star Treatment" spricht Bände. Matt Helders ist zu hören, so steht es zumindest im Booklet, also derselbe Mann, der vor zwei Jahren auf Iggy Pops "Post Pop Depression" die Rock'n'Roll Highschool mit dem Checker-Orden am Bande verließ. Nun konzentriert sich Helders auf seine Toms und liebkost die Becken, Bassist Nick O'Malley zieht mit prägnantem Spiel alle Aufmerksamkeit auf sich, Gitarrist Jamie Cook ist erst gar nicht zu hören, im Hintergrund erklimmt Tame Impalas Cam Avery höchste Tonhöhen. Dann Turner: "I just wanted to be one of The Strokes / Now look at the mess you made me make." Ein Auftakt mit Ansage.

Tatsächlich haben Turners alte Vorbilder solch ein Sound-Update nie hinbekommen, dafür musste Sänger Julian Casablancas schon solo loslegen. Der erste Song "Star Treatment" zieht sich hin, fühlt sich an wie ein Endlosloop, man fragt sich: wann kommt denn endlich der Refrain, aber es kommt keiner. Damit ist "Tranquility Base Hotel & Casino" relativ gut umschrieben. Nachvollziehbar auch, dass die Arctic Monkeys auf Single-Veröffentlichungen wie einst Radiohead verzichteten, um einen letzten "Kid A"-Vergleich zu bemühen.

"Maybe I was a little too wild in the 70s / back down to earth with a lounge singer shimmer (...) two shows a day, four nights a week", imaginiert sich Turner in die Ära der großen amerikanischen Entertainer mit Whiskeygläsern, Lackschuhen und ölhaltigem Haarwasser zurück. Und der Smoking sitzt perfekt: Turner füllt die großen Fußstapfen mit virtuosem Stimmvolumen voll aus. Selbst wenn man manchen Melödiebögen erst nach längerer Einarbeitungszeit folgen kann.

Einen Hit, und damit die Währung, mit der es diese vier Typen aus Sheffield überhaupt bis in den New Yorker Madison Square Garden geschafft haben, findet man maximal an einer Stelle: Präzise wie so viele anbetungswürdige Helders-/O'Malley-Rhymthmusstrukturen auf "AM" stolziert "Four Out Of Five" auf flirrendem Synthie-Teppich voran, lässt im Refrain leuchtende Beatles-Harmonien ("Abbey Road") aufblitzen und erinnert auch sonst an viele tolle Last Shadow Puppets-Momente.

Weder wundert es hier, dass Turner im Angesicht seiner Piano-Demos zunächst an eine Soloplatte dachte, noch die ehrliche Einschätzung von Cook im Mojo-Interview, er habe sich nach dem ersten Hören der Turner-Songs darunter kein Arctic Monkeys-Album vorstellen können. Auch Helders spricht von einem Lernprozess, der in seinem Fall beinhaltete, die Faszination für das Erkunden nie dagewesener Drummingmuster ad acta zu legen: "Ich habe irgendwann gemerkt, dass es nicht um mich geht, sondern darum, diese Songs zu spielen."

Mit Hilfe einiger Freunde, darunter Tour-Keyboarder Tom Rowley, TLSP-Tour-Drummer Loren Humphries, James Righton (Klaxons) sowie Zach Dawes und Tyler Parkford von den Mini Mansions an Gerätschaften wie Farfisa-Orgel, Pauken, Glockenspiel und Vibraphon entstand ein Album voll monotoner Grooves, ähnlich dem von Turner geliebten Serge Gainsbourg-Album "Histoire de Melody Nelson". Der Sänger selbst kommt mittlerweile rüber wie der Charles Aznavour seiner Generation: Turners Deluxe-Crooning (sofern er nicht einfach nur spricht) weist im neuen Pop-Umfeld eine stimmliche Tiefe auf, wie sie der 50-jährige französische Chanson-Star in den 70er Jahren erreichte. Das somnambule "American Sports" zeigt eine in völlige Schwerelosigkeit abhebende Band-Einheit, die Turners Sprechgesangsmantren geradezu manisch perfekt bekleidet. Ground Control to Major Turner.

Im enigmatischen Titeltrack lässt O'Malley eine große Basslinie vom Stapel, auch Cooks Gitarrentupfer, die zunächst so fremd wirken, fügen sich bald ein. "The World's First Ever Monster Truck Front Flip" liefert einen astreinen Last Shadow Puppets-Refrain, Beach-Boys-Chöre inbegriffen. Für "She Looks Like Fun" jubelte Helders seinem Kollegen wohl etwas Iggy-Pop-Vibes unter, zusammen mit dem ziellos schunkelnden "Batphone" einer der weniger charismatischen Tracks. Mit "The Ultracheese" verabschiedet sich Turner dann stilecht im Bademantel am Piano.

Textlich wagt er sich nun sogar verklausuliert an große Politik: "The leader of the free world reminds you of a wrestler wearing tight golden trunks" lautet eine Zeile. Auch Technologie und ihr Einfluss auf unseren Alltag ist Thema ("The World's First Ever Monster Truck Front Flip"), wenn er nicht gerade Musikjournalisten anbettelt, das neue Album mit "four out of five" zu bewerten.

Wenn Kunst irritieren muss, haben die Arctic Monkeys mit dieser Platte geliefert. Auch Jack White dürfte das freuen. Jüngst erzählte er der Zeit: "Wie oft habe ich mir Bowies Low-Album angehört, bis ich es verstanden habe. Heute hören Teenager einen Song halb fertig und schon wird getwittert 'Ich hasse diesen Dreck'". Suck it and see.

Trackliste

  1. 1. Star Treatment
  2. 2. One Point Perspective
  3. 3. American Sports
  4. 4. Tranquility Base Hotel & Casino
  5. 5. Golden Trunks
  6. 6. Four Out Of Five
  7. 7. The World's First Ever Monster Truck Front Flip
  8. 8. Science Fiction
  9. 9. She Looks Like Fun
  10. 10. Batphone
  11. 11. The Ultracheese

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23 Kommentare mit 29 Antworten

  • Vor 3 Monaten

    Ein Album was entdeckt werden will - für mich ein Meisterwerk!!!

  • Vor 3 Monaten

    Mir fehlen die Ohrwürmer.
    Aber ansonsten top!

  • Vor 3 Monaten

    Uiuiui, mein lieber Schuh, die Radiohead Vergleiche/Zitate und auch das Jack White Zitat am Ende wirken dann doch ein wenig arg weit hergeholt bzw. nur bedingt gewinnbringend. Hätte man nach meinem Geschmack auch komplett streichen können, ohne dass der Rezi war verlorgen geht. Insgesamt aber schöne Rezi.
    Ob ich mich persönlich an die Rezi herantraue, weiß ich aber immernoch nicht. Klingt nicht so nach meiner Eisenbahn. Und Alex Turner hat für mich persönlich sowieso schon länger ein bisschen auf dem schmalen Grad zwischen coole Sau und unausstehlicher Lackaffe gewandelt. Wobei ich jetzt nicht weiß, was das mit dem Rest meines Kommentars zu tun ha en soll.

    • Vor 3 Monaten

      Meintest du vielleicht Grat i.S.v. Bergkamm/Bergrücken oder auch die Schnittlinie zwischen zwei Flächen?

      https://www.duden.de/rechtschreibung/Grat

    • Vor 3 Monaten

      Mhh, ja, geht auf meine Kappe. Alberner Flüchtigkeitsfehler.

    • Vor 3 Monaten

      Die Vergleiche mit "Kid A" sind eher strukturell als inhaltlich gemeint. Die Platte liegt einem erst mal schwer im Magen und ich war auch nach fünf Mal Hören eher noch enttäuscht. Irgendwann hats dann gezündet, mittlerweile bin ich sogar bei 5/5. Ein Wahnsinnsgrower. Von daher passt auch der Jack White-Satz: Man hört sich ein Album heute doch nicht 30 Mal an, bevor man eine Meinung dazu hat. Das machen ja nicht mal Musikjournalisten ;)

    • Vor 3 Monaten

      Wenn ich mir ein Album erst schön trinken muss, och nö! :P

    • Vor 3 Monaten

      @Mikey Shoes:
      Ja eben weil's halt hauptsächlich ein struktureller Vergleich ist, finde ich's etwas weit hergeholt. Letztendlich steht da dann nach meinem Empfinden relativ viel Text für die Erkenntnis "Schreibblockade -> Klavier -> Genrewechsel" als Gemeinsamkeit.
      Wirklich dabei helfen, mir die Musik zu erschließen, tut's aber nur bedingt. Da ist das Jack White schon hilfreicher, wobei man das natürlich auch für mindestens 50 andere Alben bringen kann.

      Aber gut, muss sich ja nicht alles um die Musik drehen. Generell finde ich das eigentlich auch sehr cool, wenn der Rezensent ein bisschen die Entstehungsgeschichte mit einfließen lässt und/oder es in einen größeren musikalischen Kontext einordnet. Hier fand ich persönlich den Radiohead-Vergleich nur ein bisschen arg konstruiert. Aber gut, ist auch nur meine Meinung und von dem kleinen Kritikpunkt abgesehen, finde ich den Reviewsstil bzw. das -format, das du hier aufziehst auch sehr cool.

    • Vor 3 Monaten

      Vom Kid A-Vergleich lässt sich natürlich nicht auf die Musik hier schließen, aber ich finde die Überschneidungen der Entstehung gekoppelt mit der Überlegung, wie man "TBH+C" in ein bis zwei Jahren musikgeschichtlich einordnet, schon interessant. Ist in dieser Form auch selten, das einem so viele Gemeinsamkeiten über den Weg laufen, da muss man dann als Schreiber schon zugreifen. Wenn man es für sinnvoll erachtet natürlich. Jedenfalls danke für die Blumen ;)

  • Vor 3 Monaten

    mein eindruck: schon lang versagten meinungstrend und nase der kommentierenden nicht mehr so sehr, wie momentan die trends im thread des aktuellen apc-albums und hier.

    meine these: das liegt nur an der sich selbst austricksenden erwartungshaltung, die beiderseits von den vorgängeralben geprägt wurde. würden viele jenes oder dieses album "blind date" hören und die identität der band erst hnterher erfahren, gefiele es etlichen, die das hier als "langweilig" empfinden.

    • Vor 3 Monaten

      Jo, das sagst du (und kannst du sagen) bei Platten von Künstlern, die dir selber nicht so am Fanboy-Herzen liegen (siehe auch APC-Thread). Jetzt hat vor Kurzem ein einziges Mal eine Person deine "Unvoreingenommenheit" komplimentiert und zwar ebenfalls hinsichtlich eines Acts, bei dem du nie so wirklich mit dem schwarzen Goth-Herz (mehr so als "interessierter Musikversteher" dabei warst (QOTSA). Kann es sein, dass du dir auch deswegen ne ziemlich kurzgedachte These daraus in den nicht vorhandenen Bart zwirbelst? Aber zieh du das doch selber mal bei deinen Alltime-Favs so durch, sobald die wieder veröffentlichen... Geht nit? Und warum nicht, hm?

      U.a. evtl auch deswegen nicht, da es bei der Mehrzahl derjenigen Acts, wo mensch selbst Fan ist, wohl relativ ausgeschlossen ist, das nicht nach 1-3 Stücken zu blicken, wer die gehörte Musik macht? Und dann auch die Erwartungshaltung wieder einsetzt und die Tendenz zu Vergleich mit, sagen wir mal, den persönlichen Lieblingswerken der Band entbrennt?

      Besagte These evtl. nochmal in die nächste Grübelschleife mitnehmen, Herr Anwalt.

    • Vor 3 Monaten

      Wenn du wie hier mehr als 3 Zeilen schreibst, macht er das bestimmt.

    • Vor 3 Monaten

      zum einen geht es doch gar nicht um mich oder dich oder den einzelnen hörer. es geht einfach darum, ob es stimmt und man der musik unrecht tut oder nicht. alles andere ist doch sachverhaltsfremde metaebene.

      und selbst wenn ich mal die fanboy- und autorenposition einbezihe: klar mag es sein, dasses mir bei diversen act ähnlich gehen würde. gleichzeitig aber auch nicht. bei bowie etwa liegt mir "low" genau so am herzen wie "blue jean" oder "young americans". bei iggy ist die chansonplatte ähnlich gut wie die schrammelsachen der frühen stooges.

      und durch die rezis haben alle autoren das problem ja auch dauernd am hals. man beruft sich doch, eine scheibe nicht deshalb niederzuschreiben, weil etwas anders ist, aber gut gemacht.

    • Vor 3 Monaten

      Ich hasse mich bereits jetzt dafür, aber picken wir es doch mal auseinander...

      "zum einen geht es doch gar nicht um mich oder dich oder den einzelnen hörer" vs. "klar mag es sein, dasses mir bei diversen act ähnlich gehen würde. gleichzeitig aber auch nicht."

      Aha. Um was Anderes als um ein von dir mutmaßlich praktiziertes und eingefordertes "besonderes Hörverhalten", welches zu der "wahren Erkenntnis" (-> "es geht einfach darum, ob es stimmt und man der musik unrecht tut oder nicht") führt, nämlich der deinigen, dass du diese Platten gut findest und viele andere eben nicht, ging es denn dann bitteschön in deinem ursprünglichen Beitrag?

      "bei bowie etwa liegt mir "low" genau so am herzen wie "blue jean" oder "young americans". bei iggy ist die chansonplatte ähnlich gut wie die schrammelsachen der frühen stooges."

      Nun ja, ich spekuliere mal darauf, dass du zum Großteil der von dir genannten Veröffentlichungen noch nicht alt/reif genug warst, um das so in deren Gesamtschaffen und deinen persönlichen Vorliebenkatalog einordnen zu können, wie du das heute tust und selbst wenn, so ist dies ja genau die Form von Einordnung, die du dir für einen "unvoreingenommenen Zugang" als Bedingung für die Erkenntnis der "wahren Größe" dieser beiden Platten von APC und AM verbittest. Dabei ist die Ausführung, dass du bei einem Künstler Platten aus unterschiedlichen Schaffensphasen magst, keine argumentative Stütze dafür, dass denjenigen, die bspw. "13th Step" von APC mögen, jetzt gefälligst auch den "Stilbruch" der aktuellen Platte mitgehen könnten, wenn sie nur deine unverschränkte Sicht auf die Platte übernehmen könnten. Können sie v.a. deswegen nicht oder nur schwer, weil sie eine emotionale Bindung zu der Platte haben, die dir fehlt. Ich finde drei Platten aus drei unterschiedlichen Schaffensphasen von Pink Floyd (alle vor meiner Geburt ;) ) gleichwertig großartig, die neue APC aber trotzdem noch ziemlich kagge.

      "man beruft sich doch, eine scheibe nicht deshalb niederzuschreiben, weil etwas anders ist, aber gut gemacht."

      Joa, aber das "gut gemacht" bleibt halt bei allen noch so objektiv anmutenden und selbst erschaffenen Kriterien ne ziemlich subjektive Beurteilung, die ich persönlich bspw. hinsichtlich der AM sogar weitgehend mit dir teile, bezüglich der APC aber überhaupt nicht.

      Ich bleibe dabei: Dieses unvoreingenommene Herantreten und liebgewinnen gelingt dir als Mensch, Autor, Musikkritiker Goth und Muppet v.a. bei Acts, zu denen du eine wenig emotional beladene Erwartungshaltung pflegst und das von dir vorgeschlagene "Blind Date" ist ebenfalls für beide Beispiele, AM und APC, aufgrund der distinktiven Vocals und der Begrenzung durch die gegebenen Projekte der Vokalisten nur sehr bedingt und kurzfristig tauglich.
      Haste es erkannt, kickt gleich nach dem "Fanboy/Fangirl: Yes/no"-Check unabhängig von der Antwort auch eine bestimmte Erwartungshaltung als Folge des direkten Vergleichs mit bereits Bekanntem des jeweiligen Acts (sowie besagtem Check des emotionalen Bezugs dazu) beim Hörer ein.

    • Vor 3 Monaten

      ich verstehe schon, worauf du hinaus willst. die gnadenlose subjektivität des individuums im bereich "kunstgeschmack"ist aber gar nicht strittig unter uns. das ist alles nicht der punkt. interessant wird es doch ab jenem moment, wo man deine ausführungen nicht etwa als endpunkt sondern als ausgangspunkt nimmt. sonst bleibt die diskussion ja immer auf diesem ad hominem/tu quoque-level stecken, der keinerlei raum für gedankenspiele lässt und auch irgendwie anödet.

      also nochmal: loslaufend mit deiner antithese und meiner these hier die synthese:

      egal ob als reviewer oder reiner konsument/kommentierer: der fanboy neigt notgedrungen aufgrund seiner extremen gefühlslage und erwartungshaltung zu extremen reaktionen gen idealisierung oder verdammung des vorgefundenen.

      ergo: zu einer beurteilung die auch möglichst viel erkenntnisgewinn transportieren soll, könnte es mithin zielführend sein, einen perspektivwechsel vorzunehmen, der frisch und unbelastet an das jeweilige album herangeht bzw. den versuch unternimmt. das wäre im bereich rezi etwa eine hier ja auch manchmal praktizierte pro/contra-kritik. das ist im bereich der kommentarspalte zb das nebeneinanderstellen von äußerungen, die zu unterschiedlichen schlüssen kommen.

      sicher, das bietet alles keinerlei gewähr für treffsichere urteile. aber es wäre eine art geschworenenprinzip (das gibt es ja nicht umsonst übern teich), welches dadurch die wahrscheinlichkeit der annährung an eine womöglich fairere wahrheit bietet, dass es bewusst unterschiedliche blickwinkel/individuen denselben sachverhaslt bzw. dasselbe produkt beurteilen lässt.

      denn immerhin kann man jedes ding von mindestens 2 seiten betrachten. interessanterweise verändert die beurteilung sich oft durch zeitablauf.

      chris cornells "scream" etwa war vor 9 jahren dem großteil der grunge/rockfans eine artz "kommerzieller ausverkauf, wa!" anderen und besonders heute gilt es vielen als toller ausflug in pop-gefilde.

      yes' "90125" war vielen proggies eine lästerung. andere dachten: "hey,endlich haben die gelernt, pointierte songs zu schreiben."

      phil collins war in den 80ern d a s popkultrelle feindbild und vielen der totengräber von genesis.
      heute kann man die sachen kumulativ genießen und erkennt, dass "mama" oder "in the air tonight"
      großer, prägender pop war.

      ob das alles heute der wahrheit näher kommt als die damalige sicht - keine ahnung! jaja, immmer noch alles subjektiv. aber - und hier komme ich dem herrn psychologen wieder mit juristenquatsch - könnte man analog "in dubio pro reo" philosophisch davon ausgehen, dass die mildeste seriös begründetee beurteilung aus einem kanon verschiedener seriöser thesen die fairste wäre, oder?

      vielleicht bin ich ja der einzige hier. aber ich finde solche gedankenspiele sehr interessant.

    • Vor 3 Monaten

      Verblüffend wie spielerisch unser Realregaleinräumer „von oben herab“ noch steigern kann!
      Auch das solch ein schwacher und unangenehmer Charakter tatsächlich seinen Lebensunterhalt mit einer Arbeit die den Umgang mit Menschen voraussetzt zu bestreiten scheint ist kaum zu glauben! Wobei dies ja nicht bewiesen ist....die Wahrscheinlichkeit das der „Doc“ in Wirklichkeit hochgradig gestört ist scheint seit der Dogmafixierung realistisch. Wer immer sich auf eine sexuell motivierte Beziehung zu ihm einlässt sollte wirklich aufpassen das könnte gefährlich werden! Also am besten aus dem realen Leben raushalten und weiter gestelzte, arrogante Kommentare hin und wieder positiv bewerten so kann dieser potenzielle Triebtäter evtl. dauerhaft „besänftigt“ werden!

    • Vor 3 Monaten

      @Anwalt:
      Wie sehr du selbst in der Fanboy-Pose verharrst und deinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden kannst, das zeigt sich m.E. ganz gut an Einschätzungen wie einem im kollektiven Rückblick betrachteten eher durchschnittlich wahrgenommenen "Post Pop Depression" und, ja, auch immer wieder an dem Totschlagargument "Lulu".

      Zumal ich den Verdacht habe, dass es bei dir halt tendenziell immer in Richtung romantischer Verklärung von großer Scheiße geht als in nüchterne Einsicht, dass ein eigenes Idol vielleicht auch mal ins Klo gegriffen hat oder der Griff halt keiner großen Erwähnung oder "Schönhörphase" würdig ist.

      @Scientologe
      Wenn mensch dich anhand solcher Beiträge auf eine (in deinem Universum sicher als humoristische Provokation wahrgenommene) generelle Art, Rückschlüsse zu ziehen und Menschen einzuschätzen, reduzieren würde, dann ist der Gesellschaft sicher am meisten gedient, wenn ich weiter tue, was ich zum Broterwerb derzeit gerade so tue, während du lieber weiter Bus fährst.

      Tatsächlich bin ich froh, dass es Menschen mit deiner Berufung gibt, da ich mich selbst nicht sonderlich wohl fühle beim Steuern überdimensionierter Fahrzeuge, bin aber gleichzeitig wenig verwundert darüber, wie beschissen und herausragend dämlich es klingt, wenn eben diese Menschen sich gleichermaßen selbstsicher wie ignorant zu Berufen und Berufsfeldern oder, wie in diesem letzten Fall, "Diagnosen" aus- und herablassen, zu denen speziell du hier offenkundig nicht mehr beizutragen weißt als das naive und auf ungebildete Klischees begrenzte Vorstellungsvermögen des Laien.

    • Vor 3 Monaten

      An sich ist diese Beef-Trias ja super, aber irgendwo hat es auch Grenzen. Ich werde das jetzt sicher nicht alles lesen. :D

    • Vor 3 Monaten

      Er hat jetzt nicht wirklich bemängelt das ich Menschen einschätze und reduziere?!....hat er?....doch hat er wirklich!
      Das ist natürlich extrasüß aus deinem Mund.
      2-3mal im Jahr gehen mir deine herablassenden Kommentare nunmal tierisch auf die Eier und dann muss was raus und gut ist!
      Dein Fününü darauf ist jedesmal herrlich. Wenn dich große Kinder ärgern einfach ignorieren aber das fällt dir schwer weil du gar nicht anders kannst als in deiner vermeintlichen Überlegenheit zu kontern. Allerdings selten mit Zuhilfenahme der von deinen Schergen verbreiteten Gerüchte.(Busfahrer good work dHvW).
      Tatsächlich habe ich meinen Beruf mal vor einiger Zeit im Gromky offenbart da ist wohl was falsches hängengeblieben...aber da es so weit gar nicht weg ist von der Wahrheit...meinetwegen....ich bin Lokführer und damit selbstverständlich überhaupt nicht prädestiniert dich überhaupt anzusprechen...verzeih...
      weitermachen!

    • Vor 2 Monaten

      goth, soul, ist das billig. ich versuche hier unter gentlemen einen neuen blickwinkel mit euch aus zu probieren - gerade weil ich mich nicht ausnehme. und dir fällt trotz dieser wirklich mit mühe und spaßan der diskussion ichts weiter ein, als immer vom sachthema auf "du kannst, du bist mämömö" rum zu blöken? ecjht jetzt?

      lies mal den wiki.eintrag zu "tu quoque". könnte helfen, ein ernsthafter diskussionspartner zu werden, der nicht zwanghaft immer und überall auf die unangemessen (!) persönliche ebene ausweicht.

      denn gerade, wenn bzw falls du recht hast/hättest mit meinem eigenen blindfen fleck anno "lulu", spricht das doch erst recht für meine argmentation. erst recht für das andenken eines anderen ansatzes, in dem die diversität den jeweils eigenen fanboywinkel in teilen korrigiert, sei er nun überkritisch oder überidealisiert.

      das ist doch nicht so schwer zu verstehen. klappt aber nur, wenn man etwas lust, sich gegenseitig die bälle zu zu spielen, statt immer auf so nem spießerkram a la "du bist soooxyz" zu reiten.

      und ja: bei uns autoren ist es natürlich immer etwas anders als bei hörern, die sich wochenlangmit ner scheibe beschäftigen können. vergiss nicht: wir haben ja immer nur ein mini-zeitfenster zwischen erhalt der songs und dem datum, an dem der text raus sein muss. da ist so git wie jede rezi ab einem gewissen relevanzgrad der band natürlich nur die dokumentation einer ersten momentaufnahme, eines ersten spontaneindrucks. sollte klar sein, eh?

      da spielt dann natürlich vieles rein. bei "lulu" etwa die begeisterung, nach jahren wieder was von lou zu hören. bei meiner iggy-rezi von "post pop depression" etwa die trauer, dass es wohl die letzte platte sein wird. und genau das ist ja der punkt, von dem ich eben sprach.. man selbst ändert seine ansicht hinterher ja auch. es ist nur eben die momentaufnahme, die als einzig zitierfähige quele bis in alle ewigkeit im orbit spact, vastehste? klar würdest du das verstehen, wenn du mal vom läppischen "aber du wa!"-gaul runter kämst. :smoke:

      heute zb würde ich iggys letzte scheibe nicht mehr als so brillant einordnen wie damals. ebenso würde ich heute niemals mehr mono inc 4p für ihr letztes teil geben. ich muss irre gewesen sein.

      und genau desdhalb mein obiges gedankenspiel. bitte nochmal verständig lesen, hm? danke.

      ps: sorry for t

    • Vor 2 Monaten

      @Anwalt
      Wo habe ich das denn bitte nach deinem Empfinden auf die / oder eine dir zu persönliche Ebene gezogen? Ich beziehe mich mit diesem Anwurf an dich, einerseits bei Acts, die dir nicht so am Herzen liegen, auch von den Fanboys eine "unvoreingenommene Herangehensweise" zu verlangen und andererseits eben diese selbst nicht einnehmen zu können, wenn es gerade was neues von deinen Idolen zu beurteilen gibt, rein auf deine Rezensionen und deine Äußerungen in zugehörigen laut-Threads der genannten Platten. Alles, was du selbst an dieser Stelle zu den Themen veröffentlichst, mehr nicht - insofern kannst du mich nach unserem letzten Zusammenprall als 100% korrekt nehmen.

      Und bzgl. dieser Rezensionen und Äußerungen ist m.E. eine quantitative Tendenz bei dir beobachtbar, neues von alten Helden meist erst mal sehr zu feiern - im Gegenteil zu meiner Tendenz, neues von alten Helden erst mal sehr, manchmal evtl. zu kritisch anzugehen.

      @Scientologe
      Dass du meine Beiträge oft als "von oben herab" empfindest, hat ggf. gar nicht soo sehr (oder nicht ausschließlich) mit meiner Formulierung zu tun, sondern damit, dass diese Formulierungen ganz offensichtlich Verunsicherung und Gefühle von Minderwertigkeit, bzw. das Gefühl, vielleicht auch "selbst hinter den intellektuellen Möglichkeiten zurück geblieben" zu sein, auslösen.
      Dass du dich im dritten oder vierten Anlauf nach meinem Zweitaccount benannt hast, nach wie vor Probleme und spürbar Gewissensbisse hast, die via Avatar angepeilte Rolle eines Eric Cartmann wirklich angemessen und konsequent in einer Gruppe zu besetzen und mit so verzweifelt anmutenden Beleidigungskisten voller völlig haltloser Unterstellungen wie in diesem Thread hier eigentlich nur deine eigene Unsicherheit im Umgang mit mir untermauerst, ist dir tief innen drinnen sicher auch selbst bewusst, gehört aber offenbar zu den von dir übernommenen Coping-Strategien aus vergangenen Erfahrungen in (Online-)Gruppensituationen.

      Das alles ist aber mehr dein Problem als meins. Ich hab i.Ü. viele Freunde aus allen Schichten, aus der Arbeiter- und "Unterschicht" zahlenmäßig sogar die meisten. Von denen würden dir im echten Leben sicher viele bestätigen, dass ich diese arroganten Züge z.T. zwar auch ab und an auftrage, aber mehr so als Abwehrmechanismus und/oder Koketterie hinsichtlich meines persönlichen Werdegangs.
      Ich verlass mich einfach darauf, dass du im echten Leben sehr viel besser und aufmerksamer Lok fährst, als du hier bei laut.de Menschen einschätzt und du verlässt dich bestenfalls bei mir darauf, dass ich die Arschloch-Tour bei Bedarf auch reduzieren oder gar einstellen kann, wobei der Bedarf an dieser Stelle dafür äußerst überschaubar bleibt, wie du ja inzwischen selber festgestellt haben solltest. Ganz abgesehen davon, dass sich in der Praxis weder gleichzeitig Arschloch und Psychotherapeut sein noch das Behandeln, während mensch selbst in Behandlung ist, völlig ausschließen. ;)

    • Vor 2 Monaten

      Glaub mir das Scientologen Ding ist reiner Zufall...das du aber versuchst mir einen Minderwertigkeitskomplex andichten zu wollen war mir vorher schon klar irgendwie enttäuschend das du tatsächlich durch diese Tür gehst. Aber wie bereits gesagt jetzt ist es raus und du hast bestimmt wieder ein paar Monate ohne meinen Senf dazu. Im übrigen bin ich ja nicht der einzige hier der deine Art bemängelt. Was du von anderen forderst scheint für dich selbst völlig utopisch zu sein. Einfach mal sich selbst hinterfragen....naja gut jetzt (no hate sollte klar sein)
      P.s bin sehr gut in meinem Job und hoffe das auch von meinen Fahrdienstleitern...

    • Vor 2 Monaten

      @soul: ok, ich glaube, ich weiß warum wir aneinander vorbeireden.

      du sagst: "Ich beziehe mich mit diesem Anwurf an dich, einerseits bei Acts, die dir nicht so am Herzen liegen, auch von den Fanboys eine "unvoreingenommene Herangehensweise" zu verlangen und andererseits eben diese selbst nicht einnehmen zu können, wenn es gerade was neues von deinen Idolen zu beurteilen gibt, rein auf deine Rezensionen und deine Äußerungen in zugehörigen laut-Threads der genannten Platten. Alles, was du selbst an dieser Stelle zu den Themen veröffentlichst, mehr nicht - insofern kannst du mich nach unserem letzten Zusammenprall als 100% korrekt nehmen."

      siehste, genau das meine ich: ich sage doch deutlich oben: gerade weil es teilweise bei mir auch so ist die methode des andenkens doch erst recht interessant.

      wenn ich jetzt zb irgendwas von bowie oder lou in den himmel hebe, stehen dem dialektisch womöglich zu recht manch andere gegenstimmen gegenüber. oder auch in anderer hinsicht: es ist ja nicht nur die idealisierung. wenn ich etwa ner john fogerty- oder skinny puppy-scheibe (auch alte helden) nur einen punkt gebe, ist das evtl überkritisch. jeder einzelfall ist anders.

      genau darum geht es mir doch. die geschweorenenthese des sammelns möglichst vieler blickwinkel und der versuch des perspektivwechsels ergibt doch erst eine diversität, an der man sich selbst auch weiterentwickeln kann.

      und genau so, wie ich da als fanboy mitunter dem tunnelblick unterliege (mitunter auch nicht), wechselt sich die position etwa im fall apc oder bei obigem album. weil dort die fanboys eben auch einer womöglich irrationalen enttäuschung erliegen.

      gehen wir also mal für nen moment davon aus, dass dieses dialektische hin und her sinnvoll für den erkenntnisgewinn beider seiten, aller seiten wäre.

      hierfür könnte auch sprechen, dass sich die wahrnehmung der angesprochenen beispiele cornell, collins, yes über die jahre änderte und von reinen blickwinkel des enttäuschten fans oder idealisierenden fans abwich.

      man hätte also ein gegenseitiges korrektiv der jeweils eigenen fanbrille im interesse eines dem künstler gegenüber fairen gesamtergebnisses. ich hoffe, ich bin deutlich genug, worum es mir geht. wird das einigermaßen klar?

    • Vor 2 Monaten

      @Anwalt
      Joa, kann ich mit leben. Nur aus dem mehrfach beschworenen Collins-Kollektiv möchte ich bitte noch ausgeklammert werden, ich hasse sein Solo-Zeug, kokettiere lediglich manchmal mit der "We can't dance"-Assoziation von vielen der nach 80 Geborenen, find in Bezug auf Genesis tatsächlich aber die Collins-Phase weitaus entbehrlicher für die Musikgeschichte als die Gabriel-Phase.

      @Scientologe
      Für den hast du dich allerdings in der Art, wie du dich immer wieder an meiner Art hier stößt, auch in die passende Schablone gezwängt. Nochmal: Das hier ist die Muppetshow, von Selbstreflexion stand in meiner Rollenbeschreibung nix, die bedingt mein Beruf in einer ständig begleitenden Funktion für's echte Leben auch bis ins Private hinein völlig ausreichend.

      So, wie ich hier auftrete, findet meine Real-Persona mich auch ziemlich abgehoben, aber das ist durchaus so gewollt ;)

  • Vor 3 Monaten

    Ich finde die Radiohead-Vergleiche vom Schuhster passend. Sollte klar sein, dass das strukturell gemeint ist. Er hätte auch Achtung Baby rufen können, aber das kennen die Indie-Kids ja nicht so.
    Heute wird die Schuh-Bettwäsche aus dem Schrank geholt.

  • Vor einem Monat

    Grenzenlos langweilig.
    Es ist wirklich gut und wichtig, dass sich Bands weiterentwickeln und verändern. Wenn aber das aktuelle Werk nun gar nichts mehr mit dem zu tun hat, wofür eine Band mal musikalisch stand, wird es schwierig.