laut.de-Kritik

Ein Album voller poetischer Eleganz.

Review von

Es ist schon fast erschreckend, mit welch scheinbar selbstverständlichen Leichtigkeit Anna Ternheim Musik komponiert, die so feinfühlig und düster die Seele berührt. Bereits der Opener öffnet mit melancholisch fließenden Streichern den Kopf und lässt Bilder von unberührten Landschaften und verborgenen Plätzen umher fliegen. Dem gegenüber steht auf dem Cover Anna Ternheim mit weißem Shirt und gesenktem Kopf. Es ist kein Blick der Traurigkeit sondern eher der des von oben Beobachtens. Denn dies ist die Rolle einer Anna Ternheim. Sensibel Eindrücke sammeln und diese zu kleinen Meisterwerken zusammen zu frickeln.

So bestach ihr erstes Werk durch die unglaublich intime Nähe, an der uns Anna teilhaben lässt. Somebody Outside hatte einen sehr anziehenden Do It Yourself-Charakter. "Separation Road" bewahrt diesen zwar, doch man merkt dem Album an, dass hier eindeutig mehr Ressourcen zur Verfügung standen und auch die Musikerin selbst einen Schritt weiter gehen wollte. Glücklicherweise handelt es sich tatsächlich um eine Weiterentwicklung. Da wurden nicht einfach Orchesterparts hinzu geklatscht, sondern passend in die Songs einbaut.

Ein einsam zurückhaltendes Piano leitet "Such A Lonly Soul" ein. Ruhige Schlagzeugrhythmen gesellen sich dazu und endlich setzt das ein, was auch auf dem Rest des Albums immer die Oberhand behält: Die unverwechselbar eindringliche Stimme Ternheims. Eine Mischung aus schüchterner Zurückhaltung und doch klaren Statements. Auch "Calling Love" entpuppt sich als wunderschönes Liebeslied mit Klavier, Gitarre und verhallenden Streichern.

Bedächtig und zu Beginn nur von einer Gitarre begleitet, zieht Anna den Hörer in "No Subtle Man" in ihren Bann. Es fällt schwer, sich auf die Musik zu konzentrieren. Sofort fliegen die Gedanken davon, verlieren sich in schmerzhaften wie auch schönen Erinnerungen. Nur Sätze wie "So much for running, when no-one stays to wait … For another broken promise to slip my mind by mistake ... Who would take my word ... on anything these days" durchschallen die gedankliche Abgeschiedenheit des davon geschwebten Hörers.

Auch auf diesem Album singt die Schwedin von Liebe ("Lovers Dream") und Schmerz ("Feels Like Sand"). Sie verfällt dabei nicht dem Kitsch, sie prangert nicht belanglos an. Vielmehr schreitet sie zwischen Glück und Hass mit jener Anmut hin und her, die sie zu einer einzigartigen Songwriter-Perle macht.

Wie schon bei ihrem letzten Album, kreiert Anna Ternheim mit "Separation Road" ein Album voller poetischer Eleganz. Sie erschafft mit ihrer Musik Bilder und sorgt so für großes Kopfkino. Auch wenn sie mit Streichern und Orchester teilweise pompöser umgeht, so geht die intime Atmosphäre nicht verloren. Auch jetzt gilt es, vom Wind zerzauste Landschaften zu erforschen, gedankenverloren kalte Nächte zu durchforsten und sich an dem Funken Schönheit zu erfreuen, der als ständiger Begleiter die Songs unterstreicht. Anna Ternheim zeigt, dass Melancholie nur bedingt etwas mit Traurigkeit zu tun hat, sondern vielmehr mit einem feinfühligen Fokus auf Umwelt und Menschen.

Trackliste

  1. 1. Intro - Separation Road
  2. 2. Girl Laying Down
  3. 3. Today Is A Good Day
  4. 4. Such A Lonely Soul
  5. 5. Calling Love
  6. 6. No Subtle Men
  7. 7. Lovers Dream
  8. 8. Feels Like Sand
  9. 9. Tribute To Linn
  10. 10. One To Blame
  11. 11. Halfway To Fivepoints
  12. 12. Lovers Dream - Naked Version
  13. 13. China Girl
  14. 14. Black Widow - Naked Version

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