laut.de-Kritik

Zieht den meisten Metallern mächtig die Hammelbeine lang.

Review von

Der Hammer! Was geht eigentlich hier ab? Verdammt, schon die letzten beiden eigenen Stücke mit Sandra Nasic bzw. Matze Sayer am Gesang waren unglaublich, aber was es auf "Reflections" zu hören gibt, stellt alles andere in den Schatten.

Inzwischen dürfte die Bezeichnung "Die Band die Metal-Songs auf Celli nachspielt" eine der größten Beleidigungen sein. Das traf bestimmt mal zu, aber mit ihrem neuen Album ziehen Apocalyptica, mittlerweile nur noch zu dritt, den meisten Metallern mächtig die Hammelbeine lang. Die ersten beiden Tracks legen ein derartiges Tempo und eine Brachialität an den Tag, dass man nur verwundert den Schmalz vom Kopfhörer kratzen kann. Zumindest ansatzweise kann man eine Erklärung finden, denn bei diesen und noch drei weiteren Songs saß Dave Lombardo von Slayer hinter den Drums und das hört man recht deutlich.

Auch die anderen Songs werden, bis auf "Conclusion" und "Epilogue" vom Schlagzeug begleitet. Neben Klavier, diversen Streichern und einer Trompete, ohne die "Toreador II" auch schlecht denkbar wäre, kommen auch noch einige programmierte Samples zum Einsatz, die aber nie aufgesetzt wirken und meist das Gesamtbild nur abrunden. Doch die auf ein Trio geschrumpften Finnen bollern natürlich nicht nur durch die Heide, sondern zollen auch ihren klassischen Wurzeln und ihrer finnischen Heimat Respekt. Wer bei "Conclusion" nicht depressiv wird, sollte mal prüfen, ob er noch atmet. Auch "Cohkka" und "Epilogue" gehen eher in die klassische Richtung und zeigen eindrucksvoll, wie wenig sich Apocalyptica limitieren lassen.

Die Mischung ist bekanntlich das, was wirkliche Großtaten ausmacht. Schon mit "Resurrection" zeigen Eicca, Perttu, Paavo und Dave, was ne Harke ist und ziehen ein paar Furchen ins Trommelfell. Der überraschendste Song ist aber "Heat" mit seinem ständigen Wechsel zwischen sehr elektronischen Grooves und leichten Tribalbeats. Doch auch "Cortége" weiß mit seiner klassischen Orchestrierung à la Schostakowitsch und wirklich fetten Riffs zu überraschen.

"Toreador II" klingt dann noch mal richtig böse, bevor "Reflections" mit "Epilogue" zu Ende geht, einem Stück, das Eicca für die Bühnenfassung von Fjodor Dostojewskis "Schuld und Sühne" schrieb. Zeigt mir eine Band, die vielseitiger, innovativer und besser ist als Apocalyptica und ich lebe fortan abstinent im Kloster! Also kauft das Ding und geht auf die Konzerte!

Trackliste

  1. 1. Prologue (Apprehension)
  2. 2. No Education
  3. 3. Faraway
  4. 4. Somewhere Around Nothing
  5. 5. Drive
  6. 6. Cohkka
  7. 7. Conclusion
  8. 8. Resurrection
  9. 9. Heat
  10. 10. Cortége
  11. 11. Pandemonium
  12. 12. Toreador II
  13. 13. Epilogue (Relief)

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30 Kommentare

  • Vor 16 Jahren

    Ich habe ja mit vielem gerechnet, aber daß ich in der Bewertung mit laut mal so auf einer Wellenlänge liegen würde, wohl nicht. Ebenso war es nicht so schwer vorauszusehen, daß das Album sicher nicht schlecht wegkommen wird (für Cult gab es 4 Punkte), aber von der vollen Punktzahl hätte ich nicht zu träumen gewagt. Außer daß ich die Songs mit Fräulen Nasic und Herrn Sayer nicht so toll finde (der Rezensent war da anderer Meinung), kann ich diesem Review nur vollstens zustimmen. Seit heut morgen rotiert das Teil in meinem Player und auch von mir gibt es ein kräftiges "Kauft das Teil!!!".

    Grüße
    Bernie

  • Vor 16 Jahren

    sowie ich wieder geld habe... ist die erste cd, die ich kaufen werde... :)
    solange es nicht mehr als 2 lieder mit gesang sind, ist ja auch alles ok, denk ich... :)

  • Vor 16 Jahren

    Zitat (« spaghettikoch schrieb:

    solange es nicht mehr als 2 lieder mit gesang sind, ist ja auch alles ok, denk ich... :) »):

    Nein, auf diesem Album ist ja (zum Glück ;)) wieder kein Gesang mit dabei. Der Rezensent hatte nur diese beiden Stücke der Cult Special Edition erwähnt, weil sie ihm sehr gut gefielen.

    Grüße
    Bernie